Wertvolle Schätze der Denkmallandschaft gerettet

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Wertvolle Schätze der Denkmallandschaft gerettet

Der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg - landesweit der wichtigste Preis für private Denkmaleigentümer - ist 2004 (unter dem Titel "Denkmalschutzpreis der Württemberger Hypo") wieder an fünf sehr unterschiedliche Gebäude gegangen. Die Preisträger bilden einen guten Querschnitt der reichen Denkmallandschaft in Baden-Württemberg: eine Kirche aus den 14. Jahrhundert, ein Hofgut und eine Apotheke aus dem Mittelalter, ein ehemals als bischöfliches Jagd- und Lusthäuschen dienendes Wohnhaus und ein neugotisches Abwasser-Pumpwerk von 1903. Der in Baden-Württemberg einmalige Preis (weitere Infos zum Denkmalschutzpreis) setzt im 27. Jahr seines Bestehens abermals ein Zeichen für mehr private Initiative bei der Erhaltung von Kulturdenkmalen. Die diesmal ausgezeichneten Bauwerke beweisen eindrucksvoll, dass mit Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis die alten Mauern neu genutzt werden können, ohne auf Komfort und hochwertige Wohn- und Arbeitsbedingungen zu verzichten.
Die Preisverleihung fand am 4.11.2004 im Mannheimer Schloss statt.

Die Preisträger 2004

Hofgut Hochmauren in Rottweil (Kreis Rottweil)

Der mächtige, dreigeschossige Giebel des Hauptgebäudes von Hofgut Hochmauren prägt das Bild der Rottweiler Altstadt. Der Name Hochmauren weist auf ein Mauerwerk aus der Zeit der Römerstadt Area Flaviae hin. Das Hauptgebäude mit seinen regelmäßig gestalteten Fensteröffnungen mit hölzernem Mittelpfosten ist in Wohn- und Wirtschaftsteil getrennt. Neben dem ursprünglichen Keller sind heute wieder die erhaltenen Teile der Ausstattung aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu sehen.

Blick in den Festsaal des Hofguts

Blick in den renovierten Festsaal

Durch restauratorische Untersuchungen schälte sich die historische Ausstattung des herrschaftlichen Wohnteils heraus. Bei der neuen Grundrissplanung in den Wohngeschossen war die Erhaltung der historischen Details und der wichtigen Repräsentationsräume denkmalpflegerisches Ziel: Im Einklang mit der historischen Bausubstanz sollte eine moderne Wohnnutzung geschaffen werden. Immer mehr interessierten sich auch die jetzigen Eigentümer, die Geschwister Frey, für das "alte Gemäuer" und unterstützten ihren Vater, der Architekt war, bei seiner Planung und den Baumaßnahmen. In beispielhafter Weise haben die Geschwister Frey die von ihrem Vater begonnene Sanierung und Restaurierung des herrschaftlichen Wohnsitzes eines mittelalterlichen Gutshofes zu Ende geführt und bewohnen jetzt das Gebäude.


Frauenkirche in Markgröningen-Unterriexingen (Kreis Vaihingen/Enz)

Die kleine Kirche liegt außerhalb des Dorfes Unterriexingen inmitten des Friedhofs. Sie wurde als Saalkirche mit Westturm und Vieleckchor im 14. Jahrhundert erbaut. Die ehemalige Wallfahrts- und Pfarrkirche wird heute als Frauenkirche bezeichnet. Sie diente als Grablege der Ortsadligen von Unterriexingen. Während des pfälzisch-französischen Erbfolgekriegs kam es 1693 zu größeren Beschädigungen und im Folgejahr zu einem Blitzschlag, der den Turm in Brand setzte. Die Kirche verfiel immer mehr und war im 19. Jahrhundert eine pittoreske Ruine, die von vielen Künstlern und Kunstgeschichtlern besucht wurde.

Blick gegen die Empore und einen Teil der aufgestellten Epitaphien

Epitaphien verdeutlichen die Funktion als Grablege

Beraten vom Ulmer Münsterbaumeister August Beyer begann 1874 Gerhard Graf Leutrum, Herr auf Schloss Unterriexingen, mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche, die er von der Gemeinde Unterriexingen erworben hatte. Ziel des damaligen Wiederaufbaus war neben der Sicherung der wertvollen Epitaphien des Unterriexinger Dorfadels die Schaffung einer Familiengruft der Freiherren und späteren Grafen Leutrum von Ertingen. Die heutige Restaurierung des Innenraums unter der Leitung von Architekt Gerhard Schmid hatte das Ziel der Substanzerhaltung und der Sicherung der Wandoberflächen in Schiff und Chor. Es sollte der Charakter der Restaurierung von 1874 weiter tradiert werden.


Glaserhäusle in Meersburg (Kreis Konstanz)

Ursprünglich ein Weinberghäuschen, diente es wohl bald den in Meersburg ansässigen Konstanzer Fürstbischöfen als Jagd- und Lusthäuschen mit herrlichem Blick über den Bodensee. In seiner heutigen Form als Wohnhaus mit einem Atelierbau und großem Park ist das Anwesen das Ergebnis einer langen Besitzergeschichte, die sich an großen Namen orientieren kann. Seinen heutigen Namen "Glaserhäusle" verdankt das Anwesen einem Gedicht von Anette von Droste-Hülshoff: "Die Schenke am See".

Ein Zimmer mit Möbeln und einem Bild aus den Zwanziger Jahren

Räume und Ausstattung zeugen von der Geschichte des Hauses

Unter Leitung des Architekten Bruno Siegelin stand die Konservierung des Erscheinungsbildes und seiner Atmosphäre im Vordergrund der Maßnahmen am Äußeren und Inneren des Wohngebäudes. Das Innere folgt in der Nutzung und der Ausstattung den Spuren der früheren Bewohner, vom Münchner Kunstmaler Prof. Zimmermann, dem Philosophen Fritz Mauthner und seiner Frau Hedwig bis zur Rezitatorin Felicitas Barg. Die neuen Eigentümer Familie Zender, denen das Anwesen seit 1972 gehört, richteten das Haus für ihre Bedürfnisse ein und bewohnen es in der bewussten Rücksichtnahme auf die früheren Bewohner, an die viele Gegenstände und Veränderungen im Haus erinnern. Besonders hervorzuheben ist die behutsame und langfristig angelegte Wiederherstellung des einstmals schön gestalteten Parks an der Ostseite des Hauses.


Stadtapotheke in Überlingen (Bodenseekreis)

An einer der wichtigen Straßenachsen im mittelalterlichen Überlingen gelegen, ist die als "Obere Apotheke" bezeichnete heutige Stadtapotheke bereits um 1530 bezeugt. Das Haus überrascht durch einen selten so vollständig erhaltenen Ausbau mit Repräsentations- und Wohnräumen mit Stuckdecken, Türen und Beschlägen, Täfer, Kachelofen und originalen Dielenböden. Schöne figürliche Wandmalereien, ein zweigeschossiges Barocktreppenhaus und historistisch schmuckverglaste Wohnungsabschlüsse des 19. Jahrhunderts bis hin zu den spätmittelalterlichen Blockstufentreppen in den Dachgeschossen ergänzen die überlieferte Ausstattung.

Fachwerk und Wandmalereien im Innern

Hinter altem Putz verbergen sich immer wieder Überraschungen

Die früheren Hausherren haben offensichtlich die früheren Ausstattungen weitgehend übernommen und weiter verwendet und im jeweiligen Zeitgeschmack durchweg qualitätvoll ergänzt und erweitert. Diese Tradition setzt der jetzige Eigentümer, Josef Fuchs, bewusst fort. Unter der Leitung des Architekten Veit Caduff und mehreren Restauratoren und Bauforschern wurde das Haus aufwändig nach den historischen Originalbefunden restauriert und seit 1998 wieder bewohnt. Mit weiteren Renovierungsphasen bis 2003 mit der Erneuerung der Gartenmauer und Anlage eines formalen Gartens im Hof wurden die Arbeiten an dem Anwesen abgeschlossen.


Altes Pumpwerk in Mannheim-Neckarau (Stadt Mannheim)

Der neugotische Industriebau des Alten Pumpwerks in der Neckaraue wurde 1903 errichtet. 82 Jahre lang diente das ehemalige Abwasserpumpwerk mit Kläranlage zur mechanischen Reinigung mit Absatzbecken und Rechen des Abwassers von Neckarau. Der eklektizistische Klinkerbau wurde nach Plänen des in Stettin geborenen Mannheimer Stadtbaudirektors Richard Perrey (1866-1937) errichtet und überrascht durch seine bemerkenswerte künstlerische Gestaltung. Die Giebelfront und die gegliederten Fassaden sind geprägt durch die roten Klinkersteine und, von diesen deutlich abgehoben, grüne Wandfliesen. Sie geben dem Gebäude einen sehr repräsentativen Charakter. Die Gestaltung orientiert sich an Motiven der norddeutschen Backsteingotik.

Der große Innenraum mit modernen Möbeln und Einbauten

Alte Strukturen und modernes Wohnen

Das große Verdienst von Bauherr und Eigentümer Dietmar Brixy und seinem Architekten Matthias Henrich ist der sorgsame Umgang mit der Grundstruktur des Gebäudes und der weitgehende Erhalt der Fassaden mit ihrem historistischen Erscheinungsbild. Ungewöhnlich und beispielhaft ist der Schritt des Künstlers Dietmar Brixy, Wohnen und Arbeiten in einem Industriedenkmal zusammen zu führen und die Raumzusammenhänge und den alten Maschinenpark wie selbstverständlich in das neue Nutzungskonzept zu integrieren.


[Text: Ulrich Gräf, Fotos: Gragnato]

Bei dem vorstehenden Text handelt es sich um eine Kurzfassung des ausführlichen Berichts aus der "Schwäbischen Heimat" 2005/1. Interessenten können den kostenlosen Sonderdruck mit dem vollständigen Wortlaut ab Februar 2005 online bestellen.