Tor zu einem Torfwerk im Wald

Die Träger des Kulturlandschaftspreises 2009

Kulturlandschaftspreis 2009: Der Heimatverein Wurzen in Bad Wurzach erforscht und dokumentiert die Wirtschafts- und Naturgeschichte des Wurzacher Rieds (Foto: Preisträgerarchiv SHB/Norbert Vollmer, Bad Wurzach)

Historisches erhalten, wirtschaftlich und zukunftsfähig machen

erste Seite eines Zeitschriftenartikels
Bericht Kulturlandschaftspreis 2009

Mehr über die Preisträgerinnen und Preisträger finden Sie in einem Bericht aus der Schwäbischen Heimat 2009, Heft 4.

Die Kulturlandschaft im Südwesten ist kein Stillleben. Zu stark sind die Bedrohungen durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und den Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehrswege. Aber auch die Natur selbst ist ein ständiger Widerpart. Nur wenn traditionelle Landschaftselemente wie Weinberge, Heiden und Streuobstwiesen regelmäßig bearbeitet und genutzt werden, bleibt das vielfältige Bild erhalten. Jetzt wurden sieben solcher Initiativen mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds und des Sparkassenverbands Baden-Württemberg ausgezeichnet. Ein Sonderpreis belohnt die Dokumentation und Erhaltung von Kleindenkmalen.

Gemeinsam ist allen Preisträgern ihre langfristige Perspektive: Kurzlebiger Aktionismus bringt im Landschaftsschutz gar nichts, sagt der Vorsitzende des Preisgerichts, Dr. Volker Kracht. Nur wer sich Jahr für Jahr kümmert und immer wieder aufkommendes Gehölz zurückdrängt, eingefallene Weinbergmauern repariert oder Wiesen regelmäßig tier- und pflanzenschonend mäht, erreicht etwas, so der Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege am Regierungspräsidium Tübingen. Dass dabei neben menschlicher Arbeitskraft auch vierbeinige Helfer mit Migrationshintergrund zum Einsatz kommen, passt ins Bild. So beweiden im Heckengäu südwestlich von Stuttgart Schwarznasenschafe und Schwarzhalsziegen aus dem Wallis und ursprünglich aus Südafrika stammende Dorper Schafe 30 Hektar Streuobstwiesen und Wacholderheiden. Und im Pfrunger-Burgweiler Ried bei Wilhelmsdorf setzen schottische Highland- und Galloway-Rinder das Gras nasser Moorweiden in schmackhaftes Fleisch um. Auch die Vermarktung solcher Produkte und die Öffentlichkeitsarbeit sind der Jury einen Preis wert, denn nur mit öffentlichem Interesse und dem Genuss von Streuobstapfelsaft und Co. stimmt auch die finanzielle Seite der Initiativen. Die Liste der Preisträger umfasst dieses Jahr Projekte von Wehrbach im Taubertal bis zu den Moorgebieten in Oberschwaben bei Wilhelmsdorf und Bad Wurzach, wo der Bau und die Trägerschaft eines Torfmuseums samt Lehrpfad und Torfbahn ausgezeichnet wurde. 40 Privatpersonen, Initiativen und Vereine hatten sich um den zum 19. Mal ausgelobten Preis beworben. Belohnt werden die Gewinner mit einem Preisgeld von insgesamt 12.000 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt. Ein kleines Jubiläum feiert der Sonderpreis für die Dokumentation, Erhaltung und Erforschung von Kleindenkmalen, der heuer zum zehnten Mal verliehen wird und an drei Preisträger aus Tauberbischofsheim, Eppingen und Ottenbach bei Göppingen geht.

Kulturlandschaftspreis 2009: Hauptpreis

Bürger von Werbach-Niklashausen (Main-Tauber-Kreis)

ehemalige Weinbergmauern
Kulturlandschaftspreis 2009: Umfangreiche Landschaftspflege rund ums Thema Trockenmauern durch die Bürger von Werbach-Niklashausen (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Auch in Niklashausen, einem Ortsteil von Werbach, veränderte das Automobil Menschen und Landschaft. Früher erreichten die Einwohner zu Fuß, über schmale Wege und Bergpfade, ihre Grundstücke und die Nachbardörfer, heute ist man motorisiert. Deshalb verwuchsen die alten Steige aus dem Taubertal und die begleitenden Trockenmauern verfielen im Gestrüpp. Seit 2003 haben sich Niklashäuser Bürger dieser Elemente der gewachsenen Kulturlandschaft angenommen und wieder begeh- und erlebbar gemacht. Sie haben 350 m Trockenmauern am Bergpfad nach Höhefeld wiederhergestellt, den Steilhang um die Beghardenhöhle entbuscht und die umgebenden Trockenmauern gerichtet sowie drei Wege mit ihren Trockenmauern auf dem Mühlberg und dem Hallenberg freigelegt.

Interessengemeinschaft Streuobst Kernen e.V. (Rems-Murr-Kreis)

Mann schneidet Äste vor Publikum
Kulturlandschaftspreis 2009: Interessengemeinschaft Streuobst Kernen e.V. (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Der Streuobstbau prägt in vielen Teilen Württembergs das Bild der Kulturlandschaft. Auch im Remstal wechseln sich Rebflächen und Streuobstanbau ab. Während die flurbereinigten Weinberge bis zur Lese maschinell bearbeitet werden können, fordern Streuobstwiesen etwas mehr Hingabe übers Jahr. Dieser Umstand lässt viele Grundstücke verwildern und die Bestände vergreisen. Um das nahende Ende des Streuobstanbaus abzuwenden, setzt Kernen im Remstal als Modellgemeinde der Inititative Streuobst Rems-Murr-Kreis auf das bürgerschaftlich Engagement. Unterstützt wird die Maßnahme vom Landratsamt Rems-Murr. Die Interessengemeinschaft Kernobst Stetten unterstützt mit Schnittkursen, Pflanzaktionen, Beweidungskonzepten und Maschinenleihe viele Eigentümer beim Erhalt und der Pflege ihrer Grundstücke.

Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Weil der Stadt (Kreis Böblingen)

Jugendliche beseitigen Gestrüpp an einer Mauer
Kulturlandschaftspreis 2009: Schülerinnen und Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Weil der Stadt betreiben umfangreiche Landschaftspflege (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Seit dem Schuljahr 2001/02 bietet das Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt seinen Schülern eine Artenschutz-Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Kulturlandschaft im Heckengäu an. Derzeit beteiligen sich vierzehn Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 13 daran. In die Maßnahmen werden die Gemeindeverwaltung und Landwirte eingebunden. Im Rahmen des Landesprojekts Aktionsplan Biologische Vielfalt hat die Artenschutz AG die Patenschaft für die Schlingnatter und den Steinkauz übernommen. Neben der großflächigen Entbuschung und Pflege von Streuobstwiesen wurden eine eingewachsene Trockenmauer freigelegt, Obstbäume gepflanzt, Nisthilfen angebracht und Bienenstöcke aufgestellt.

Krüger Landschaftspflege in Grafenau (Kreis Böblingen)

Ziegenherde im Wald
Kulturlandschaftspreis 2009: Karlheinz und Sabine Krüger mit über hundert Schafen und Ziegen besonders wertvolle Streuobstwiesen und Wacholderheiden (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Eine Wacholderheide am Mühlberg bei Döffingen, die seit Jahren ungepflegt war, hatten sich Karlheinz und Sabine Krüger als ersten Fall vorgenommen. Mit vier Ziegen begann dann im Jahr 2000 die Erfolgsgeschichte. Inzwischen ist die Herde auf über hundert Tiere angewachsen. Darunter sind Schwarznasenschafe, Dorper Schafe und Schwarzhalsziegen, die über 20 Hektar Fläche in dem hochindustrialisierten Gebiet westlich von Böblingen und Sindelfingen beweiden. In diesem Ballungsraum sind Streuobstwiesen und Wacholderheiden besonders wertvoll. Die Familie Krüger leistet mit ihrem Landschaftspflegebetrieb deshalb einen unschätzbaren Beitrag zur Erhaltung dieser gefährdeten Landschaftsteile im kargen Heckengäu.

Schwäbischer Albverein – Ortsgruppe Gerstetten (Kreis Heidenheim)

Menschen räumen Äste und Gstrüpp zur Seite
Kulturlandschaftspreis 2009: der Schwäbische Albverein – Ortsgruppe Gerstetten pflegt Wacholderheiden und andere Flächen in der offenen Landschaft (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Die Pflege von Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb ist ein Anliegen vieler Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins. Auf der Ostalb finden wir diese Weidelandschaften bei Heuchstetten im Paradies, am Kahberg und auf dem Hohberg, bei Rüblingen am Galgenberg, in der Erpfenhauser Heide und an der Steighalde. Unter der jahrelangen Obhut der Gerstetter Albvereinler haben sich dort die artenreichen Tier- und Pflanzengesellschaften gut erhalten und entwickeln können. Und es bleibt für einige Mitglieder der Ortsgruppe noch Zeit sich um eine Hülbe im Greuthhau und um Feldhecken zu kümmern.

Heimatverein Wurzen in Bad Wurzach (Kreis Ravensburg)

großer renovierter Holzschuppen
Kulturlandschaftspreis 2009: Der Heimatverein Wurzen zusammen mit der Stadt Bad Wurzach hat eine Konzeption zum Aufbau eines Museums erarbeitet zur Darstellung der Wirtschafts- und Naturgeschichte des Wurzacher Rieds (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Im Jahr 2000 erarbeitete der Heimatverein Wurzen zusammen mit der Stadt Bad Wurzach eine Konzeption zum Aufbau eines Museums. In ihm sollte die Wirtschafts- und Naturgeschichte des Wurzacher Rieds dargestellt werden. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts entstanden so ein Lehrpfad der den ehemaligen Torfabbau den Besuchern nahe bringt, die restaurierte Torfbahn zur schonenden Besichtigung des geschützten Landschaftsteils und ein Museum, das in den ehemaligen Torfschuppen gebaut wurde. Die Mitglieder des Heimatvereins Wurzen haben nicht nur unzählige Arbeitsstunden aufgewendet, sondern auch die Trägerschaft für dieses Oberschwäbische Torfmuseum übernommen.

Vermarktungsinitiative »Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried« in Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg)

Rinder auf einer Wiese
Kulturlandschaftspreis 2009: Vermarktungsinitiative »Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried« in Wilhelmsdorf Die ganzjährige Beweidung sichert und fördert den Lebensraum von Insekten, Vögeln und Fledermäusen im Naturschutzgebiet und vermarktet Produkte der Rinderhaltung (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Die Vermarktungsinitiative ist ein Zusammenschluss von sieben Landwirten. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Pfrunger-Burgweiler Ried beweiden ihre Rinder zirka 140 Hektar Fläche. Es wird eine naturnahe, artgerechte Haltung angestrebt, mit robusten Rassen, wie Galloway, Scottish Highland und Heckrind und als Nutzungsrassen Pinzgauer Rind und Limousin- Rind. Die ganzjährige Beweidung sichert und fördert den Lebensraum von Insekten, Vögeln und Fledermäusen im Naturschutzgebiet. Die Vermarktungsinitiative «Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried» stellt hochwertige Fleisch- und Wurstwaren her, die über den regionalen Einzelhandel und über die direkte Vermarktung vertrieben werden.

Sonderpreis Kleindenkmale 2009

Obst- und Gartenbauverein in Tauberbischofsheim-Hochhausen (Main-Tauber-Kreis)

vier Männer betrachten ein historisches hölzernes Bauteil eines Hauses
Sonderpreis Kleindenkmale zum Kulturlandschaftspreis 2009: Der Obst- und Gartenbauverein in Tauberbischofsheim-Hochhausen hat unter anderem geschnitzte Eckposten dokumentiert (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Der Obst- und Gartenbauverein Hochhausen setzt sich für die Erhaltung und Restaurierung von Kleindenkmalen auf der Gemarkung Hochhausen ein. Er gab drei Dokumentationen und ein Faltblattes heraus (Flurdenkmale in Hochhausen, Jüdischer Friedhof in Hochhausen und zwei geschnitzte Eckpfosten am Grünauer Hof von 1699).

Gotthilf Sachsenheimer in Eppingen-Kleingartach (Kreis Heilbronn)

historischer Grenzstein im Wald
Sonderpreis Kleindenkmale zum Kulturlandschaftspreis 2009: Gotthilf Sachsenheimer in Eppingen-Kleingartach hat 226 Grenzsteine auf der Gemarkung Kleingartach dokumentiert (Foto: Preisträgerarchiv SHB/privat)

Der Diebstahl von Grenzsteinen und ihre Beschädigung beim Holzeinschlag brachten Gotthilf Sachsenheimer zum Nachdenken und Handeln. Er machte sich zum Anwalt wertvoller Grenzsteine aus dem 16 Jh. an der ehemaligen badisch-württembergischen Landesgrenze und der weiteren Umgebung. Insgesamt hat er 226 Grenzsteine auf der Gemarkung Kleingartach dokumentiert.

Guido und Sieglinde Frey in Ottenbach (Kreis Göppingen)

(Keine Abbildung vorhanden) Den Waldenhof hat das Ehepaar Frey 1969 erworben. Zum Hof gehört auch eine Kapelle aus dem Jahre 1887, die zweckentfremdet der Lagerung von Kunstdünger dienen musste. Den neuen Eigentümern missfiel dieser Zustand und so stand ihr Entschluss fest, wieder einen Ort des Gebets und der Stille zu schaffen. Es dauerte aber noch lange bis die Antoniuskapelle renoviert, neu ausgestattet und ihre Umgebung würdig gestaltet werden konnte. Anfang Oktober 2007 wurde sie feierlich, unter Teilnahme vieler Gemeindeglieder, eingeweiht.

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