Klaus Gereon Beuckers und Patricia Peschel (Hrsg.) Kloster Bebenhausen

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Klaus Gereon Beuckers und Patricia Peschel (Hrsg.) Kloster Bebenhausen

Titelblatt

Neue Forschungen. (Wissenschaftliche Beiträge der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Band 1). Bruchsal 2011. 216 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und acht Planbeilagen. Fester Einband. ISBN 978-3-00-036472-3

Angestoßen von verschiedenen Restaurierungsarbeiten, insbesondere am Turm der Klosterkirche, fand Ende Juli 2011 im Kloster Bebenhausen eine wissenschaftliche Tagung statt, die von «Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg» in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel veranstaltet wurde. Dabei ging es weniger um die Geschichte des Klosters, die ja auch seit den Arbeiten von Stegmaier, Stievermann und Sydow als weitgehend aufgearbeitet gilt, als vielmehr um die Baugeschichte und um die mittelalterlichen Ausstattungsstücke.

Zwar gibt es mit der 1995 erschienenen, immerhin 410 Seiten umfassenden Dissertation von Matthias Köhler auch zur Bau- und Kunstgeschichte des Klosters ein Standardwerk, das einen guten Überblick bietet. Doch konnten inzwischen eine ganze Reihe neuerer (Detail-) Erkenntnisse durch bauhistorische Untersuchungen oder archäologische Forschungen gewonnen werden. Diese alle wurden auf der Tagung vorgetragen und erfreulicherweise auch schon wenige Monate danach nun in dem vorliegenden Band publiziert. Manches davon, von den Autoren oder Autorinnen schon durch kleinere Aufsätze an anderer Stelle anskizziert, findet sich im neuen Sammelband ausführlicher erläutert, so beispielsweise in dem Beitrag von Christina Vossler-Wolf (Christina Ihle) zu den archäologischen Ausgrabungen in der Klosterkirche und der Klausur. Neue sorgfältig erarbeitete Grundlagen für weitergehende Überlegungen liefern vor allem Tilmann Riegler über den Westflügel der Klausur und Tilmann Marstaller über die Dachwerke. Eng verzahnt mit beiden Beiträgen ist der von Ulrich Knapp über den Kreuzgang als «Ort klösterlicher Repräsentation». Minutiös zeichnet er, auf seinen Befunden aufbauend, die verschiedenen Erbauungsphasen des Kreuzgangs nach: Dabei gelingt es ihm, über die Steinmetzzeichen bislang unbekannte Beziehungen zu anderen südwestdeutschen Klöstern aufzudecken.

Ein besonderer Rang gebührt dem Aufsatz von Peter Rückert über das Skriptorium und die Bibliothek des Klosters. Ihm gelingt es an Hand überlieferter archivalischer Quellen der bislang in der Forschung kaum wahrgenommenen und nur wenig bekannten literarisch-liturgischen Schreib- und Buchtradition Bebenhausens, der qualitätvollen klösterlichen Schriftkultur deutliche Konturen zu verleihen. Mit dem Glück des Tüchtigen fand er bei seinen Recherchen im Hauptstaatsarchiv eine bislang unbekannte Handschrift aus der Zeit um 1200, die eine Ordnung über die in der Kirche und im Refektorium im Jahresverlauf zu lesenden Bücher enthält: «ein erstes markantes Zeugnis Bebenhausener Buchkultur».

Lesenswert sind auch die manch Neues beinhaltenden Beiträge über das Tympanongemälde aus dem Sommerrefektorium (Inga Falkenberg), über das Stifterbild von Abt Peter von Gomaringen (Vivien Bienert), über die Grabplatte für Abt Johannes von Fridingen (Julia Sukiennik), den Vierungsturm (Philip Caston und Klaus Gereon Beuckers) sowie über den Ausbau der Königlichen Gemächer (Patricia Peschel). Der Autorin Ute Fessmann, die über die Bernhardsminne schrieb, darf man empfehlen, den 2001 in der Schwäbischen Heimat veröffentlichten Aufsatz zum selben Thema zu lesen.

Dass man sich gründlich irren und täuschen kann, wenn man von einer historisch verbürgten Gegebenheit ausgehend wunderbare Thesen entwickelt und alle diesen widersprechenden anderen historischen Quellen ignoriert oder verbiegt und sich zurecht stutzt, zeigt sich im Aufsatz von Stefan Gerlach. Ausgehend vom Ergebnis der dendrochronologischen Untersuchung der Holzdecke im klösterlichen Winterrefektorium, die Fälldaten der Hölzer liegen zwischen 1516 und 1519, deutet Stefan Gerlach, wie schon in einigen Aufsätzen zuvor, das Bildprogramm des Raumes »als eine Reaktion auf den 1519/20 in Württemberg erfolgten Machtwechsel» von Württemberg auf Habsburg und «als eine Demonstration der Reichstreue seitens des Bebenhausener Konvents und ihres Abtes Johannes von Friedingen gegenüber dem Kaiser». Nun zeigt aber der Wappenzyklus der Konsolen, auf dem diese Decke aufliegt, neben den Wappen des Reiches und der sieben Kurfürsten auch die Wappen des württembergischen Grafen Eberhard im Bart (1459–1496) und seiner Mutter Mechthild († 1482). Die Behauptung, dass man im Kloster diese Wappen zur Zeit der habsburgischen Regierung in Württemberg (1520–1534) angebracht hat, etwa aus Nostalgiegründen oder weil das Kloster in württembergischer Zeit besonders prosperierte, ist abwegig. Nach der Verjagung Herzog Ulrichs von Württemberg war Erzherzog Ferdinand, der Bruder Karls V., Landesherr geworden und damit auch Schützer und Schirmer des Klosters Bebenhausen. Hätte man in Bebenhausen den Regierungswechsel mit einem Wappen bedacht, so wäre dies mit Wappenbildern geschehen, wie sie der neue Landesherr auf Münzen führte oder wie sie in der Kirche des Klosters Lorch als Zeichen des neuen Vogtherren bis heute erhalten sind.

Um seine falsche These zu stützen, führt Gerlach ein weiteres Wappen der Reihe (Goldener Löwe auf blauem Grund) an, das man bislang als das Signum des Ordensvaters Benedikt interpretiert hat. Gerlach behauptet, dass sich für den «Mönchsvater Benedikt» oder den Benediktinerorden ein «solches Wappen » «nicht nachweisen lässt» und glaubt deshalb den Löwen als das Wappen des Abtes Johannes von Friedingen, der von 1493 bis 1534 regierte, identifizieren zu können. Hierbei irrt er gleich zweifach. Einmal: Abt Johannes von Friedingen führt auf der Stütze im Winterrefektorium sowie auf seiner Grabplatte ein quadriertes Wappen, das im ersten und vierten Feld zwar einen Löwen zeigt, dieser aber ist nicht nur anders geformt, sondern schreitet auch auf einem Balken. Zum zweiten: Der goldene Löwe auf dem blauen Feld ist nachweislich das apokryphe Wappen Benedikts. Man findet es im Spätmittelalter vor allem bei süddeutschen Klöstern, so beispielsweise auch in Maulbronn. Und dass man in Bebenhausen das Benedikt-Wappen sehr wohl kannte, belegt eine Miniatur des Heiligen mit seinem Wappen in einem in Bebenhausen zwischen 1501 und 1503 geschriebenen Gebetbuch, das sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek befindet (Cod. brev. 108). So sollte man in der Forschung akzeptieren, dass der Wappenzyklus Jahrzehnte vor der neuen Decke angebracht worden ist und ihn dann auch von der richtigen Zeit her interpretieren.

Wilfried Setzler