Brücke über einen Bach vor einem historischen Gebäude

Öffentliche Räume – neu gedacht, neu geplant

Bach- und Stadtlandschaft als Teil der Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd 2014 (Foto: B. Walther)

16. Auflage der SHB-Tagungsreihe “Schwäbischer Städte-Tag – Forum für Denkmalpflege und Städtebau”

Titel eines Faltprospekts
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4. Oktober 2021, 12:30–17:00 Uhr
Hospitalhof, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart

Attraktiv gestaltete, öffentliche Räume stehen aktuell im Fokus der städtebaulichen Diskurse. In der Realität dominieren allerdings noch zu häufig kommerzielle oder straßenverkehrliche Interessen. Dabei sind sie das zentrale Merkmal einer europäischen Stadt und als Aufenthaltsräume für Bürgerinnen und Bürger eine wesentliche Voraussetzung für ein gelingendes urbanes Leben. Gerade die Corona-Pandemie macht deutlich, wie wichtig der öffentliche Raum ist. Höchste Zeit, ihn wieder zu entdecken und neu zu denken.

Welche Möglichkeiten bestehen, öffentliche Räume zu vitalisieren, war Inhalt des 16. Schwäbischen Städte-Tags. Dieses Forum für Städteplaner*innen, Architekten*innen, Landschaftsplaner*innen, Bauverwaltung und interessierten Bürger*innen ging mit herausragenden Planern beispielhaft auf das Thema ein. Besonders interessant war die Veranstaltung auch durch die Vorstellung des Baukulturberichts 2020/21 der Bundesstiftung Baukultur, der ebenfalls den öffentlichen Raum zum Gegenstand hat.

Bericht

Obwohl die Pandemie immer noch das Leben bestimmt, erfreute sich die Tagung des Heimatbundes eines außergewöhnlich großen Zuspruchs. Rund 250 Vertreterinnen und Vertreter vor allem aus der Architektenschaft, aus Kommunen und Verwaltung waren in den Stuttgarter Hospitalhof gekommen. Wie schon in den Vorjahren hatte der Schwäbische Heimatbund gemeinsam mit der Architektenkammer Baden-Württemberg und dem neuen Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen eingeladen – in diesem Jahr unter dem Titel „Öffentliche Räume – neu gedacht, neu geplant“.

Die Begrüßung übernahm Prof. Dr. Albrecht Rittmann, stv. Vorsitzender des SHB. Die Dringlichkeit des Themas machte er anschaulich anhand eines Fotos aus seiner Heimatstadt, wo der einzige größere innerörtliche Platz aus einer aufgeweiteten Straßenkreuzung mit Parkplatz besteht, während der Wochenmarkt hinter der Stadthalle angesiedelt ist. Nicole Razavi, die für Denkmalschutz und Städtebau zuständige Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, betonte die Wichtigkeit des öffentlichen Raumes und dessen Gestalt für die Gesellschaft: „Neue Freude an alten Räumen“, nannte die Ministerin Ihren Ansatz. Der Präsident der Architektenkammer Markus Müller griff die Anregungen auf und erklärte, es gebe noch viel zu tun, um unsere Stadträume wieder angemessen und attraktiv für die Aufenthaltsqualität der Bürger herzurichten.

Im ersten Referat stellte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur Reiner Nagel den Baukulturbericht 2020/21 seines Hauses vor, der sich eingehend mit öffentlichen Räumen befasst. Die wesentlichen Aspekte dabei seien: „Städtebau und Freiraum“, „Gestaltung von Infrastrukturen“ sowie „Demokratie und Prozesskultur“. Diese Begriffe beschreiben „wirksame Handlungsebenen für lebendige und vielfältige öffentliche Räume“, so Nagel. Abstufungen von öffentlichem zu halböffentlichem zu privatem Raum seien zur Erfüllung der verschiedenen städtischen Bedürfnisse erforderlich. Andrea Schwarz, Bürgermeisterin für Stadtentwicklung in Ludwigsburg, berichtete über die Schwierigkeiten bei Planung und Unterhalt öffentlicher Plätze in ihrer Stadt. Es sei nicht einfach, die Brunnen sprudeln zu lassen, wenn gleichzeitig bei Kindertagesstätten gespart werden müsse: „Öffentlicher Raum wird in Zeiten von knappem und teurem Wohnraum zum zweiten Wohnzimmer“. Für die Stadtgesellschaft haben diese funktionsoffenen Freiräume wichtige Bedeutung. Prof. Wolfgang Sonne von der TU Dortmund nannte seinen Vortrag: „Function Follows Form: Der lange Atem des öffentlichen Stadtraums“. Anhand historischer Ansichten international bedeutsamer Plätze erläuterte er, dass deren Nutzung oftmals gar nicht den Intentionen der Eigentümer oder Investoren entsprach, weil die Inbesitznahme des Raumes ganz andere Aktivitäten entwickelte, als ursprünglich vorgesehen: „Mithin ist die Form des Platzes das Entscheidende – die Funktionen kommen und gehen“, so Sonne. Es komme auf die Ästhetik der umgebenden Bebauung und die Dimension des Platzes an, um Qualität hervorzubringen und Aktivitäten zu fördern. Sein Plädoyer: „öffentliche Räume funktionsoffen planen!“

Drei weitere Vorträge aus der Praxis führten exzellente Beispiele gebauter Stadträume vor Augen. Florian Hartmann vom Münchner Büro dreisterneplus Architektur und Stadtplanung, Rainer Sachse, Landschaftsarchitekt vom Büro scape aus Düsseldorf, sowie Matthias Schmidt von Osterwold Schmidt, Stadtplaner und Architekten in Weimar referierten anschaulich zu unterschiedlich komplexen und den Orten angepassten Lösungen, die jeweils den Ansprüchen an vielfältige Nutzungen gerecht wurden. Vor allem machte Hartmann deutlich, dass der öffentliche Raum nicht an der Haustüre endet: Auch Hausflure, Geschossvorplätze, Vorräume mit Geldautomaten und ähnliches gehören zum öffentlichen Raum. Dass der öffentliche Raum neben der Entfaltung bürgerlicher Betätigungen auch ökologische Aufgaben in der heutigen Zeit übernehmen kann und soll, zeigten verschiedene Beispiele eindrucksvoll, vor allem im Beitrag von Sachse. Er wies auf multifunktionales Grün für Verdunstungskühlung sowie auf Wassersysteme in den Innenstädten hin, die an heißen Tagen den Aufenthalt angenehm machen. Hier könne aktiver Klimaschutz praktiziert werden. Sein Credo: „Der öffentliche Raum in den Städten fördert die Biodiversität.“

Alle Vorträge waren – ungeplant, aber in der Natur der Thematik begründet – eng miteinander verschränkt, was die Bedeutung der Tagung unterstrich. Alle Referentinnen und Referenten betonten auch die Wirksamkeit öffentlicher Räume in Zeiten des Lockdowns, wenn Innenräume nicht gemeinsam genutzt werden können. Draußen kann die ersehnte Kommunikation stattfinden. Dabei sind gut gestaltete Räume Beiträge zur Entfaltung menschlicher Kommunikation und somit auch zur Praktizierung von Demokratie.

Matthias Grzimek/Bernd Langner

Programm

  • 12.30 Uhr Eintreffen der Tagungsteilnehmer
  • 13.00 Uhr Begrüßung und Einführung | Prof. Dr. Albrecht Rittmann, Schwäbischer Heimatbund, Stuttgart
  • 13.10 Uhr Grußwort | Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg
  • anschließend Statement | Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg
  • 13.35 Uhr Baukulturbericht 2020/21 – Öffentliche Räume | Reiner Nagel, Vorsitzender des Vorstands der Bundesstiftung Baukultur
  • 14.10 Uhr Kommunale Gestaltung öffentlicher Räume – ein Erfahrungsbericht | Andrea Schwarz, Bürgermeisterin für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften, Stadt Ludwigsburg
  • 14.45 Uhr Function Follows Form: Der lange Atem des öffentlichen Stadtraums | Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Technische Universität Dortmund
  • 15.15 Uhr Pause
  • 15.45 Uhr Beispiele innerstädtischer Räume: Plätze, Höfe, Passagen | Andreas Müsseler, Meili Peter Architekten, München, Zürich
  • 16.15 Uhr Gestaltete Räume mit Stadt- und Landschaftsplanung | Prof. Regine Keller, Keller Damm Kollegen, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten München
  • 16.45 Uhr Öffentliche Räume in neuen Quartieren | Matthias Schmidt, Osterwold Schmidt, Stadtplaner und Architekten, Weimar
  • 17.15 Uhr Ende der Tagung

Zielgruppen

Vertreterinnen und Vertreter aus der Architektenschaft, Städteplanung, Denkmalpflege, Städte und Gemeinden sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger

Fortbildungsbestätigung

Die Teilnahme wird von der Architektenkammer Baden-Württemberg als Fortbildungsmaßnahme für Mitglieder und AIP/SIP der Fachrichtungen Architektur/Landschaftsarchitektur und Stadtplanung anerkannt.

Kostenbeitrag

28,- € inkl. cornonagerechten Tagungsgetränken
Studierende: freier Eintritt

Anmeldung

Gerne können Sie sich per E-Mail anmelden mit genauer Angabe Ihrer Adresse, Ihrer Institution und Ihrer Kontaktdaten: fries@schwaebischer-heimatbund.de.
Sie können auch die Ameldekarte auf dem Faltblatt verwenden, das wir Ihnen gerne zusenden: 0711 239420 oder fries@schwaebischer-heimatbund.de.

Verbindlichkeit

Die Anmeldungen sind verbindlich. Mit der Anmeldebestätigung erhalten Sie eine Rechnung über den zu entrichtenden Tagungsbeitrag.

Rückerstattung des Tagungsbeitrags

Eine Rückerstattung des Tagungsbeitrages erfolgt bei schriftlicher Abmeldung bis spätestens 20. September 2021

Veranstalter

… ist der Schwäbische Heimatbund e.V., gemeinsam mit der Architektenkammer Baden-Württemberg, dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg, in dem das Netzwerk Baukultur angesiedelt ist, sowie mit dem Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof.

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