Laule, Ulrike (Hrsg.): Das Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau.

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Laule, Ulrike (Hrsg.): Das Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau.

Titelblatt

1000 Jahre Kathedrale 200 Jahre Pfarrkirche.

Verlag Schnell & Steiner Regensburg, 2013. 467 Seiten mit 450 meist farbigen Abbildungen. Hardcover mit Schutzumschlag 76, Euro. ISBN 978-3-7954-2751-1

In diesem Jahr wurde das 600-jährige Jubiläum des Konstanzer Konzils gefeiert, Anlass für eine Jubiläumsausstellung, zahlreiche Veranstaltungen und auch Anlass, die Forschungen am Konstanzer Münster, der Konzilsaula, der letzten Jahrzehnte in dem vorliegenden Band zu publizieren. Die letzte umfassende Monographie stammt von Heribert Reinders, der 1955 auf mehr als 500 Seiten eine Baugeschichte des Konstanzer Münsters und seiner Nebengebäude sowie ihre Ausstattung umfänglich vorstellte. Seitdem gibt es zwar eine große Anzahl von Einzelpublikationen zu historischen, kunsthistorischen und baugeschichtlichen neuen Erkenntnissen, aber keine zusammenfassende Bibliographie. In den letzten Jahrzehnten hatten zahlreiche Experten die komplexe Entstehungs- und Baugeschichte des Konstanzer Bistums und des Münsters durch das Studium der Schriftquellen neu hinterfragt, die archäologischen und kunsthistorischen Forschungsmethoden wurden weiterentwickelt, Restauratoren und Geophysiker konnten neue Ergebnisse vorweisen, Grabungen und Sondierungen im Bereich der Krypta und im Außenbereich des Münsters wurden erstmals vorgenommen. So lag es nahe, alle diese Erkenntnisse in einem Gemeinschaftswerk zusammenzufassen, der den heutigen Forschungsstand referiert. Gleichzeitig wurde ein Projekt angestoßen, das den jeweiligen Fachleuten unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen die Möglichkeit gab, ihre Ergebnisse auszutauschen, miteinander zu diskutieren und in Kolloquien intensiv zusammenzuarbeiten. Das Ergebnis sind die hier zusammengefassten Beiträge, über 100 Aufsätze von 38 Autoren! Bei der Fülle der Darstellungen wurde auf Kürze und Prägnanz Wert gelegt, auf ausführliche Ausführungen wird in der Bibliographie hingewiesen. Einzelne Themen, zu denen noch weitere Untersuchungen anstehen, wurden nur angerissen und mit Abbildungen dokumentiert, die allerdings in dieser Kürze schwer zu verstehen sind, zumal die bauhistorischen Fotos für den Laien kaum erkennbare Details liefern.

Vorangestellt ist ein Kapitel "Zur Geschichte des Münsters" mit Beiträgen zur Geschichte der Diözese, zur Verehrung der speziellen Bistumsheiligen Pelagius und Konrad, zum Bezug der Stadt zum Bistum im Mittelalter, in der Reformation und Nachreformationszeit sowie zum Konstanzer Konzil. Das 2. Kapitel zur Architektur und Ausstattung des Münsters ist der Übersichtlichkeit halber von Ost nach West nach Bauteilen geordnet. Auf die jeweiligen Baumaßnahmen folgen die Ausstattungen. Die Grundrisse im vorderen und hinteren Buchdeckel ermöglichen eine schnelle Übersicht und Zuordnung der Bauteile und Ausstattungen im Gesamtbau. Ein besonderes Unterkapitel ist den berühmten Goldscheiben gewidmet. Vor allem der älteren Christusscheibe gilt das besondere Interesse, die offensichtlich für die Mauritiusrotunde mit dem "Heiligen Grab" angefertigt wurde, dem herausragenden Anbau aus dem frühen Mittelalter, der entsprechend in einigen Beiträgen ausführlich gewürdigt wird.

Trotz der vielen Um- und Anbauten im Laufe der Jahrhunderte, der Umgestaltungen für die verschiedenen Funktionen - als Kathedrale, als Konzilsaula und als Pfarrkirche - präsentiert sich das Konstanzer Münster heute in einem sehr gepflegten und gesicherten Bestand, der den Baubehörden und der Landesdenkmalpflege und nicht zuletzt auch der Kirchengemeinde Unserer Lieben Frau zu verdanken ist. Ein abschließendes Kapitel widmet sich diesen Bauaufgaben. Alle Beiträge sind reich illustriert, 450! monochrome und farbige Abbildungen begleiten die Texte. Einen besonderen Platz nimmt der Anhang ein. Farbige Baualterspläne im Querschnitt, vom Hauptgeschoss und vom Untergeschoss vermitteln die komplexe Bau-, Umbau- und Restaurierungsgeschichte des Münsters, ergänzt von einer Zusammenstellung der Baudaten der dendrochronologischen Untersuchungen 1986-2013. Pläne der Grabdenkmäler und Epitaphien mit einer ausführlichen Legende und ihren Inschriften zeugen von der langen Geschichte der Diözese. Über 100 Mitglieder des Domkapitels, Bischöfe und einige weltliche Personen fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Zusätzlich beherbergt das Münster zwei Heiligengräber, den Sarkophag des hl. Pelagius und den Schrein des hl. Konrad. Es folgen ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis, ein Register der Baumeister, Künstler und Kunsthandwerker sowie ein Autorenverzeichnis.

Ein gewichtiges Werk, das sich sowohl hervorragend als Einstieg für wissenschaftlich Versierte, aber auch als Nachschlagewerk für Interessierte eignet, zudem eine gute Grundlage für weitere Forschungen bietet.

Sibylle Setzler