Titelbild eines Buches

Gabriele Katz: Anna Haag. Schreiben in Zeiten des Kriegs. Biografische Skizze

8 grad verlag Freiburg 2022. 156 Seiten mit Abbildungen. Hardcover 24 €. ISBN 978-3-910228-00-9

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Nach Anna Haags 2021 veröffentlichtem Kriegstagebuch mit dem Titel Denken ist heute überhaupt nicht mehr Mode und nach Edward Timms’ Studie Die geheimen Tagebücher der Anna Haag. Eine Feministin im Nationalsozialismus von 2019 (beide in SH 2021|3 besprochen) liegt nun ein weiteres Anna-Haag-Buch vor. Dessen Autorin, Gabriele Katz, hat sich als Biografin prominenter Frauen der Landesgeschichte einen Namen gemacht, etwa der Unternehmerin Chaile Kaulla, der Spielzeugfabrikantin Margarete Steiff, der Malerin Marie Ellenrieder oder der »Landesmutter« Franziska von Hohenheim.

Die Schriftstellerin, Pazifistin, Frauenrechtlerin und spätere Sozialpolitikerin Anna Haag protokollierte den Kriegs- und NS-Alltag so wie ihn die Stuttgarter Zivilbevölkerung erlebte. Für die Nazi-Gegnerin war es eine endlose Zeit des Wartens auf Befreiung, der Ohnmacht angesichts von Unterdrückung und Verbrechen, dazu kamen das Bangen um ihre Familie, die Furcht vor Denunziation und Verhaftung, vor Bombenangriffen und Tod. Anna Haag. Schreiben in Zeiten des Krieges lautet der Titel von Gabriele Katz’ biografischer Skizze. Eine Biografie, so wünschenswert das angesichts von Anna Haags epochenumspannendem, wechselvollem Leben (1888–1982) gewesen wäre, ist das Buch leider nicht. Es ist vielmehr die Literarisierung eines zeitgeschichtlichen Dokuments.

Dem Tagebuch in kurzen Episoden folgend, um historisches Hintergrundwissen ergänzt, entfaltet sich eine Kriegserzählung mit »Anna« als Protagonistin. Die Unmittelbarkeit der Tagebuchform wird gedämpft durch Stilmittel, die Distanzierung schaffen: durch die Verwendung der dritten Person und des Imperfekts, von Alltagsszenen mit fiktiven Personen, locker durchsetzt mit Rückblicken auf die Vergangenheit der Mittfünfzigerin. Das ist gut geschrieben und liest sich fast wie ein Roman. Wer sich der Wucht von Anna Haags über 400 Seiten starker, unmittelbar geschilderter Kriegserfahrung nicht aussetzen will, ist mit dem schmalen Bändchen von Gabriele Katz gut beraten.

Dorothea Keuler

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