Titelbild eines Buches

Matthias Geyer, Edgar Nitsch und Theo Simon: Geologie von Baden-Württemberg

Verlag Schweizerbart Stuttgart 2023 (6., neu bearbeitete Auflage). 638 Seiten, 198 Abbildungen. Hardcover 89 €. ISBN 978-3-510-65526-7

Titelbild eines Buches

Der geologische Untergrund des Landes ist derselbe wie vor sechs Jahrzehnten, als 1964 die erste Auflage dieses Werks erschien. Forschungsmethoden, Er­kenntnisse und auch die Drucktechnik haben sich allerdings zwischenzeitlich in Riesenschritten fortentwickelt. Die sechste, neu bearbeitete Auflage des Standardwerks zur Geologie, Stratigra­phie, Tektonik und den Naturressourcen des Landes Baden-Württemberg war da­her eigentlich überfällig. Die Neube­arbeitung ist nicht nur für die wissen­schaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Geologie unabdingbar, sondern auch für landeskundliche Literatur, Informations­tafeln an Aufschlüssen sowie für die »Umgangssprache« in Gutachten, bei Exkursionen und in Wanderführern qua­si Pflicht. Treffend wird dazu ausgeführt: »Das Buch richtet sich sowohl an Wis­senschaftler, Lehrer und Studierende an Schulen und Hochschulen sowie an alle erdgeschichtlich Interessierten, die einen Überblick über die Vielfalt von Ge­steinsaufbau und Fossilien des Landes erhalten wollen.« Ergänzend sei be­merkt, dass es nicht beim Überblick bleibt, sondern dass eine Fülle an loka­len und regionalen Eigenheiten be­schrieben wird und dies erfreulicherwei­se, ohne dass der Überblick verloren geht.

Wichtige neue Erkenntnisse zur Schich­tenfolge, die vor allem aufgrund vieler neuer Gesteinsaufschlüsse während Bauarbeiten gewonnen werden konnten, machten eine grundlegende Neubearbei­tung mehrerer Kapitel erforderlich. An vielen Stellen des Buches wurden Ergän­zungen eingefügt und Verbesserungen vorgenommen; zahlreiche neuere Publi­kationen wurden eingearbeitet. Die Ab­bildungen – jetzt viele erstmals in Farbe – wurden ebenfalls überarbeitet. Am meisten fällt die international verein­heitlichte Nomenklatur der Schichten­folge auf, die seit 2010 gebräuchlich ist. Ältere Leser werden die liebgewonnenen alten Schichtbezeichnungen (z. B. Stu­bensandstein, Knollenmergel) vermis­sen und sich mit den neuen Bezeichnun­gen (Löwenstein-Formation, Trossingen-Formation) schwertun, doch die Autoren haben sich alle Mühe gegeben, mittels Querverweisen und Erläuterungen allge­mein verständlich zu schreiben. Das ist bei wissenschaftlichen Grundlagenwer­ken nicht selbstverständlich und sei des­halb hier besonders erwähnt. Die Kolo­rierung der graphischen Abbildungen ist der Farbgebung der geologischen Karten des Landes angepasst worden, was die Lesbarkeit erleichtert.

Das Buch beginnt mit einer Darstellung der mehr als zwei Jahrhunderte umfas­senden Erforschungsgeschichte des Lan­des, und es ist keineswegs überheblich, wenn man die süddeutschen Forscher Friedrich August von Alberti (1795– 1878), Friedrich August Quenstedt (1809–1889), Oscar Fraas (1824–1897), Georg Wagner (1885–1972), Walter Carlé (1912–1996) und Adolf Seilacher (1925–2014) als Koryphäen bezeichnet, die weit über Süddeutschland hinaus gewirkt und sowohl die geologische Wissenschaft als auch die Volksbildung entscheidend geprägt haben. Letzteres heute wie einst wichtig, bietet das Schichtstufenland Süddeutschlands doch viele in der Land­schaft gut sichtbare und erklärbare Phä­nomene, die auf den geologischen Auf­bau zurückzuführen sind.

Eine Übersicht der Naturräume des Lan­des, des allgemeinen geologischen Auf­baus und der erdgeschichtlichen Ent­wicklung Baden-Württembergs schlie­ßen sich an. Der Hauptteil des Werks be­steht aus der detaillierten Darstellung der Gesteinsfolge des Landes einschließ­lich regionaler Faziesentwicklungen und der Tektonik, dem folgt eine Schilderung der Wechselbeziehungen zwischen menschlicher Tätigkeit in der Landschaft und der Geologie. Die beispielhaften Stichworte Bergbau, Steinbrüche, Kies­gruben, Flussbau, Rutschungen, Grund­wasser und Geothermie mögen verdeut­lichen, dass menschliche Betätigungen auf den Untergrund enormen Einfluss haben können, der leider oft zu wenig Beachtung findet und dann zu erhebli­chen Schäden führen kann.

90 Seiten Literaturverzeichnis beweisen, dass über die Geologie des Landes un­glaublich viel veröffentlicht worden ist, was niemand mehr überblicken kann. Umso dankbarer muss man den Autoren sein, dass sie mit diesem Standardwerk einerseits den Überblick und anderer­seits mit dem Literaturverzeichnis wei­tergehende Detailhinweise geben.

Wissenschaftliche Standardwerke geben dem Laien oft Rätsel auf, was in diesem Buch selten der Fall ist: Es liefert eigent­lich auf alle Fragen verständliche Ant­worten, wozu auch das sehr gute um­fangreiche Sachwortverzeichnis dient. Daher das Fazit: Diese Neubearbeitung braucht jeder, der in irgendeiner Art und Weise mit der Geologie des Landes zu tun hat!

Reinhard Wolf

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