Dieter Grupp, Heinz Högerle, Ines Mayer und Martin Ulmer (Hrsg.) für den Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb e.V.: Verbrechen, Volksgemeinschaft, Widerstand. Ein Wegweiser zu Spuren des Nationalsozialismus in der Region Gäu-Neckar-Alb
Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2025. 264 Seiten, zahlr. Abb., Paperback 16 Euro. ISBN 978-3-7801-1030-5

Sind sie nicht veraltet, unnötig, unzeitgemäß: Reiseführer – heute, im digitalen Zeitalter? Verstauben nicht Lexika, Kunst- und Museumsführer im Regal, weil die schnelle Suche im Netz längst den Vorzug erhält, weil sie nicht aktualisierbar sind und die Buchform übers Jahr veraltet?
Die vorliegende »Spurensuche« verfolgt andere, wichtige Ziele. Und sie spiegelt damit eindrucksvoll ein breites Spektrum von Ehrenamtlichen, die engagiert sind für das Wachhalten, für das generative Weitergeben der Erinnerungskultur.
Die Frage nach dem Warum benennt das Redaktionsteam im Vorwort. Die seit 2010 verbundenen Gedenkstätten wollen zum einen das gesamte Panorama der Gedenkorte zeigen. 51 »Ziele« werden vorgestellt mit Bild, Karte, Geodaten und örtlich herausragenden Akzenten. Die Artikel, zwischen zwei und sechs Seiten, verfasst von 30 namentlich genannten AutorInnen, spiegeln das große regionale Netzwerk von Ehrenamtlichen, auf das die Redaktion sich mutig einließ. Gewiss kein leichtes Unterfangen – zumal ohne Aussicht auf Finanzierung »da eine Unterstützung durch das Land für dieses Leuchtturmprojekt aufgrund der bestehenden Richtlinien nicht zustande kam«! Leibinger Stiftung, OEW und Sparkasse sowie die vier Landkreise halfen, das wichtige, in dieser Konzeption erstmalig vorliegende Buch umzusetzen.
Vier Kapitel des Redaktionsteams, den Ortskapiteln als kluge Einleitung vorangestellt, führen ins Thema ein – in beispielhafter Kürze und Präzision: Martin Ulmer schreibt über den Topos der »NS-Volksgemeinschaft«, Ines Mayer über »Widerstand gegen den Nationalsozialismus«, Heinz Högerle über »Jüdische Gemeinden und ihre Vernichtung«, Dieter Grupp und Andreas Zekorn über das »Unternehmen ›Wüste‹ – Treibstoff für den Krieg« (S. 12–26).
Das Buch ist in bestem Sinne ein Wegweiser und -begleiter für das Entdecken altbekannter und neuer, fremder Orte; ein Vademecum für Wissende, Fragende, Neugierige und Suchende gleichermaßen. Es ist aber darüber hinaus weit mehr. Auch wenn (so erging es der Rezensentin bei der Lektüre) viele der 51 »Ziele« bekannt sind: Das Gesamtpanorama der NS-Verbrechen und Widerstand, zu NS-Plänen und Unternehmen in einer begrenzten Region – in nur einer, vertrauten, heimatlichen! – ist erschütternd. Auch wenn die Spuren heute oft verwischt, vergessen sind: Umso wichtiger, dass sie zum Sprechen gebracht werden!
Christel Köhle-Hezinger
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