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Sabine Mücke | Direktorin Humpis-Quartier Ravensburg

Seit 2019 ist Sabine Mücke Direktorin des Museums Humpis-Quartier in Ravensburg. Das Museum zeigt Dauer- und Wechselausstellungen. Hier kann anhand von vier historisch verbürgten Bewohnern der sieben Gebäude Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die Neuzeit erfahren werden. Als Leiterin folgte Sabine Mücke auf Andreas Schmauder, der ins Rheinland wechselte und lange im Vorstand der SHB-Regionalgruppe Ravensburg-Weingarten war. Die bisherigen Vorsitzenden der Regionalgruppe, Jürgen Kneer und Wolfgang Selbach, können aus beruflichen Gründen die Gruppe nicht weiter führen. Der SHB bemüht sich derzeit um eine neue Leitung der Gruppe.

Ist das Humpis-Quartier ein Heimatmuseum?

Wir verstehen uns als stadt- und kulturgeschichtliches Museum. Ich würde ein stadtgeschichtliches Museum heute nicht mehr Heimatmuseum nennen. Der Begriff ist zu sehr belastet und auch zu eng. Aber natürlich sind wir ein Museum der Stadt- und Regionsgeschichte, und vor allem wollen wir ein integratives Museum für die gesamte Stadtgesellschaft sein, auch für Menschen, die in unserer Region leben, diese aber nicht als ihre Heimat bezeichnen würden

Sie wollten keine Unikarriere, Ihr Ziel war: »Ich möchte Geschichte vermitteln!« Aktuell zeigen Sie die Sonderausstellung »Von der Kleinen Eiszeit ins Anthropozän. Klimawandel in Ravensburg 1350 – 2050«. 

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Sabine Mücke, Foto: Wynrich Zlomke

Wir greifen bei unseren Ausstellungen immer wieder auch ökologische und ökonomische Fragen auf. Das sind globale Themen, aber die Auswirkungen sind auch lokal spürbar, und dort setzt auch das eigene Handeln an. Wir können z.B. aus dem Bestand des Stadtarchivs als Besonderheit eine Chronik mit Wetteraufzeichnungen unserer Region zeigen, die bis zurück ins 13. Jahrhundert reichen. Während Corona haben wir viele digitale Formate entwickelt. Einiges davon wird bleiben, weil es sich bewährt hat. Grundsätzlich bin ich aber überzeugt: Museen können nicht nur digital erlebt werden und sie sind auch nicht einfach wie ein Buch mit Bildern und Texten. In einem Museum erlebt man auf ganz bestimmte Weise originale Objekte in Räumen.

Das Humpis-Quartier hat einen sehr besonderen Freundeskreis. Was zeichnet ihn aus?

Das ist die Museumsgesellschaft Ravensburg e.V. Sie gab es schon lange, bevor es das Museum Humpis-Quartier gab, bzw. die Gesellschaft hat sich, auch mit eigenen Mitteln, dafür eingesetzt, das Museum zu ermöglichen. Die Museumsgesellschaft unterhält ein historisches Haus im Humpis-Quartier, vor allem aber Werkstätten, in denen man an verschiedenen Workshops teilnehmen kann: Papierschöpfen, alte Druck- und Handarbeitstechniken und anderes. Die Museumsgesellschaft unterstützt das Museum Humpis-Quartier regelmäßig mit Spenden. 

Wie könnten Sie sich eine Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Heimatbund vorstellen?

Wenn die Ortsgruppe Ravensburg-Weingarten wieder eine neue Leitung finden und revitalisiert werden könnte, würde uns das natürlich sehr freuen! Ich denke, dass man viel zusammen machen könnte. Sonderführungen und exklusive Blicke hinter die Kulissen, Veranstaltungen, aber auch umfangreichere Programme. Wir haben z.B. den Papiermühlenweg: er startet am Museum, führt durch die Stadt an historische Orte des Papiermachens, und am Schluss könnte man in der Werkstätte selbst Papier schöpfen.

Wie nehmen Sie den SHB wahr?

Vor allem durch die Publikationen, also die Schwäbische Heimat. Sie ist für mich eine wichtige Informationsquelle. Ich kenne keine andere landeskundliche Publikation, in der so fundiert zu diesem breiten Themenspektrum geschrieben wird.

Interview: Hanne Knickmann im Juni 2022

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