Titelbild eines Buches

50 – Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1972–2022

Thomas Link und Daniela Naumann (Redaktion), Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg zum 50-jährigen Jubiläum des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes, Esslingen 2022. 304 Seiten mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. Gebunden. Kostenfrei zu beziehen unter Publikationen_LAD@rps.bwl.de | ISBN 978-3-942227-51-3

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Im Jahr 1972 – vor genau 50 Jahren – trat das Denkmalschutzgesetz unseres Landes in Kraft. Aus diesem Anlass haben das Landesamt für Denkmalpflege sowie das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen als oberste Denkmalbehörde ein opulentes Buch herausgegeben, in dem alle wichtigen Aspekte des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege vorgestellt werden, die diese fünf Jahrzehnte kennzeichnen. Passend zum Jubiläum sind es 50 Aufsätze, die beispielhaft Einblicke in die Arbeit des Landesamts vermitteln. Die Beiträge sind durchweg nie länger als sechs Seiten, auch für Denkmaleinsteiger gut lesbar und sehr anschaulich bebildert.

Die einzelnen Aufsätze zu besprechen, führt deshalb an dieser Stelle zu weit. Es seien einige von ihnen herausgehoben, um die Bandbreite deutlich zu machen: Die Archäologie findet sich wieder in Betrachtungen über die bedeutenden Eiszeit-, Kelten- und Römer-Funde, über die Feuchtbodenforschung (z. B. »Welterbe im Moor«) und über mittelalterliche Aspekte. Es fällt auf, dass der archäologischen Denkmalpflege insgesamt sehr viel Raum gegeben wird. Die Themen der Bau- und Kunstdenkmalpflege reichen exemplarisch von der Farbe des Fachwerks über Glasfenster bis zur Restaurierung von Altären, von der Villa bis zur Arbeitersiedlung, vom Wilhelminismus bis zur Nachkriegsmoderne, deren Bedeutung übrigens zweifellos noch nicht überall in der Bevölkerung angekommen ist.

Ganz wichtig sind einige Aufsätze zu grundsätzlichen oder übergeordneten Fragen, wie die Erhaltung von Bausubstanz durch Umnutzung, die städtebauliche Denkmalpflege und der Schutz von Ensembles (»Weg mit dem alten Glump?«). Auch die Denkmalförderung, die Genauigkeit von Baudokumentationen, das Ehrenamt in der Denkmalpflege (vorgestellt wird das landesweite Projekt zur Erfassung von Kleindenkmalen, das vor rund 25 Jahren wesentlich vom Schwäbischen Heimatbund mit initiiert wurde), die digitale Vernetzung von Wissen, die mediale Denkmalvermittlung, das Bemühen, Kinder und Jugendliche für Denkmale zu begeistern, oder – ganz aktuell – Fragen der Nachhaltigkeit (»Wie Baudenkmale zur Ressourcenschonung und Energieeffizienz beitragen«) werden hinreichend behandelt. Einem der Beiträge kommt die Aufgabe zu, die Bandbreite des modernen Denkmalbegriffs anschaulich zu machen, welcher der Definition im Denkmalschutzgesetz zufolge (»Kulturdenkmale sind Sachen, Teile von Sachen oder Sachgesamtheiten, an deren Erhalt aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht«) weit hinausreicht über die landläufige Burgen-Schlösser-Kirchen-Kategorisierung, denn »alles kann Denkmal sein, aber nicht jedes!«

Das Buch spiegelt alle Facetten der denkmalpflegerischen Arbeit – nicht nur der praktischen – wider und spart schwierige Themen nicht aus, wie etwa im Beitrag zu den Relikten des nationalsozialistischen KZ-Terrors. Insgesamt ist es nicht nur ein Werk über die große Bedeutung des kulturellen Erbes in unserem Land, das bestimmt von allen mit Gewinn gelesen werden dürfte, die an der überaus reichen und vielgestaltigen Denkmallandschaft Baden-Württembergs Interesse haben. Es ist auch eine Publikation, die für Denkmalschutz und Denkmalpflege wirbt – umso wichtiger in einer Zeit, in der die öffentlichen Mittel für den Denkmalerhalt, für Sanierungen und Weiterentwicklung historischer Substanz deutlich geringer sind als in den ersten zwei Jahrzehnten seit Inkrafttreten des Gesetzes, und in der umso mehr Verständnis für unser Kulturerbe und Eigeninitiative der Besitzer erforderlich ist.

Somit erhält der neue Slogan der Landesdenkmalpflege »Wahre Werte – Denkmale BW« in der Publikation doppelt Gestalt: Man blickt quasi zurück in die reiche Denkmallandschaft und zugleich nach vorn, um den Wert und die Bedeutung dieser Denkmallandschaft für die kulturelle Identität unseres Landes zu unterstreichen.

Bernd Langner

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2 Kommentare

    1. In der Tat, sehr geehrter Herr Lill. Das tut uns leid – da ist beim Druck der Zeitschrift etwas verloren gegangen.
      Aber zumindest hier auf der Homepage haben wir es korrigiert.
      Viele Grüße – Ihr SHB-Team

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