Titelbild eines Buches

Verderbt, verhörgt, verbrendt. Der Dreißigjährige Krieg …

Der Dreißigjährige Krieg zwischen Oberrhein, Schwarzwald und Kraichgau

Konstantin Huber (Hrsg.). (Der Enzkreis. Schriftenreihe des Kreisarchivs, Band 20) Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2024. 440 Seiten, zahlr. Abb. Hardcover 35 €. ISBN 978-3-7995-2097-3

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Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) war die Urkatastrophe des frühneuzeitlichen Deutschlands und der Südwesten bildete einer der Zentren dieses Krieges. Das Untersuchungsgebiet des Bandes war als eine der betroffenen Regionen der heutige Enzkreis mit Pforzheim und weitere benachbarte Gebiete.

Am 12./13. Juli 1622 wurden der Ort Ölbronn bei einem Einfall kaiserlicher Truppen vollständig zerstört und von rund 500 Einwohnern mindestens ein Fünftel umgebracht. Dieses Ereignis bildete den Anlass für ein großes Erinnerungsprojekt des Kreisarchivs des Enzkreises, das neben einer Ausstellung, der Publikation u.a. auch die Präsentation zahlreicher Quellen im Netz umfasst. Der Mensch und sein Schicksal, oder besser »Leid und Not« im Krieg, stehen im Mittelpunkt des von Kreisarchivar Konstantin Huber herausgegebenen Bandes, zu dem er und zehn weitere Autorinnen und Autoren die Beiträge verfasst haben. Die frühen Kriegsjahre bilden dabei einen Schwerpunkt des stark quellenbasierten Werks.

Der Band ist thematisch gegliedert. Nach einer Einführung durch den Herausgeber und einer allgemeinen Übersicht über den Bauernkrieg in Südwestdeutschland durch Eberhard Fritz folgen in »Orte und Regionen« geografisch fundierte Darstellungen. Uta Volz geht auf Pforzheim ein, das nach der Eroberung durch die Kaiserlichen 1634 Schlimmes durchmachen musste: Von 1634 auf 1635 kamen rund 43 Prozent der Bevölkerung ums Leben. Ein weiterer Beitrag der Autorin thematisiert das Schicksal des Gemmingischen Gebiets. Letzteres, südöstlich von Pforzheim gelegen, war eine katholische Enklave inmitten protestantischen Gebiets. Es ist ein Beispiel, dass manche Gegenden weniger unter den Kriegsauswirkungen litten.

Das Kapitel »Militär, Politik, Verwaltung« thematisiert vor allem den übergeordneten politischen Kontext. Der Beitrag von Gerhard Fritz zum württembergischen Landesaufgebot verdeutlicht, dass das damalige württembergische Militär nicht nur aus Söldnern bestand. Das Aufgebot setzte sich nämlich aus Untertanen zusammen, die zum Kriegsdienst verpflichtet waren und bei Bedarf einberufen wurden. Michael Weises Artikel über fremde Söldner bei den Geschehnissen in Ölbronn 1622 stellt die Wahrnehmung des Feindes ins Zentrum. So waren sowohl Kroaten als auch Kosaken, die ab 1619 von der kaiserlichen Seite angeworben worden waren, ethnisch gemischt. Dies erschwerte auf Opferseite oft die Zuordnung der Täter, so dass Kroaten und Kosaken häufig verwechselt wurden. Während Konstantin Huber die vergeblichen Bemühungen Württembergs um Neutralität schildert, thematisiert Nico Vincent Völkel mit dem Württembergischen Landgraben ein Verteidigungswerk im östlichen Enzkreis und dessen bescheidenen Nutzen. Franz Maier beschäftigt sich mit den bayerischen Ansprüchen auf Baden. Auf »Zerstörung und Plünderung« geht die folgende Rubrik ein. Dort kommt im Artikel über die Zerstörung Knittlingens (1632) und dessen Wiederaufbau (Uta Volz) ein weiterer Aspekt zum Tragen: die langwierige und mühevolle Entwicklung nach Kriegsende.

Das nachfolgende Kapitel wird hauptsächlich vom Herausgeber bestritten: »Leiden der Bevölkerung«. Er thematisiert mithilfe der Kirchenbücher zentrale Quellen zum Thema; in einem anderen Beitrag wird das »ambivalente Verhältnis « zwischen Militär und Zivilbevölkerung berücksichtigt. Ein weiterer behandelt mit der Pest und anderen Seuchen die häufigsten Todesursachen im Dreißigjährigen Krieg. Die Rolle des Hungers wird ebenso beleuchtet wie das Thema der Flucht.

In »Glaube und Konfession« steht der Aspekt des Glaubenskriegs im Zentrum. Mit Ausnahme eines Artikels von Ralf Fetzer über das Restitutionsedikt (1629) und dessen Folgen wird die Thematik auf der Ebene ihrer regionalen Erscheinungsformen behandelt.

Abgeschlossen wird der Band durch die Rubrik »Bilanz und Ausblick«. Hier werden die Verluste an Menschen und Gebäuden in Württemberg erörtert. Dabei findet neben der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung ab 1648 im Raum Pforzheim und im Gemmingischen Gebiet auch die Einwanderung aus der Schweiz, Österreich, aber auch von Soldaten, als Faktor des Bevölkerungswachstums Berücksichtigung.

Abgerundet wird der Band durch einen Anhang mit Literaturverzeichnis, Abbildungsnachweis sowie einem Personen- und Ortsregister.

Der vorliegende, schön gestaltete Band stellt eine beeindruckende Regionalstudie zu einem wichtigen Kapitel der europäischen Geschichte dar. Der Dreißigjährige Krieg ist aufgrund seiner Vielschichtigkeit ein schwierig zu greifendes Thema. Im vorliegenden Werk werden jedoch die unterschiedlichsten Aspekte durch gelungene Beiträge berücksichtigt und dank einer durchdachten Struktur überzeugend vermittelt. Die Erkenntnisse haben dabei nicht nur Bedeutung für die Regionalgeschichte, sondern auch für die allgemeine Geschichte, ist doch der Krieg ein soziales Phänomen, das zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Gegenden zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweist.

Christoph Florian

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