Titelbild eines Buches

Kleindenkmale Baden-Württemberg. 20 Jahre erfassen und dokumentieren im Ehrenamt.

Zum 20-jährigen Bestehen des Kleindenkmalprojekts, Hrsg. Martina Blaschka, Arbeitsheft 43 des Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, kartoniert, 284 S., großteils farbige Abb. u. 4 Karten, Ostfildern: Thorbecke, 28,– Euro, ISBN 978-3-7995-1396-8

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Auf Initiative des Schwäbischen Heimatbundes und unter rascher Beteiligung des Schwäbischen Albvereins, des Schwarzwaldvereins sowie der Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale GEEK wurde 2001 gemeinsam mit dem damaligen Landesdenkmalamt das Projekt der landesweiten Erfassung und Dokumentation von Kleindenkmalen in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Das Programm ist zwischenzeitlich institutionell und finanziell fest im Landesamt für Denkmalpflege verankert, aber das Besondere daran ist nach wie vor, dass diese vielgestaltigen Objekte im Land von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfasst werden. Das annähernd 300-seitige Heft ist somit auch eine Reverenz an das Ehrenamt und an Hunderte von Bürgerinnen und Bürgern jeglichen Alters, ohne deren selbstlose Mitarbeit die Erfassung nie zu einem solchen Ergebnis gekommen wäre.

Der umfangreiche Band stellt das Projekt und seine in Deutschland einmalige Erfolgsgeschichte in 10 Kapitel gegliedert und in sage und schreibe 38 Aufsätzen dar. Diese widmen sich den Anfängen und Erfolgen, den Erfahrungen in den Kreisen, sodann der Frage des Denkmalwerts einer Kategorie, die im Denkmalschutzgesetz nicht namentlich aufgeführt ist, Restaurierungsfragen und dem Phänomen der Kleindenkmale in unterschiedlichen Zusammenhängen (beispielhaft die Aspekte Stadt, Religiosität, Wirtschaft und Verkehr, Erinnerungskultur, Grenzen).

Bei bislang in 23 Land- und Stadtkreisen erfassten über 75.000 Kleindenkmalen kann kein Inventar erwartet werden. Das ist auch nicht der Anspruch des Buchs. Stattdessen werden zahlreiche Beispiele exemplarisch vorgestellt. Stets richten die Autorinnen und Autoren ihr Augenmerk darauf, den kulturgeschichtlichen Wert von Kleindenkmalen anschaulich zu machen, darunter viele Objekte, die ohne die landesweite Erfassung vermutlich bereits entfernt und zerstört worden wären oder dem Vergessen und Verfall preisgegeben.

Zahlreiche Übersichts-Publikationen sind hierzu bereits erschienen und wurden über die Jahre in dieser Zeitschrift vorgestellt; weitaus mehr Veröffentlichungen sind aber in den letzten Jahren als Ergebnis der Erfassungen in den Landkreisen und in zahllosen Orten publiziert worden, die selten den Weg in die Buchhandlungen gefunden haben. Der vorliegende Band fasst somit all diese Bücher und Hefte zusammen und erzählt in reich bebilderten Beiträgen von Gruhen, Grenzsteinen und Wegweisern, von Bildstöcken, Weg- und Sühnekreuzen, von Unterständen der Feldhüter und Weinbergschützen, von Brunnen, Gedenkorten, Wolfsgruben, Brücken, Treppen, Neidköpfen, Eckständern, Schlusssteinen, Wettersäulen und vielem, vielem mehr.

Eine einzigartige Welt oft noch unentdeckter und unbekannter Preziosen unserer Kulturlandschaften in Baden-Württemberg öffnet sich den Leserinnen und Lesern. Die Aufsatztitel sprechen Bände: „Tante Isidora reist – humorvolle Wegweiser als Touristenattraktion“ (Antje Rotzinger), „Radschuhsteine als Kuriositäten“ (Andreas Dubslaff), „Versuche der Sinngebung des Sinnlosen – Gefallenendenkmäler der Zwischenkriegszeit“ (Folkhard Cremer) oder „Zur Zierde und zum Trost – Grabreliefschmuck und seine Bedeutung“ (Eva-Maria Krause-Jünnemann). Andere wenden sich Einzelerscheinungen zu, wie etwa „Die Wetterstation an der Kaiserallee in Karlsruhe“ (Martin Wenz), „Wegkreuze als denkmalpflegerische Herausforderung“ (Tina Frühauf und Kristina Hagen) oder „Die aufgerüstete Landschaft – Fallenstöcke auf den zweiten Blick“ (Lutz Dietrich Herbst) – um nur einige zu nennen. Clemens Kieser, Martin Hahn und Sabine Kraume-Probst widmen sich grundsätzlichen Fragestellungen zur Kulturdenkmaleigenschaft oder etwa zum Kleindenkmal in der Bauleitplanung.

Im üppigen Umfang des Buches spiegelt sich die Komplexität des Themas und des Projekts wider. Für die weitere Beschäftigung ist den meisten Aufsätzen ein kleiner Apparat an Verweisen beigegeben. Die Beiträge sind lesbar und spannend geschrieben für alle, die sich für die Kulturgeschichte unseres Landes und unserer Landschaften interessieren. Und: das Buch versteht es blendend, die Augen zu öffnen, um nicht unachtsam an den stummen Zeugen unserer Geschichte am Wegesrand vorüberzugehen.

Bernd Langner

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