Porträt Gustav Schwab

Gustav-Schwab-Preis für junge Wissenschaftler

Aus Anlass seines hundertjährigen Jubiläums stiftete der Schwäbische Heimatbund den Gustav-Schwab-Preis. Der Preis würdigt herausragende Arbeiten junger Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geschichte (auch der Rechts-, Kunst-, Kirchengeschichte, Volkskunde), der Literatur und Landeskunde des schwäbischen Raums. Der Preis ist mit 3.000 € dotiert und soll alle zwei Jahre verliehen werden, erstmals 2009. Mit ihm soll der wissenschaftliche Nachwuchs, die Arbeit junger Forscherinnen und Forscher in Schwaben gefördert werden.

Über die Preisvergabe entscheidet eine vom Schwäbischen Heimatbund eingesetzte Jury, der Experten aus den Reihen des Vereins angehören.

Preisträgerinnen und Preisträger

Landesgeschichte ohne Promotionen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schwaben als besondere Geschichtslandschaft im europäischen Rahmen neu entdeckt. Das Besondere der schwäbischen Geschichte: Polyzentrik statt imperialistischer Großstruktur, genossenschaftliche Organisation, kommunale Verfassungsformen, vielfältige Gestaltung der politischen Partizipation, bäuerliche Mitbestimmung, religiöse Pluralität, gelebte Toleranz, kulturelle Vielfalt, künstlerische, literarische, philosophische und theologische Höhepunkte – all dies ließ Schwaben als Musterland europäischer Möglichkeiten erscheinen.

Mit Bahn brechenden Arbeiten von Karl Siegfried Bader, Theodor Mayer, Otto Herding, Otto Borst, Fritz Kallenberg, Gerd Tellenbach, Karl Schmid und anderen wurden Schneisen geschlagen, denen andere folgten. Neben den vielen lokalen Einzelforschern waren es Doktoranden und Habilitanden, die neue Quellen publizierten und die Forschung oft in völlig neue Bahnen lenkten. Die Universitäten in Augsburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Freiburg, Konstanz, Innsbruck, Zürich und Bern steuerten mit einer Vielzahl von Dissertationen Wesentliches und Grundlegendes zur neuen und vertieften Erforschung der südwestdeutschen Geschichte bei.

Seit einiger Zeit dünnt der Strom an Dissertationen und Habilitationen zur schwäbischen Geschichte in beunruhigender Weise aus. Ihre Zahl geht teilweise dramatisch zurück. Dies mag teilweise nachvollziehbare externe Gründe haben wie der fast gleichzeitige Wechsel auf den landesgeschichtlichen Lehrstühlen in Augsburg, Weingarten, Tübingen, Stuttgart, Freiburg und Bern und die Umstellung der universitären Prüfungen vom Magister auf Bachelor und Master. Es spielt eine große Rolle, dass so gut wie kein Staatsexamenskandidat, die früher die Mehrheit unter den Doktoranden bildeten, mehr bereit ist, eine Promotion zu übernehmen, weil innerhalb der nächsten zwei Jahre – die für eine Promotion aufzuwenden sind – die Chancen für eine Übernahme in den Staatsdienst dramatisch sinken. Den Weg vom Bachelor über den Master zur Promotion hat im Fach Geschichte an meiner Universität Stuttgart seit der Einführung der neuen Prüfungsordnung vor rund fünf Jahren noch niemand beschritten. Ein offenes Doktorandenkolleg für die Doktoranden, die schwäbische Themen erforschen, das die Gesellschaft Oberschwaben mehrfach angeboten hat, musste zuletzt mangels Nachfrage ausfallen.

Eine der Ursachen für den Rückgang der Dissertationen mag sein, dass der Geschichtsunterricht an den Gymnasien das Mittelalter und die Frühe Neuzeit, beides besonders charakteristische Epochen schwäbischer Geschichte, ausklammert und diese Lücken während des Studiums kaum noch zu schließen sind. Wenn der Investiturstreit, die Zeit der Staufer, das Spätmittelalter, der Dreißigjährige Krieg, die Aufklärung alles Fremdwörter sind und erst von der Basis an vermittelt werden müssen, wird man nur schwer Doktoranden finden, die anschließend spezielle Themen auf regionaler Basis behandeln. Ein Ausdruck dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass seit Jahren die Benützung der Historischen Archive (Archivalien bis 1800) in unseren südwestdeutschen Archiven deutlich zurückgeht.

Die neue, vielfach propagierte Form der Promotionen, die Graduiertenschulen – die gezielte Zusammenarbeit vieler Doktoranden unter einer Forschungsperspektive -, wie sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vorsieht, kann angesichts der Differenzierung landesgeschichtlicher Forschung keine Lösung sein. Allenfalls wäre eine gemeinsame Graduiertenschule der südwestdeutschen Lehrstühle denkbar, die aber erst in fernerer Zukunft zu realisieren ist. Es sind die historischen Vereine, die dieser Entwicklung entgegenzuwirken versuchen. Es gibt den Carl-Joseph von Hefele-Preis, den Johannes-Brenz-Preis und, vom Schwäbischen Heimatbund zum hundertjährigen Jubiläum gestiftet, den Gustav-Schwab-Preis.

Angesichts der Vielzahl der Probleme mag der Preis wirken wie der Tropfen auf den heißen Stein. Der Schwäbische Heimatbund aber hofft auf eine Signalwirkung, dass der Gustav-Schwab-Preis den Blick der Studierenden wieder verstärkt auf die Geschichte Schwabens und ihre reichhaltigen und vielfältigen Perspektiven lenkt. Eine große Bewerberzahl für den Preis wird ein Erfolg für einen Neustart zur Erforschung der Geschichte Schwabens sein.

(Prof. Dr. Franz Quarthal, 2009)

Über Gustav Schwab

Gustav Schwab um 1850 (wikipedia: Link)

Der Schwäbische Heimatbund benennt seinen Wissenschafts-Förderpreis nach dem Literaten, Pfarrer und Dichter Gustav Schwab (1792–1850), geboren und gestorben in Stuttgart, aufgewachsen und verheiratet im Umfeld der gebildeten württembergischen Ehrbarkeit. Nach dem Besuch des Stuttgarter Gymnasiums studierte er in Tübingen, war Zögling des Evangelischen Stifts und seit 1817 Professor für alte Sprachen am oberen Gymnasium in Stuttgart. Als langjähriger Mitarbeiter der Verlage Brockhaus und Cotta wurde er zum Förderer vieler schwäbischer Autoren.

1837 als Pfarrer in Gomaringen wurde ihm die Schwäbische Alb zur Lebensheimat. Dort entstand 1838–1840 das Werk, das ihn deutschlandweit bekannt machte, die Sagen des klassischen Altertums, das bis heute die Rezeption antiker Mythologie in Deutschland beeinflusst. Schwab zählt zu den Dichtern der Schwäbischen Romantik; viele seiner Gedichte sind bis heute populär und bekannt. Er brachte die Schwäbische Alb, das vaterländische Gebirge der Württemberger des 19. Jahrhunderts, wie kein anderer den Menschen nahe: Geologie, Geschichte, Literatur und Sagen verwoben sich mit Bildern und praktischen Reisehinweisen. 1823 erschien sein Werk: Die Neckarseite der Schwäbischen Alb, 1837 folgten die Wanderungen durch Schwaben.

Schwab wurde 1841 Stadtpfarrer an der Leonhardskirche in Stuttgart, ein Jahr später Dekan und 1845 Oberkonsistorialrat für die höheren Schulen in Württemberg. 1847 machte ihn die Universität Tübingen zum Ehrendoktor der Theologie. Seine Leidenschaft für die Wissenschaft, seine Kreativität, sein pädagogisches Engagement und seine Liebe zu Schwaben hofft der Schwäbische Heimatbund in den künftigen Preisarbeiten gespiegelt zu sehen.

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