Weiher inmitten von Wiesen

Das SHB-Naturschutzgebiet Weiherwiesen

Die Weiherwiesen auf der welligen Albuch-Hochfläche zwischen Essingen und Bartholomä in etwa 650 Meter Höhe zählen zu den interessantesten Landschaften und Naturerscheinungen der Ostalb. Hier befindet sich der Wanderer nicht in der typischen Alblandschaft, sondern erreicht – nachdem er dichte Fichtenwälder durchquert hat – eine große Lichtung mit zwei Weihern. Auf feuchtem Grund gedeihen ausgedehnte Seggen- und Trollblumenbestände, auf trockenerem Gelände säureliebende Heidepflanzen.

Im Lauf der Jahreszeiten

Dieses für die Alb ungewöhnliche Landschaftsbild beruht auf einer mächtigen Decke aus Feuersteinlehmen. Sie ist – von recht hohen Niederschlägen unterstützt – die Ursache für eine ungewohnte Pflanzenwelt. Diese Landschaft vermag den Besucher zu allen Jahreszeiten zu beeindrucken: bunte Blütenpracht im Frühsommer, Heidekraut und Heidenelke im Hochsommer, goldene Birken im Herbst und winterlicher Rauhreif um die Jahreswende.

Historisches

Luftaufnahme eines Weihers inmitten von Wiesen
Im Mai sind kaum Unterschiede zwischen den Feuchtwiesen und den Wirtschaftswiesen in trockenen Lagen zu sehen. Im Bereich des unteren Weihers (links oben) sind Verlandungen zu erkennen, die regelmäßig beseitigt werden. (Luftaufnahme 1983, Sonderdruck Naturschutzgebiete des SHB, 1991)

Die Weiherwiesen sind seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt. Die Wälder dienten einst der Waldweide, die Rodungsinsel wurde ebenfalls beweidet. Einer der beiden Weiher wurde im 19. Jhd. jährlich für bis zu 20.000 Schafe zur Wäsche vor der Schur benutzt.

Schon 1860 waren die beiden Weiher trockengelegt worden. Der SHB staute sie mit hohem finanziellen Aufwand wieder auf, um den ursprünglichen Zustand zu erhalten. Seit der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1978 werden die Wiesen einmal jährlich gemäht – derzeit durch Landwirt Max Kern und seinen Sohn.

Pflanzenwelt

gelbblühende Pflanzen
Trollblumen (trollius europaeus) gehören zu den auffallendsten Pflanzen der Weiherwiesen. Eigentlich sind ihre Standorte abseits der Wege. Zunehmend nehmen aber Spaziergänger, Hundebesitzer und Fahrradfahrer Besitz dieser Flächen und gefährden den Bestand dieser seltenen Pflanze (Foto: Sonderdruck Naturschutzgebiete des SHB, 1991)

Auf der Heidekrautheide sind die vorherrschenden Pflanzenarten neben dem Heidekraut die Heidelbeere, der leuchtend gelbe Geflügelte Ginster und das Johanniskraut. Zu den floristischen Kostbarkeiten gehört die Quendelblättrige Kreuzblume. In den stärker vernässten Gebiete sind u.a. Pfeifengras, Kleiner Klappertopf und Arnika, die Braune Segge, das Wald-Läusekraut und das seltene Sumpfveilchen zu finden. Von allen Pflanzengesellschaften bieten die Trollblumenwiesen das auffallendste Bild. Zu ihren Begleitern gehören Knabenkraut, Kuckuckslichtnelke und Sumpfvergißmeinicht. Die Verlandungszonen an den Weihern werden hauptsächlich vom Großseggenried eingenommen, doch schon im Mai schmücken die weißen Blüten des Fieberklees die randlichen Wasserflächen. Im Röhricht findet man neben anderen Pflanzen Froschlöffel, Rohrkolben sowie die Wasserschwertlilie. Weit ins Wasser dringen das Schwimmende Laichkraut, Wasserknöterich, Wasserstern und die Wasserlinse.

Tierwelt

Die artenreiche Heide- und Feuchtgebietsflora der Weiherwiesen bietet einer reichhaltigen Tierwelt Lebensraum. Außer Wasser- und Sumpfvögeln haben Libellen und andere Insekten sowie Lurche ein Paradies gefunden. Von den Brutvögeln seien die Reiherente und der Zwergtaucher genannt. Daneben ist das Gebiet ein gefragter Rastplatz für Zugvögel. Um Ostern laichen in den Weihern Hunderte von Grasfröschen und Tausende von Erdkröten. Auch verschiedene Molche lassen sich beobachten.

Sonderpublikation

Über die Schutzgebiete des Schwäbischen Heimatbundes gibt es ein Sonderheft der Schwäbischen Heimat. (1991). Es ist bei der Geschäftsstelle zum Preis von 4,- Euro erhältlich.

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