Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler: Gustav-Schwab-Preis 2019

Blick über die Wurmlinger Kapelle zur Burg Hohenzollern – verfremdet | Bildhinweis: Von Thomas Hentrich, CC BY 3.0, Link

Zwischen dem “lutherischen Spanien” und dem “schwäbischen Rom”. Konfessionskultur, Pietismus und Erweckungsbewegung in der reichsritterschaftlichen Herrschaft Bächingen an der Brenz

fünf Personen um einen Taufstein in einer Kirche
Preisträger Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler (Mitte) mit seiner Ehefrau Josefine (2. v. re.), Prof. Dr. Albrecht Rittmann, stv. Vorsitzender des SHB (li.), Anton Hunger, Vorstandsmitglied der Wiedeking Stiftung, sowie (re.) Landeshistorikerin Prof. Dr. Sabine Holtz, als Laudatorin und Mitglied der Jury.

Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler aus Lauingen/Donau ist der Preisträger des fünften Gustav-Schwab-Preises. Mit der 2009 gestifteten Auszeichnung prämiert der Schwäbische Heimatbund Nachwuchsforscher für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte, der Literatur und der Landeskunde des schwäbischen Raumes.

Die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Wilfried Setzler, Honorarprofessor am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen, prämierte 2019 die Arbeit von Johannes Moosdiele-Hitzler Zwischen dem “lutherischen Spanien” und dem “schwäbischen Rom”. Konfessionskultur, Pietismus und Erweckungsbewegung in der reichsritterschaftlichen Herrschaft Bächingen an der Brenz, die als Dissertation an der Universität Augsburg angenommen wurde.

Unser besonderer Dank gilt der Wiedeking Stiftung Stuttgart, die in diesem Jahr das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro für den Gustav-Schwab-Preis zur Verfügung gestellt hat.

In seiner Arbeit geht der Preisträger einigen aus landes- wie kirchengeschichtlich bedeutsamen – ja geradezu spannenden – Fragen nach: Woher kommen konfessionelle Identitäten, und warum sind sie bis heute mancherorts stärker spürbar als anderswo? Was veranlasste die Menschen auf dem Land, pietistische Frömmigkeit anzunehmen? – Aus diesen Grundfragen rekonstruiert der Autor die religiöse Biografie der einstigen Ritterherrschaft Bächingen an der Brenz von der Reformation bis ins 19. Jahrhundert. Mitten im konfessionellen Kampfgebiet zwischen dem lutherischen Spanien (Herzogtum Württemberg) und dem schwäbischen Rom (Dillingen als Sitz des Augsburger Fürstbischofs und der Universität der Jesuiten) gelegen, prägte sich hier eine ganz eigene konfessionelle Kultur aus, die alle Lebensbereiche erfasste und teils erstaunliche Blüten trieb. Religiös motivierte Auswanderungswellen nach Amerika (1751) und Russland (1821) und tumultartige Zustände durch die polarisierenden Lehren eines pietistischen Pfarrers (1793/96) wären hier zu nennen. Besonderen Reiz erhält die örtliche Geschichte durch Franziska von Hohenheim – Ehefrau Herzog Karl Eugens von Württemberg und prominenteste Pietistin ihrer Zeit -, die 1790 bis 1811 über Bächingen regierte und hier ihre religiösen Ideale in die Realität umzusetzen versuchte.

Die Jury zeigte sich beeindruckt, dass Moosdiele-Hitzler neue Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung lokaler pietistischer Gemeinschaften und konfessioneller Identitäten liefert und deren Langlebigkeit bis auf den heutigen Tag aufzeigt. Die Arbeit bietet sehr detaillierte Einblicke in Lebenswelt und Alltagskultur eines stark konfessionalisierten dörflichen Milieus bei gleichzeitiger enger Verquickung mit der elitären und akademisch geprägten Hofkultur der lokalen Obrigkeit. Zudem bietet sie einen wichtigen Beitrag zur Biografie Franziskas von Hohenheim. Der Autor konnte auf einen großen Reichtum an Originalquellen aus 21 Archiven und Institutionen zurückgreifen.

Feierliche Preisverleihung mit Vortrag

Nicht im Rahmen der Mitgliederversammlung, sondern in neuem Format ehrte der Schwäbische Heimatbund den jüngsten Träger des Gustav-Schwab-Preises, Herrn Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler. Ort der Feier war am 8. November 2019 die Franziska-Kirche in Stuttgart-Birkach, deren Bau und Ausstattung eng im Zusammenhang mit Franziska von Hohenheim steht. Sie spielt in der preisgekrönten Doktorarbeit von Dr. Moosdiele-Hitzler eine herausragende Rolle. Der Laudatio durch Frau Prof. Dr. Sabine Holtz, Universität Stuttgart, sowie der Überreichung der Urkunde und eines Preisgelds über 3.000 Euro, das durch die Wiedeking Stiftung ermöglicht wurde, folgte ein Dankesvortrag des Preisträgers über Franziska von Hohenheim – mit viel Beifall bedacht von annähernd 100 Gästen in der Kirche.

Aufrufe: 42

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.