Titelbild eines Buches

Die Gartenarchitekten Albert Lilienfein & Sohn

Berufsleben und Werk. Autor: Thomas Hauptmann. Selbstverlag des Autors mit Unterstützung des SHB. Stuttgart 2026. 268 Seiten, zahlr. Abb. und Karten. Paperback 15 €. Bezug (zzgl. Porto) über hauptmann@plan-landschaft.de sowie über den SHB.

Titelbild eines Buches

Wie eine Idee Fahrt aufnehmen kann, zeigt das Beispiel der Landschaftsarchi­tekten Albert Lilienfein & Sohn. Die Idee: das Werk eines der meistbeschäftigten Büros für Landschaftsarchitektur Ende des 19. Jahrhunderts, größtenteils aber in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg, aus der Vergessenheit zu ho­len. Selbst Landschaftsarchitekt, hat Thomas Hauptmann sich über mehrere Jahre hinweg auf den Weg gemacht, an­hand von Artikeln in Büchern, Zeit­schriften und Zeitungen, in öffentlichen und privaten Archiven, wissenschaftli­chen Arbeiten, vor Ort natürlich, aber auch in Gesprächen und Erinnerungen, ein Inventar zu erstellen, möglichst lü­ckenlos zu erforschen, zu erfragen und zu dokumentieren und das Wissen um Garten- und Parkgestaltung um ein sehr großes Puzzleteil zu vervollständigen.

Über 230 Anlagen werden in der jüngst erschienenen Publikation vorgestellt. Da ist die ganze Bandbreite zu finden: vom privaten Haus- oder Villengarten eines lokalen Fabrikanten, über den Park eines großen Unternehmers (und darin ist die Liste der Bauherren lang und überra­schend – so gehören Borst, Cotta, Daim­ler, Franck, Bleyle, Kohlhammer, Mauthe, Laiblin oder Burkhardt dazu), bis hin zu öffentlichen oder halböffentlichen Anla­gen, etwa in Heil- oder Kuranstalten oder in kommunalem Auftrag.

Der Aufbau des Buchs ist streng syste­matisch und nennt jeweils die Grund­daten – vom Ort, Jahr und der Bauherr­schaft angefangen, über die Geschichte und den Zustand bis hin zu Literaturver­weisen, wenn es denn welche gibt. Histo­rische und aktuellere Fotos illustrieren den jeweiligen Eintrag; sie machen neben der schriftlichen Dokumentation aber auch oft deutlich, wie wenig von den Parks und Gärten häufig übrigge­blieben ist. Selbstverständlich findet sich viel Biografisches über die Lilien­feins und ihre Familien und viel über ihre Vorstellungen von Unternehmens­führung und Kundenansprache.

Was so trocken-wissenschaftlich klingt ist eine spannende Reise durch über 65 Jahre Kulturgeschichte, Vorstellungen von Wohnen im Haus und außerhalb, Ge­schichte des Designs vom Historismus über Einflüsse des Jugendstils bis in die Auffassungen der Sachlichkeit in den 1920er-Jahren. Der erforschte Raum umspannt mit ein paar ganz wenigen »Ausreißern« den deutschen Südwesten zwischen Main und Bodensee, Schwarz­wald und Donau. Verdichtungen finden sich überall dort, wo in der aufstreben­den Wirtschaft viel Geld verdient wurde, d.h. hauptsächlich im Großraum Stutt­gart, entlang der Schwäbischen Alb so­wie im Nordschwarzwald.

Ein Ergebnis der Arbeit ist auch, dass der Erhaltungszustand sehr vieler Anla­gen zwischen schlecht, vernachlässigt bis hin zu nicht mehr bestehend einzu­sortieren ist. Das liegt an den Biografien der Familien und Unternehmen, am Druck der letzten hundert Jahre, Flächen zu überbauen, am veränderten Ge­schmack der häufig wechselnden Eigen­tümer, aber auch daran, dass große Gär­ten und Parks eben einer dauerhaften und intensiven Pflege bedürfen – das be­trifft die Pflanzen ebenso wie Brunnen, Pergolen, Natursteinmauern, Wege, Ter­rassen oder Treppen. Abgängiges wurde häufig nicht oder nur unzureichend er­setzt. Umso schöner, wenn man da und dort auf eine Anlage stößt, welche die Hand des Büros Albert Lilienfein & Sohn noch erkennen lässt. Zumindest, wenn man diese Anlage zu lesen gelernt hat und wenn den Eigentümern der Name Lilienfein überhaupt ein Begriff ist.

Vollständig abgeschlossen ist die Fleiß­arbeit allerdings noch nicht, denn sol­cherlei Aufwand ist mit Kosten verbun­den. Eine weitere Förderung beispiels­weise durch Stiftungen oder Privatperso­nen würde helfen, die Stuttgarter Anlagen intensiver zu erforschen. Zur eingangs erwähnten »Fahrtaufnahme« gehört übrigens auch, dass die großen Stuttgarter Zeitungen in mehreren, sehr umfangreichen und bebilderten Beiträ­gen einige der Anlagen vorgestellt ha­ben. Auch auf diese Weise wurde aus der Idee von Thomas Hauptmann ein bedeu­tender Beitrag zur Landes-, Architektur- und Gartengeschichte in unserem Land.

Bernd Langner

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