Titelbild eines Buches

Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar

Johannes Waldschütz u.a. (Hrsg.). Hrsg. im Auftrag des Landkreises Rottweil, des Landkreises Freudenstadt und der Stadt Sulz am Neckar. Gemeiner Studio, Meßkirch 2026. 188 Seiten, zahlr. Abb. Hardcover 24. € ISBN 978-3-7801-1031-2

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In kalendarischer Hinsicht mag das 2025 intensiv begangene Gedenkjahr des Deutschen Bauernkriegs zu Ende gegangen sein – die wissenschaftliche Aufarbeitung des Jahrhundertereignisses dauert an. Dass das Thema auch auf dem deutschen Buchmarkt nach wie vor präsent ist, belegen die einschlägigen Neuerscheinungen des laufenden Jahres. Der in Meßkirch beheimatete Gmeiner- Verlag hat im vorletzten Jahr eine Untersuchung Casimir Bumillers zum Bauernkrieg im Hegau herausgebracht. Dieser folgt nun ein Buch, das die revolutionären Bewegungen der Bauern in der Region zwischen dem östlichen Schwarzwaldrand und dem oberen Neckar im Gebiet von Rottweil bis Sulz beleuchtet. Erschienen ist es anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, die von Anfang August 2025 bis Ende Januar 2026 im Kultur- und Museumszentrum im Schloss Glatt zu sehen war. Das Buch, erst im Nachgang zu dieser Ausstellung auf den Markt gekommen, versteht sich »als deren nachhaltige wissenschaftliche Vertiefung und Zusammenfassung«.

Es handelt sich demnach nicht um einen klassischen Ausstellungskatalog, in dem die in den Vitrinen präsentierten Exponate durch Bild und Text beschrieben werden, sondern um einen reich bebilderten Textband. Die darin enthaltenen Aufsätze sollen verdeutlichen – was bereits die Intention der Ausstellung gewesen war – »dass der Bauernkrieg weniger als ein einheitlicher Aufstand denn als ein Bündel situativ ausgehandelter Konflikte zu verstehen ist«. Um die Vielstimmigkeit der Akteure, die lokalen Handlungsspielräume und die sozialen und politischen Grauzonen zwischen Aufstand und Loyalität sichtbar werden zu lassen, widmen sich die Beiträge in exemplarischer Absicht ausgewählten Orten und Personen sowie spezifischen Quellengattungen. Das Vorwort enthält zudem eine Würdigung des Regionalhistorikers Johann Ottmar, dem grundlegende Forschungen zum Bauernkrieg zwischen Nordschwarzwald und oberem Neckar zu verdanken sind; diese sind in dem fünfseitigen Literaturverzeichnis dokumentiert, mit dem das Buch abschließt.

Der Reigen der Aufsätze beginnt mit einer kurzen Charakterisierung des Tübinger Vertrags von 1514 durch Joachim Jehn; mit diesem Abkommen sicherte sich Herzog Ulrich von Württemberg die Unterstützung der Landstände bei der Niederschlagung der bäuerlichen Protestbewegung des »Armen Konrad«. Anschließend porträtiert Johannes Waldschütz den Anführer des Bauernhaufens »vor dem Wald«, den Loßburger Söldner Thomas Mayer, der nach der Niederlage bei Böblingen gefasst und in Tübingen enthauptet wurde. Thomas Mayer war eine zentrale Figur der regionalen Bauernerhebungen und wird deshalb in den nachfolgenden Beiträgen immer wieder genannt. Dass sich auch die Untertanen des Klosters Alpirsbach gegen den Abt erhoben, weil sie die verschiedenen, ihnen auferlegten Abgaben nicht mehr zahlen wollten, mit ihrer Aktion aber letztlich scheiterten, beschreibt Stefan Zizelmann. Ähnliches gilt für das Kloster Reichenbach im Baiersbronner Tal, das von den Bauern des Schwarzwälder Haufens eingenommen und besetzt, aber nicht geplündert wurde. Die nachfolgende juristische Aufarbeitung belegt, dass es durchaus Spielräume gab, die Eskalation der Gewalt zu durchbrechen, wie Ruth Dörschels Fazit zu entnehmen ist.

Die nächsten Beiträge bleiben im Schwarzwald. In ihnen geht es – dargestellt durch Louis- David Finkeldei – um die Einnahme der württembergischen Amtsstadt Dornstetten durch den Schwarzwälder Haufen, um die beiden Burgen Hohendießen und Mandelberg im heutigen Landkreis Freudenstadt, die jahrhundertelang Symbole für Herrschaft, Zwang und Unterdrückung bildeten und die deswegen während des Bauernkriegs zum Ziel von Überfällen und Plünderungen wurden, wie Ute Ströbele ausführt, und schließlich um die Aufstände in Dornhan und Umgebung sowie um deren Niederschlagung. Dass die den betroffenen Orten diktierten Entschädigungslasten sehr hart waren, ist der Einschätzung von Armin Braun zu entnehmen.

Vom Schwarzwaldvorland in Richtung Neckar bewegt sich der Fokus in den dann folgenden Beiträgen. Nach einem kurzen Blick Cajetan Schaubs auf die Herrschaft Glatt geht es um die Stadt Sulz am Neckar, die sich den Aufständischen widersetzte, aber von den Bauern erobert wurde, wofür diese später bestraft wurden, allerdings recht milde, wie Johannes Waldschütz konstatiert. Der Verwüstung des am Neckar gelegenen Klosters Kirchberg widmet sich Yvonne Arras; sie rekonstruiert den Überfall anhand der Verhörprotokolle von Zeugen und Beteiligten, die während des Prozesses vor dem Rottweiler Hofgericht niedergeschrieben wurden. Alsdann geht es um die Ereignisse in Oberndorf (Johannes Waldschütz), über die in der Chronik der Grafen von Zimmern ebenso berichtet worden ist, wie über die Rolle der Stadt Rottweil (Rainer Pohler). Abschließend betrachtet Clemens Joos die ungleiche strategische Allianz, die Herzog Ulrich mit den Aufständischen einging, bis sie im Mai 1525 in Rottweil zerbrach; sie diente Ulrich von Anfang an nur als Mittel zu dem Zweck, sein Herzogtum wieder in Besitz zu nehmen. Am Schluss folgt eine Liste von insgesamt 182 Urfehden. Bei diesem Quellentyp handelt es sich um ein juristisches Instrument des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit: Wenn ein aus dem Gefängnis entlassener aufständischer Bauer schwor, dass er sich künftig rechtstreu verhalten und weder an der Obrigkeit noch an anderen Personen Rache nehmen würde, konnte er einem Gerichtsverfahren und damit einer möglichen harten Bestrafung entgehen. In der alphabetisch geordneten Liste sind unter jedem Namenseintrag soweit möglich vermerkt: Herkunft, Vergehen, Kategorien, Herrschaft, Empfänger, Strafe und heutiger Aufbewahrungsort der Urkunde. Mit Recht weisen Armin Braun, Rainer Pohler und Ute Ströbele darauf hin, dass die Urfehden wichtige personengeschichtliche Quellen darstellen, da sie in zahlreichen Fällen Informationen über Menschen enthalten, die ansonsten in den Geschichtsbüchern kaum vorkommen.

Ludger Syré

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