Synagoge in Michelstadt (Odenwald) | Foto: Kulturamt Michelstadt
Reise Nr. 07
Leitung: Prof. Dr. Matthias Morgenstern
Dienstag, 29. Juni 2027
Zustieg: 7.30 Uhr Tübingen Busbahnhof
Abfahrt: 8.30 Uhr, Stuttgart Karlsplatz
Ein Ba’al Schem (hebräisch: „Meister des Namens“, des für Juden unaussprechlichen Gottesnamens) ist ein Wunderrabbi, der die Geheimnisse hebräischer Buchstaben und Gottesnamen kennt und den Gläubigen durch außergewöhnliche Krafttaten beisteht und Kranke heilen kann.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren Ba’alé Schem (Wundermänner) den westeuropäischen Juden peinlich – sie galten als längst überwundenes, nur durch Martin Bubers Nachdichtung chassidischer Legenden aus Osteuropa bekanntes Phänomen. Dabei traten solche Wunderheiler vor allem seit der frühen Neuzeit auf. Von dem humanistischen Gelehrten und christlichen Kabbalisten Johannes Reuchlin (1455–1522) wissen wir, dass er an die Kraft des hebräischen Alphabets glaubte und ein Amulett mit Buchstaben der heiligen Sprache trug. Martin Luther kannte die Ba’alé Schem und bekämpfte sie als „Schwindler“ und „Zauberer“.
Ausgerechnet zum 100. Jahrestag der Reformation (1617) entstand in Brackenheim, wohl unter dem Einfluss von Reuchlin, aber eine kunstvoll gestaltete Predigtkanzel mit geheimnisvollen Inschriften in orientalischen Sprachen. Heute kennen wir die kabbalistische Theorie hinter diesen Texten in der Brackenheimer Jakobuskirche. Mit einer Nachbildung des Jerusalemer Heiligen Grabes aus dem 15. Jahrhundert in einer gegenüberliegenden Seitennische der Kirche – hinzu kommen von der württembergischen Herrscherfamilie gestiftete Abendmahlsgeräte und (noch heute in Gebrauch stehendes!) Taufgeschirr mit Zeichen, die vielleicht ebenfalls Intentionen der christlichen Kabbala zu erkennen geben – bildet diese Kanzel ein einzigartiges Ensemble.
Der Ruf des wohl größten Ba’al Schem im deutschen Sprachraum verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert. Rabbi Seckel Löb Wormser aus Michelstadt (ca. 1769–1847), der bei dem Frankfurter Kabbalisten Nathan Adler studiert hatte, half jüdischen Ratsuchenden und Kranken aus ganz Süddeutschland. In den vergangenen Jahren hat die Verehrung dieses Wundermannes eine bemerkenswerte Renaissance erlebt.
Programm:
Brackenheim (Jakobuskirche mit kabbalistischer Predigtkanzel und weiteren Ausstattungsgegenständen) – Michelstadt (jüdischer Friedhof, ehemalige Synagoge).
Männer werden gebeten, für den Besuch des Friedhofs eine Kopfbedeckung mitzunehmen.
In Kooperation mit dem Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof und dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart.
Leistungen:
- Fahrt im modernen Reisebus
- fachlich qualifizierte Reiseleitung
- alle Führungen und Eintrittsgelder
Preis:
€ 178,- pro Person
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Unsere Studienfahrten und Exkursionen sind bei unserem Partner Hartmann Reisen in Rottenburg-Oberndorf buchbar. Direktlink: https://www.hartmann-reisen.eu
Sie können auch eine E-Mail schreiben an info@hartmann-reisen.eu oder anrufen (Mo-Fr 9-17 Uhr) unter 07073 915-00. Es ist zunächst auch weiterhin möglich, sich beim Schwäbischen Heimatbund anzumelden; wir leiten Ihre Anmeldung gerne weiter. Die Abwicklung erfolgt auf jeden Fall über Hartmann Reisen. Einen Reisekatalog senden wir Ihnen übrigens gerne zu.
