Titelbild eines Buches

Raphaela-Maria Wegers: Das Wohn- und Sammlungshaus Domnick in Nürtingen

Michael Imhof Verlag, Petersberg 2024. 233 Seiten, über 200 Abb., Hardcover 49,95 €. ISBN 978-3-7319-1410-5

Titelbild eines Buches

Dass diese Dissertation zum Haus des Kunstsammler-Ehepaars Ottomar und Greta Domnick in Nürtingen an der Universität Kiel angefertigt wurde, hängt damit zusammen, dass der Doktorvater Klaus Gereon Beuckers früher in Stuttgart gelehrt hat. Dass es ein schöner Band mit vielen Abbildungen geworden ist, liegt daran, dass der 1967 vom Architekten Paul Stohrer errichtete Bau mit seiner herausragenden Kunstsammlung 2017 in die Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten gelangte, die diese Publikation maßgeblich unterstützt haben. Nachdem die Autorin Raphaela- Maria Wegers die Entstehungsgeschichte nachgezeichnet, den Bau im Stil des Beton-Brutalismus beschrieben und in dem von Ursula Grammel bereits gut aufgearbeiteten Gesamtwerk des Architekten (der unter anderem am Stuttgarter Nachkriegs-Rathaus beteiligt war) verortet hat, konzentriert sich ihre Untersuchung vor allem auf die bautypologische Einordnung. Die Domnicks waren mit Willi Baumeister befreundet, sammelten früh herausragende abstrakte Künstler der Nachkriegszeit wie Hans Hartung, Fritz Winter und andere. Als ihre eigenen Räume zu eng wurden, stellten sie ihre Sammlung der Staatsgalerie als Dauerleihgabe zur Verfügung. Doch auf Dauer erwiesen sich die Interessen der Sammler und des Museums als nicht kompatibel. So kam es zum Bau des Hauses, das eine differenzierte Ausstellungslandschaft mit den eigenen Wohnräumen des Ehepaars verband.

Um festzustellen, ob es sich eher um ein Museum oder um ein Wohnhaus handelt, gibt Wegers zunächst einen Überblick über die Geschichte der Museumsbauten seit der Zeit Napoleons, Leo von Klenzes und Friedrich Schinkels bis in die 1960er- Jahre, dann vergleicht sie den Bau mit Wohnhäusern bekannter Architekten der Moderne. Die modulare Anordnung der Ausstellungsräume auf einem Quadratraster etwa findet sich ähnlich bei manchen Museumsbauten. Ungewöhnlich ist jedoch die Lichtregie mit dunklen Wänden, Oberlicht und Spot-Beleuchtung auf die einzelnen Kunstwerke. Gleichwohl gelangt die Autorin zu dem Schluss, dass es sich nicht um ein Museum mit angegliederten Wohnräumen handelt, sondern um eine freilich sehr geschlossene, in sich gekehrte Villa, um Ausstellungsräume erweitert – nicht zu vergessen, dass Domnick Cello spielte und in seinem Haus die eigenen Experimentalfilme vorgeführt hat – zu schweigen vom Porsche in der Garage. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Domnick ließ sich von Stohrer ein Wohnhaus bauen, großzügig erweitert um Räume für die eigene Kunstsammlung, Cellokonzerte und Filmvorführungen.

Ein Wohngebäude mit angeschlossenen Ausstellungsräumen: Das gab es, wenn man den Blick über die Moderne hinaus erweitert, schon früher, nämlich im Barock. Das berühmteste Beispiel in Deutschland ist das Schönborn-Schloss Weißenstein in Pommersfelden. So scheint es nur konsequent, dass das Wohn- und Sammlungshaus Domnick an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten übergegangen ist.

Dietrich Heißenbüttel

Views: 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert