Titelbild eines Buches

Anton Aubele: Kloster Elchingen 1648–1802/03

Anton H. Konrad Verlag Weißenhorn 2020. 450 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Pappband € 49,80. ISBN 978-3-87437-582-5

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In der Geschichte des um 1120 gegründeten Benediktinerklosters (Ober-) Elchingen bedeutete der Dreißigjährige Krieg eine tiefgehende Zäsur. Mit ihm ging gewissermaßen das Mittelalter zu Ende. Der Westfälische Friede 1648 führte zu einem Neubeginn unter schwierigen Bedingungen in allen wichtigen Bereichen, in Wirtschaft und Verwaltung, in Bildung, Wissenschaft und Kunst, in der Beziehung des Klosters nach außen zum Reich, zu seinen Untertanen, oder bei den inneren Verhältnissen, der Zusammensetzung des Konvents und dem Zusammenleben der Mönchsgemeinschaft. Mit Fug und Recht kann die bis zur Säkularisation 1802/03 reichende Epoche als ein eigener Zeitabschnitt in der wechselvollen Klostergeschichte gesehen und dargestellt werden, so wie es in dieser, 2018 an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Stuttgart angenommenen, Dissertation geschehen ist.

Seine Arbeit eröffnet Aubele mit einem kurzen Überblick zum Leben und Wirken der neun im Zeitraum amtierenden Äbten, die einerseits als geistliche Väter der Mönchsgemeinschaft das spirituelle Leben im Kloster akzentuieren und andererseits als weltliche Herrscher den Klosterstaat repräsentieren und regieren. Den Hauptteil seines Werkes gliedert der Verfasser sodann in zwei umfangreiche Kapitel, die er Spiritualien und Temporalien benennt. Ihnen folgt ein kurzes Kapitel zur Säkularisation durch das Kurfürstentum Bayern und zu ihren Folgen für den Konvent. Den Band schließt ein umfangreicher Anhang mit Listen zum Konvent und den Klosterbeamten (mit Kurzbiografien), einem Quellen- und Literaturverzeichnis sowie einem Personen- und Ortsregister ab.

Im ersten Hauptkapitel Spiritualien untersucht Aubele die innere Klostergeschichte, zu der er auch die Bau- und Kunstgeschichte rechnet. Fundiert schildert er den klösterlichen Alltag, den Tages- und den Jahresrhythmus, die soziale Zusammensetzung des Konvents, die Rolle der Klosterämter, wie die Äbte gewählt wurden, welche Gebetsverbrüderungen das Kloster pflegte und wie sich das Verhältnis zu den kirchlichen Obrigkeiten gestaltete. Ein eigenes Unterkapitel ist dem Thema Bildung und Wissenschaft, den Klosterschulen, der Bibliothek und den Klostersammlungen gewidmet. Zur Sprache kommt dabei auch die Rolle von Elchinger Mönchen als Schriftsteller und Gelehrte oder als Lehrer an der Benediktiner-Universität Salzburg und am bischöflichen Lyzeum in Freising.

Den zweiten Hauptteil Temporalia beginnt der Autor mit einer verfassungsrechtlichen Skizze zur Stellung des reichsunmittelbaren Klosters im Gefüge des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Dabei zeigt er auch, welche Folgen dies für die Abtei in den Kriegen des 18. Jahrhunderts hatte. Ausführlich beschreibt er sodann das Verhältnis des Klosters zu seinen Untertanen, die Verwaltung des Klosterterritoriums, die wirtschaftlichen Verhältnisse sowie das Armen- und Gesundheitswesen. Mit einem Blick auf die dem Kloster inkorporierten Pfarreien rundet er diesen Teil ab.

Alles in allem ist Anton Aubele ein recht beeindruckendes Werk gelungen, das die letzte große Epoche der ehemaligen Reichsabtei Elchingen in einer Gesamtschau darbietet, die jeden Bereich zu berücksichtigen versucht. Wissenschaftlich fundiert, ist es verständlich geschrieben und bringt nicht zuletzt auch manch Unbekanntes ans Tageslicht.

Sibylle Wrobbel

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