Werner Konold und R. Johanna Regnath (Hrsg.). (Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Bd. 90). Thorbecke Verlag, Ostfildern 2024. 278 Seiten, zahlr. Abb. Hardcover 28 €. ISBN 978-3-7995-2095-9

Der vorliegende Sammelband mit acht Aufsätzen ist der Ertrag einer Tagung zum Thema »Wassergeschichte(n) vom Schwarzwald und vom Oberrhein«, die vom 30. September bis zum 2. Oktober 2021 in der Hansgrohe Aquademie in Schiltach stattfand. Die Konferenz wurde vom Alemannischen Institut Freiburg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft und dem Wasserwirtschaftsverband Baden- Württemberg veranstaltet. Dass sie in der Flößerstadt Schiltach stattfand, war natürlich kein Zufall, ist die Geschichte dieses Ortes am Zusammenfluss von Schiltach und Kinzig doch geprägt vom Leben am und mit dem Wasser.
Zwar geht es im vorliegenden Buch auch um die Nutzung der Wasserkraft zum Betrieb von Mühlen, und dieses Thema behandelt naheliegenderweise der Mühlenexperte Gerhard Fritz, im Mittelpunkt stehen jedoch anderen Formen der Wassernutzung. An erster Stelle ist das die Flößerei. Hans Harter und Werner Konold berichten über historische Formen des Holztransports im Raum Schiltach und die Hinterlassenschaften der Flößerei im oberen Kinzigtal; Wolfgang Fritzsche geht der Geschichte der Trift im Pfälzer Wald nach. Der Unterschied zwischen beiden Varianten des Holztransports besteht darin, dass bei der Flößerei lange Holzstämme zu einem Floß zusammengebunden werden, während bei der Trift eher kurze, nicht miteinander verbundene Stämme über das Wasser transportiert werden.
Eine weitere Sektion gilt der Wasserhaltung im Bergbau. Andreas Haasis-Berner geht der Geschichte des Bergbaus im Schwarzwald mit Blick auf den besonderen Aspekt der Wasserhaltung nach. Er zeigt, dass im Schwarzwald im 13./14. Jahrhundert erstmals eine Lösung gefunden wurde, Wasser mit Hilfe von Wasserkraft zu heben. Dies gelang durch die Kombination von zwei Techniken, dem Wasserrad und der (im Mittelmeerraum verbreiteten) Eimerkunst. In einem zweiten Aufsatz behandelt Matthias Zizelmann unter Hinzuziehung zahlreicher Fotos die Wasserhaltung und Bewetterung der Gruben am Beispiel des Silberbergs bei Wittichen in der Gemeinde Schenkenzell, welche ebenfalls an der oberen Kinzig liegt. Die einstmals sehr bedeutsamen Stollen sind inzwischen zum Refugium für verschiedene Fledermausarten geworden.
Der letzte Teil ist mit »Flussbau und Wasserstraßen« überschrieben. Bernd Walser spürt der Geschichte des Flussbaus an der Elz und den Folgen des vormaligen Gewässerausbaus nach. Die auf den Höhen des Schwarzwalds entspringende, in den Oberrhein mündende Elz teilte das Schicksal so vieler Flüsse, die durch Begradigung zu kanalähnlichen Fließgewässern deformiert wurden und heute mit großem Aufwand renaturiert bzw. revitalisiert werden müssen. Im Anschluss daran greift Wolf-Ingo Seidelmann die Wasserstraßenplanung im Südwesten zwischen 1826 und 1970 unter dem Gesichtspunkt »Standortpolitik und technischer Fortschritt« auf. Dabei geht es um den Bau bzw. um hochfliegende Pläne für den Bau von Kanälen, Schleusen, Schiffshebewerken und anderen technischen Anlagen, hinter denen als treibende Kraft nicht selten eine Lobby aus Unternehmern, Politikern und anderen interessierten Kreisen stand.
In der Summe zeigt der Band anhand ausgewählter Beispiele überwiegend aus dem mittleren Schwarzwald die fundamentale Bedeutung der Wassernutzung für den Menschen und seine Siedlungen namentlich im vorindustriellen Zeitalter. Dank der zahlreichen Fotos, Karten und sonstigen Abbildungen können auch Nicht-Spezialisten den Ausführungen gut folgen.
Ludger Syré
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