Titelbild eines Buches

Rottenburgs Stadtgründung im 13. Jahrhundert

Neue Erkenntnisse? Rottenburgs Stadtgründung im 13. Jahrhundert. Kolloquium zum Stadtjubiläum »750 Jahre Rottenburg am Neckar« im April 2024

(Der Sülchgau 68/69). Hrsg. vom Sülchgauer Altertumsverein e. V., Rottenburg am Neckar 2025. 288 Seiten, zahlr. Abb. Hardcover 19,90 €. ISBN 978-3-934718-11-1

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In diesem Doppelband des Jahrbuchs Der Sülchgau sind die Referate versammelt, die anlässlich des 750. Jubiläums der Stadt in der Rottenburger Zehntscheuer gehalten wurden. Das Kolloquium trug denselben Titel wie der Band – Neue Erkenntnisse? –, was bedeutete: »Trotz jahrhundertealter Forschungen, und trotz einer lebendigen Ortshistorikerszene ist über die Umstände und Details der Gründung unserer Stadt noch sehr vieles im Dunkeln«. An dieser Lagebeschreibung, so der Eindruck des Rezensenten, hat sich durch das Kolloquium grundsätzlich nichts geändert. Wenn Licht in das Dunkel gebracht werden konnte, dann nur in historischen Detailfragen. Insofern wäre es angebracht gewesen, die punktuell neuen Erkenntnisse, die durch die acht stadthistorischen Beiträge zutage gefördert wurden, am Schluss zusammenzufassen und auf ihrer Grundlage Bilanz zu ziehen.

Die Stadt Rottenburg wurde zwischen 1275 und 1280 durch die Grafen von Hohenberg gegründet. Nachdem sie 425 Jahre zum Habsburgerreich gehört hatte, fiel sie 1806 an das Königreich Württemberg, das sich bemühte, die Spuren der vorderösterreichischen Vergangenheit zu beseitigen. Die Siedlung an dieser Stelle ist allerdings älter; an der Furt durch den Neckar gründeten die Römer Sumelocenna. Wer kam, als die Römer 260 n. Chr. gingen? Das ist die Frage von Dorothee Ade, der Vorsitzenden des Sülchgauer Altertumsvereins. Sie untersucht die Siedlungskerne im vorstädtischen Rottenburg und nimmt dazu die zahlreichen Bodenfunde in- und außerhalb des mittelalterlichen Stadtgebiets in den Blick. Dem mit der Topographie Rottenburgs nicht vertrauten Leser bietet die voranstehende Umgebungskarte eine nützliche Übersicht.

Nicht minder hilfreich ist die Karte des Urkatasters von 1819, in der die ortshistorisch bedeutsamen Punkte markiert sind. Sie gehört zum Aufsatz des Archäologen Andreas Willmy, der, auf der Suche nach dem Nukleus der späteren Stadt, der Lage der ersten Rottenburger Burg nachspürt. In den Bereich der frühmittelalterlichen Raumordnung rund um Rottenburg führt der Historiker Christian Kübler, der sich mit den Begriffen Gau, Pagus und Grafschaft auseinandersetzt. Im Vorfeld der Stadtgründung bewegt sich Casimir Bumiller, der den Übergang von den Hessonen zu den Hohenbergern thematisiert und zu dem Ergebnis kommt, dass der Hohenberger Graf Albrecht II., der während seiner gesamten Regierungszeit mit dem Thema Stadtgründung befasst war, Rottenburg als »Krönung seines städtebaulichen Engagements« 1280 gründete, dass seine Gründungsabsicht aber mindestens in das Jahr 1276 zurückreicht.

Der Bauforscher und Archäologe Tilmann Marstaller analysiert unter der Überschrift »In Stein und Holz – 750 Jahre Rottenburger Profanbaugeschichte« das Stadtbild und die Bauten der Altstadt, die nach den großen Brandkatastrophen 1644 und 1735 überwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammen. Er bedauert, dass wegen fehlenden Denkmalschutzes und mangelnder Initiative der Stadt »baugeschichtliche Quellen unbekannten Ausmaßes« verloren gingen, darunter die letzten Bauzeugnisse aus der Gründungszeit.

Das Thema Burgenbau und Adelsherrschaft in der Umgebung Rottenburgs greift der Archäologe und Burgenforscher Michael Kienzle auf, der feststellt, dass das Umland auf den ersten Blick deutlich burgenleerer wirke als andere Gegenden Südwestdeutschlands, dies aber dem Erhaltungs- und Erschließungszustand vieler Anlagen zuzuschreiben sei. Seine These belegt er an zahlreichen Beispielen, im Fokus steht aber die Alt-Rotenburg genannte Weilerburg vor den Toren der Stadt, die heute eine Ruine ist.

Einen Blick auf das rund 30 km südwestlich gelegene Kloster Kirchberg und dessen Beziehungen zu der noch jungen Stadt Rottenburg wirft der Archivar Joachim Jehn. Aufgrund der sich intensivierenden Kontakte ist es nicht verwunderlich, dass die erste Erwähnung Rottenburgs als Stadt – bzw. eines Bürgers – in einer Kirchberger Urkunde zu finden ist. Daraus schließt er, dass Rottenburg in diesem Jahr 1274 »sicher die Stadtrechte hatte«, geht auf den Widerspruch zu den oben genannten späteren Daten aber nicht ein.

Im letzten Beitrag schaut die Kunsthistorikerin Nadine Kaczmarek in die direkt am gegenüberliegenden Neckarufer im Ortsteil Ehingen gelegene Kirche St. Moritz, konkret auf die dortigen Grabdenkmäler und die Gruft der Hohenberger; die auf den Grabplatten abgebildeten Adeligen identifiziert sie als Graf Rudolf I., seine Frau Irmengard von Württemberg und Bischof Albrecht V. von Hohenberg.

Am Schluss des Bandes beschreibt der Geschäftsführer des Sülchgauer Altertumsvereins Karlheinz Geppert die Anfänge des Vereins, der bei seiner Gründung 1852 den Namen »Hohenberg’scher Alterthumsverein zu Rottenburg a. N.« trug und seinen Fokus von Beginn an auf die Weilerburg richtete.

Ludger Syré

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