Titelbild eines Buches

Romy Herold: Ritter Sport. Ein Traum von Schokolade

Roman. Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe, München 2025. 508 Seiten. Paperback 17 €. ISBN 978-3-7341-1232-4

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Dass die Besprechung eines Familienromans hier Platz findet, ist sicherlich nicht selbstverständlich, allerdings gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen handelt es sich um die historisch-recherchierte, fiktionale Lebensgeschichte von Clara Göttle, die mit ihrem Ehemann Alfred Ritter zunächst in Cannstatt eine erfolgreiche Schokoladenfabrik aufbaute und diese 1930 nach Waldenbuch transferierte. Dort sitzen noch heute Produktion, Vertrieb und der beliebte Fabrikverkauf von Ritter Sport, der zu einem Magneten von Schokoladen-Liebhaber*innen aus der ganzen Welt geworden ist. Auf dem Firmengelände gibt es seit 2005 das von Marli Hoppe-Ritter, die sich als Gewährsfrau in die Erzählung eingebracht hat, gegründete Museum Ritter, das zeitgenössische Kunst zum Thema Quadrat sammelt und ausstellt.

Zum anderen wurde das vorliegende Buch von dem Autorenteam »Romy Herold« verfasst, hinter dem sich Eva-Maria Bast und Jørn Precht verbergen, beide an der Hochschule der Medien Stuttgart als Dozentin bzw. Professor für transmediales Storytelling tätig. Gemeinsam haben sie bereits 2016 in Kooperation mit der Stuttgarter Zeitung / den Stuttgarter Nachrichten einen attraktiven Stadtführer Stuttgarter Geheimnisse veröffentlicht.

Nun hat der Verlag Blanvalet diese umfangreiche, leicht und spannend zu lesende biografische Geschichte der Gastwirtstochter Clara Göttle aus Tomerdingen (im heutigen Alb-Donau-Kreis) verlegt.

Clara Göttle wurde zur »Handlungsmamsel« im Kolonialwarenladen Karl Gaissmaier in Ulm in der Kramgasse ausgebildet. Anschließend machte sie sich in Cannstatt mit einem eigenen Laden in der Marktstraße 61 selbstständig, eine Filiale am Cannstatter Bahnhof folgte. Ihre große Vielfalt von Süßwarenartikeln fand trotz beachtlicher Konkurrenz in Cannstatt und Stuttgart gute Resonanz. Dennoch machten ihr entgegengebrachte Vorurteile aufgrund ihrer selbstständigen Tätigkeit als alleinstehender Frau das Leben nicht leicht, etwa bei der Suche nach einer Bleibe. 1912 heiratete sie als 34-Jährige den acht Jahre jüngeren Alfred Ritter, der gelernter Konditor war und sich für die fabrikmäßige Produktion von Schokoladenwaren interessierte – auch er war zunächst ein neugieriger Kunde in Göttles Läden auf der Suche nach etwas Neuem, bisher Unbekannten gewesen. Gemeinsam kauften sie in Cannstatt ein Fabrikgebäude für die Schokoladenproduktion, und als dieses zu klein wurde, erwarben sie in Waldenbuch die leerstehenden Kreuziger Werke für die sich stetig vergrößernde Herstellung.

Auch wenn es sich bei dieser Biografie nicht um eine ausschließlich faktenfundierte Erzählung handelt, so ist das Buch doch ausgesprochen lesenswert. Nicht nur eine eingängige Sprache, sondern auch die geglückte Darstellung der Familienmitglieder und ihres unterstützenden Miteinanders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit seinen beiden grausamen Weltkriegen sind eindrücklich. Gestört, ja bedroht wurde das weitgehend harmonische Privatleben durch das Anwachsen von nationalistisch-antisemitischer Gesinnung, durch die Ausbreitung des menschenverachtenden Nationalsozialismus sowie eine opportunistische Unterstützer- und Mitläufermentalität. »Der Krieg war ein Ungeheuer, das mit Vorliebe das Glück der Menschen fraß« (S. 465). Als die Männer an die Front mussten, führten die Frauen die Betriebe fort, und so ist die Biografie der Clara Ritter auch eine Geschichte tapferer, couragierter Frauen.

Haupt- und Nebenfiguren sind deutlich charakterisiert. Sprachlich besonders gelungen ist die Mutter von Clara mit ausgeprägt älblerischem Dialekt, der ihre resolute Art als Gastwirtin unterstreicht. Leichte schwäbische Einfärbungen wie »Nesthäkle« oder »Mädle« wären nicht nötig gewesen, zumal das Buch im gesamten deutschsprachigen Raum vertrieben wird.

Wo aber Fiktion die historische Wahrheit übertrifft bzw. ausführt, das ist nicht zu klären und nicht sinnhaft – wir glauben den Autoren gerne und wünschen uns eine filmische Umsetzung.

Eva-Maria Klein

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