Die Preisträger des Denkmalschutzpreises 2006

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Die Preisträger des Denkmalschutzpreises 2006

Der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg - landesweit der wichtigste Preis für private Denkmaleigentümer - ehrte im 29. Jahr seines Bestehens fünf völlig verschiedene Gebäude aus der reichen Denkmallandschaft des Landes. Dazu sprach die Jury eine besondere Anerkennung aus. Die Spanne reicht vom Taglöhnerhaus am Kaiserstuhl bis zum "Schlössle" an der Tauber, vom Schwarzwälder Vogtshof bis zur ehemaligen Pulverfabrik in Rottweil.

Der in Baden-Württemberg einmalige Preis (weitere Infos zum Denkmalschutzpreis) wird vom Schwäbischen Heimatbund, dem Landesverein Badische Heimat und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung verliehen. Ziel des Preises ist, denkmalpflegerisch beispielhaft instandgesetzte Gebäude auszuzeichnen und bekannt zu machen, auch um weitere Denkmalbesitzer zur Nachahmung zu ermuntern.

Die feierliche Preisverleihung fand statt am 3. März 2007 in Rottweil, Gewerbepark Neckartal, Kraftwerk.

Eigentümer, Architekten und Restauratoren erhielten als Auszeichnung eine Urkunde. Als Zeichen der Anerkennung erhielt zudem jeder Bauherr 5.000 Euro und eine Bronzeplakette zum Anbringen an das Gebäude.

Die Preisträger 2006

Senftenschlössle Untermünkheim

Haus mit Fachwerkaufsatz

Senftenschlössle

Hohenloherstraße 46 in 74547 Untermünkheim

Baujahr 1316/1515. Preisträger: Interessengemeinschaft Sanierung historischer Bauten, Harald Brode

Bis 2003 bot das Senftenschlössle mit bröckelndem Putz, ausgebleichtem Fachwerk und Einfachstwohnungen im Innern ein trauriges Bild. Dabei handelt es sich um ein bedeutendes Denkmal der Geschichte von Untermünkheim im Kochertal. Bereits 1361 als steinernes, von einem Wassergraben umgebenes Haus erwähnt, wurde der Bau 1515 von Melchior Senft zu Sulzburg, einem reichen Patrizier aus dem nahen Schwäbisch Hall, erworben und zum eigenen Wohnsitz mit einem Fachwerkgeschoss und einem hohen Krüppelwalmdach aufgestockt. Seine Familie gibt dem stattlichen Gebäude bis heute den Namen, auch wenn im Laufe der Zeit die Eigentümer häufig wechselten. Im 20. Jahrhundert war vom Charakter des ländlichen Adelssitzes nicht mehr viel zu spüren. Aber hinter abgehängten Decken, Wandverkleidungen und Bodenbelägen war vieles erhalten geblieben.

Beim Verkauf durch die Gemeinde im Jahr 2002 erhielt die Interessengemeinschaft Sanierung historischer Bauten den Zuschlag. Die denkmalbegeisterte Gruppe mit den Psychotherapeuten Harald Brode und Petra Jaumann, dem Holztechniker Tomas Bauckhage und dem Software-Ingenieur Martin Pfahls verfügt über einschlägige Erfahrungen mit anderen Objekten und wurde für die Sanierung des ehemaligen Spitals in Neuenstein bereits 2002 mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.

Nach gründlichen Recherchen und restauratorischen Untersuchungen machten sich die Bauherren mit viel handwerklicher Eigenleistung an die Arbeit und führten das Vorhaben zu einem gelungenen Ergebnis. Zu loben ist vor allem die Entscheidung, das Senftenschlössle künftig als Herberge für Radtouristen zu nutzen. Dadurch war es möglich, die historischen Grundrissteilungen weitestgehend zu bewahren. Die heute notwendige sanitäre, elektrische und heizungstechnische Infrastruktur wurde behutsam in die historische Substanz integriert, ohne sich optisch in den Vordergrund zu drängen.

Bei den Freilegungen kamen historische Putze und Farbfassungen zum Vorschein, die gesichert wurden. Die Zimmer präsentieren sich heute in den Farben des 16. Jahrhunderts. Besonders erfreulich ist der Umgang mit den sehr interessanten floralen und figürlichen Wandmalereien aus der Renaissancezeit, die überraschend im Fachwerkgeschoss ans Licht kamen. Sie wurden lediglich gesichert, jedoch nicht ergänzt. Um ihre Erhaltung für die Zukunft zu gewährleisten, verzichteten die Bauherren bewusst auf eine intensivere Nutzung des Raumes.

Ehem. Pulverfabrik Rottweil, Ensemble Jakobskirche, Arbeiterkantine

Fabrikgebäude, das wie eine Kirche aussieht

Die so genannte Jakobskirche

Neckartal 159 in 78628 Rottweil

Baujahr 1909-1916. Preisträger: Holzmanufaktur Rottweil GmbH, Hermann Klos und Günter Seitz

Noch heute zeugen die Industriebauten im Taleinschnitt des Neckars unterhalb der Rottweiler Altstadt von den Schattenseiten der neueren deutschen Geschichte. Seit 1840 entstand hier die Pulverfabrik Rottweil, die während der Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts und deren Vorbereitung besonders prosperierte. In den 1930er Jahren, als die Fabrik ihre größte Expansion erreichte, standen auf dem Werksgelände nicht weniger als 140 Gebäude, darunter Bauten so bedeutender Architekten und Ingenieure wie Paul Bonatz und Emil Mörsch. Nach dem Zweiten Weltkrieg noch eine Zeitlang zur Textilherstellung genutzt, drohte das Areal, auf dem sich immerhin rund 40 Kulturdenkmale befinden, als Industriebrache zu verfallen.

Der Gewerbepark Neckartal steuert dieser Entwicklung seit 1993 erfolgreich entgegen. Mit einer vielfältigen Infrastruktur aus Arbeiten und Wohnen, Freizeit und Gastronomie, Dienstleistung und Kultur beschreiten die Initiatoren neue Wege und legen dabei besonderen Wert auf denkmalpflegerische Ziele. Bereits 1999 wurde die gelungene Umnutzung des ehemaligen Badhauses als Restaurant und Theaterstätte mit dem Denkmalschutzpreis belohnt.

Maßgebliche Akteure der Umnutzung sind Hermann Klos und Günther Seitz, die von Anfang an Motoren des Vorzeigemodells waren. 1993 hatten sie sich mit ihrer aufstrebenden Firma Holzmanufaktur Rottweil GmbH, die sich der Reparatur von Bauteilen aus Holz widmet, hier angesiedelt. Zunächst als Mieter, dann als Eigentümer sicherten sie sich ein zentral im Werksgelände gelegenes Ensemble von drei Bauten, das ursprünglich sozialen Zwecken diente: die wegen ihres an eine Basilika erinnernden Querschnitts und ihrer turmartigen Eingangsfront so genannte Jakobskirche, die 1913/14 von Albert Staiger als Wasch- Umkleide- und Schlafsaalgebäude errichtet wurde, die alte Werkskantine, 1909 von Heinrich Henes erbaut und später mehrmals erweitert und umgebaut, sowie das letzte der ursprünglich sechs vorhandenen Aborthäuschen.

Von 2001 bis 2005 wurden diese Gebäude nach einem Konzept des Architekten Alfons Bürk unter Beteiligung von Eva Zähringer und Bernd Liebmann behutsam saniert und dabei intelligent den Bedürfnissen der Holzmanufaktur nach Werkstatt-, Büro-, Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Sozialräumen angepasst. Die handwerkliche Qualität, die den Arbeiten der Holzmanufaktur eigen ist, zeichnet auch die Instandsetzung der durch fehlenden Unterhalt und Brand teilweise marode gewordenen Bausubstanz aus. Was beschädigt war, wurde soweit als möglich repariert und verunstaltende Veränderungen mit Augenmaß zurückgebaut. Alle Entscheidungen erfolgten auf Grundlage einer sorgfältigen Baudokumentation. Besonders überzeugend ist die gestalterische Qualität der neuen leichten Stahleinbauten im ehemaligen Kantinensaal, wo heute die Verwaltung der Holzmanufaktur untergebracht ist.

Vogtshof Hausen ob Verena

Wohnhaus

Vogtshof

Kirchstraße 5 in 78595 Hausen ob Verena

Baujahr 1685. Preisträger: Annedore und Dr. Wilfried Stark

Der Vogtshof ist ein für die Region zwischen Alb und Baar charakteristisches Quereinhaus, das unter seinem durchgehenden Satteldach Wohnteil, Stall und Scheune vereint. Seit den 1980er Jahren bereitete das stattliche Anwesen allen Verantwortlichen beträchtliche Sorgen. So hatte sich beispielsweise der große Ostgiebel im Laufe der Zeit um 1,50 Meter nach hinten geneigt und die gesamte Fachwerkkonstruktion aus dem Gefüge gebracht. Notmaßnahmen zur Stabilisierung mussten aber zunächst genügen. Eine Bestandsaufnahme zeigte, dass das Haus unter anderem wegen der erhalten gebliebenen reichen Innenausstattung des 18. Jahrhunderts ein hochkarätiges Kulturdenkmal darstellt.

Die endgültige Rettung war jedoch erst in Sicht, als Annedore und Dr. Wilfried Stark aus Paderborn das Haus erwarben und sich von 2002 bis 2005 der Herausforderung einer umfassenden Sanierung stellten. Akribische Forschungen und Baudokumentationen der Architekten Alfons Bürk und Annette Fischer, der Holzmanufaktur Rottweil, der Restauratoren Kristina und Karl-Philipp Jung, des Ingenieurbüros Lohrum sowie des Schreiners Steven Ryle gingen den Arbeiten voraus oder begleiteten sie.

Nach und nach wurde die Geschichte des Hofes so in allen Facetten nachvollziehbar. Erbaut 1685/86, gehörte er bis ins spätere 19. Jahrhundert der vermögenden Familie Gluntz, die lange den Ortsvogt von Hausen ob Verena stellte. Ursprünglich war das zweistöckige Gebäude ein verzierter Sichtfachwerkbau auf einem massiven Sockelgeschoss. Durch einen Umbau nach Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt der Vogtshof ein völlig neues Gesicht mit veränderten Fensteröffnungen sowie einer steinernen Ummantelung samt Anstrich. Damals wurden auch die beiden großen Stuben in den Obergeschossen mit einer auf dem Land seltenen, überaus reichen Holzvertäfelung ausgestattet.

Die Sanierung gestaltete sich äußerst kompliziert. Aus statischen Gründen mussten alle hölzernen Einbauten und das gesamte Dachwerk demontiert sowie die Gefache des Fachwerks freigelegt werden, um die Holzkonstruktion wieder ins Lot zu rücken. Trotz dieser Eingriffe gelang es beispielhaft, möglichst viel von der originalen Substanz zu retten und den authentischen Charakter des Denkmals zu bewahren. Ziel war, den Zustand nach dem Umbau im 18. Jahrhundert wiederherzustellen. Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von der handwerklichen Qualität der Holzreparaturen. Fehlende Holzteile wie die Fenster wurden entsprechend den im Haus vorgefundenen Mustern nachgebaut. Auch die für eine moderne Wohnnutzung erforderlichen haustechnischen Installationen und Baudetails ordnen sich zurückhaltend in das Gesamtbild ein. So sind die Heizkörper unter der Decke aufgehängt und fallen optisch kaum auf.

Taglöhnerhaus Vogtsburg-Burkheim

Inneres eines Fachwerkhauses

ehem. Taglöhnerhaus

Lazarus-von-Schwendi-Str. 9 in 79235 Vogtsburg-Burkheim

Bauzeit 17. Jahrhundert. Preisträger: Angela und Dieter Hahn

Einfacher kann eine Behausung kaum sein. In der Vorstadt des kleinen Kaiserstuhlstädtchens Burkheim direkt unterhalb der Burgruine gelegen, ist das Häuschen ein Dokument für die bescheidenen Wohnverhältnisse, mit denen sich arme Leute bis vor wenigen Jahrzehnten zufrieden geben mussten. Das Grundstück, auf drei Seiten von Nachbargebäuden umgeben, misst gerade einmal 39 Quadratmeter. Vom kargen Leben einer Taglöhnerfamilie erzählen der Kleintierstall im Haus und die zwei kleinen Räume im Erdgeschoss. Der zweigeteilte, von Rauch geschwärzte Dachraum, wurde vom Tageslicht kaum erhellt.

Die genaue Untersuchung der Bausubstanz lieferte zusammen mit dendrochronologischen Bestimmungen das Bild einer komplexen Baugeschichte, die im Kellerbereich bis ins Mittelalter zurückreicht. Errichtet wurde das Haus, so wie es heute dasteht, im späten 17. Jahrhundert. Später nahm nahezu jede Generation Änderungen vor, so etwa als um 1900 die Traufe des Daches höher gelegt wurde, um mehr Lagerfläche zu schaffen.

2004 befand sich das seit längerem leer stehende Haus in einem erbärmlichen Zustand. Der Abbruch schien nur eine Frage der Zeit. Für das freie Grundstück gab es durchaus Interessenten, nur die Einstufung als Kulturdenkmal und der Kontext der historischen Burkheimer Altstadt gewährte dem Objekt einen Aufschub. Die Rettung kam, als Dieter und Angela Hahn beschlossen, den Niedergang abzuwenden. Noch vor Unterzeichnung des Kaufvertrags nahmen sie erste Sicherungsmaßnahmen vor.

Parallel zur genauen Bauuntersuchung entwickelte das Ehepaar Hahn zusammen mit der Architektin Petra Habammer ein tragfähiges Konzept zur Sanierung, die trotz der Enge der Baustelle mit viel Eigenleistung 2005 in nur wenigen Monaten realisiert werden konnte. Da das Haus als Ferienhaus genutzt wird, konnten die originale Einteilung und die Bausubstanz weitgehend erhalten werden, obwohl es sich dabei nur um einfachste Materialien und Konstruktionsweisen handelt, die üblicherweise dem Bagger zum Opfer fallen. So bleiben Geschichte und Lebensverhältnisse auch in Zukunft nachvollziehbar. Heutige Bedürfnisse blieben indes keineswegs außen vor. Durch geschickte Lichtlenkung dringt mehr Tageslicht in die Räume. Eine moderne Kücheneinrichtung sowie ein Bad im Obergeschoss sorgen für zeitgemäßen Komfort. Eine Besonderheit ist das Fenster im Bad. Um die Dachfläche von Gauben freizuhalten wurde stattdessen der Kniestock auf der Straßenseite verglast.

Gebäudeensemble Sigismund-/Bahnhofstraße

Straßenansicht von alten und neuen Gebäuden

Alt und Neu begegnen sich in Konstanz

Sigismund-/Bahnhofstraße in 78462 Konstanz

Bauzeit 17. Jahrhundert. Preisträger: Erbengemeinschaft Swars Uhl

Mitte der 1990er Jahre standen die Mitglieder der Erbengemeinschaft Swars, Geschwister Uhl vor der schweren Entscheidung, was aus ihrem Anwesen in der historischen Altstadt von Konstanz werden sollte. Die Bausubstanz war dringend erneuerungsbedürftig, die Wohnverhältnisse in dem verwinkelten und unansehnlichen Gebäudekomplex nicht mehr zeitgemäß und eine wirtschaftliche Nutzung trotz zentraler Lage unmöglich geworden. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten einer Sanierung, die man gemeinsam anpacken wollte. Damit wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der bis zum Abschluss der Baumaßnahmen nahezu ein Jahrzehnt dauern sollte.

Eine umfangreiche und zeitaufwändige Bauforschung am Gebäude selbst und das Heranziehen von Archivquellen klärten erst nach und nach die Geschichte und sorgten für manch überraschende Erkenntnis: Zwei giebelständige Bauten, die herrschaftlichen Häuser Steige und Zur Salzscheibe sind noch mit originaler Bausubstanz aus dem Mittelalter beziehungsweise aus Renaissance und Barock bis in die Dachbereiche erhalten, darunter drei repräsentative Wohnräume mit wertvollen historischen Decken. Vor allem im 19. Jahrhunderts wurde jedoch der Hofbereich zwischen den Bauten in minderwertiger Qualität geschlossen und damit die ursprüngliche Struktur völlig verschleiert.

Gemeinsam mit den Architekten Ewald Maedel und Fredi D'Aloisio sowie weiteren Beteiligten entwickelte die Bauherrschaft eine Planung, die so viel wie möglich von der ursprünglichen Substanz erhält und die alten Strukturen wieder sichtbar macht. Nicht zuletzt wurde die labil gewordene Standsicherheit wieder hergestellt. Es ist gelungen, das Gebäude für heutige Wohn- und Gewerbenutzungen in einem lebendigen Stadtzentrum attraktiv zu machen.

Erforderliche neue Bauteile sind bis ins Detail hinein konsequent eigenständig als moderne Zutaten gestaltet, etwa der formal anspruchsvolle Ausbau der beiden Dachstühle, aber auch die haushoch verglaste Halle, die an die Stelle der abgerissenen Überbauung zwischen den Häusern getreten ist. Sie ermöglicht die aus feuerpolizeilichen Gründen erforderlich gewordene Neuerschließung der Wohnungen und bildet gleichzeitig eine optische Zäsur zwischen den beiden historischen Hausteilen.

Besondere Anerkennung

Standseilbahn in Stuttgart-Heslach

holzverkleidete Bahn auf einer Brücke

Standseilbahn

Südheimer Platz in Stuttgart

Baujahr 1928. "Preisträger": Stuttgarter Straßenbahnen AG

Die Standseilbahn, die vom Südheimer Platz im Stadtteil Heslach den steilen Hang hinaufführt, zählt zu den Eigentümlichkeiten der Landeshauptstadt und wird von den Stuttgartern geliebt. Überregional ist sie aber kaum bekannt. Im Volksmund ironisch als Witwen-Express bezeichnet, bringt sie in erster Linie Besucher des Waldfriedhofs ohne Mühen von der Straßenbahnhaltestelle im Tal in drei Minuten über eine Höhendifferenz von 90 Metern zu ihrem Ziel.

Die Bahn wurde 1928/29 von der Maschinenfabrik Esslingen errichtet und ist eine der spätesten Vertreterinnen ihrer Art. An die damals schon zurückliegende Zeit der Standseilbahnen erinnert die Bauart der beiden hölzernen Wagen, während Tal- und Bergstation in ihrer sachlichen Architektur typische Beispiele neuen Bauens um 1930 sind.

Trotz mehrerer Renovierungen konnte die Bahn über die Jahrzehnte hinweg sowohl ihre ursprüngliche Technik als auch ihren Charme bewahren. Nach der Bergbahnkatastrophe im österreichischen Kaprun im Jahr 2000 stand jedoch ihre weitere Existenz aufgrund neuer EU-Sicherheitsrichtlinien plötzlich in Frage.

Es ist ein Glücksfall, dass sich die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) als Betreiber entschieden, die Bahn nicht einfach stillzulegen, sondern sie in den Jahren 2003 und 2004 durch eine aufwendige Sanierung mit vielen kreativen Ideen und in mühevoller Kleinarbeit heutigen Anforderungen anzupassen, ohne den ursprünglichen Charakter zu zerstören.

Die Jury des Denkmalschutzpreises zeigte sich sehr erfreut darüber, dass es trotz zunächst unüberwindbar scheinender bürokratischer Hürden gelungen ist, die alten Wagen zu erhalten und zu restaurieren sowie die historische Antriebstechnik an Ort und Stelle zu belassen. Die Mitglieder waren einhellig der Meinung, in diesem außergewöhnlichen Fall eines beweglichen technischen Denkmals den Verantwortlichen der Stuttgarter Straßenbahnen AG für ihr Engagement eine besondere Anerkennung auszusprechen.