zwei WIndmühlen

Zwischen Deich, Marsch, Moor und Geest

Zwillingsmühlen von Greetsiel | Bildhinweis: Ludger Kalkhoff, Krummhörn

Landschaft und Kultur im äußersten Nordwesten Deutschlands

Reise Nr. 23

Leitung: Prof. Dr. Hansjörg Küster und Dr. Bernd Langner

Abreise: Donnerstag, 4. August 2022
Rückreise: Dienstag, 9. August 2022 (6 Reisetage)

Abfahrt: 8.00 Uhr, Stuttgart-Weilimdorf, S-Bahnhof. Ihre Abholzeit mit dem Taxiservice entnehmen Sie bitte den Reiseunterlagen.
Zustieg: 8.30 Uhr “Parken und Mitnehmen” an der Autobahnausfahrt Heilbronn-Untergruppenbach (nur Hinfahrt)
Rückkehr: gegen 18.40 Uhr in Stuttgart Hauptbahnhof
unverbindliche Zeitangaben, Änderungen vorbehalten.

Kulturlandschaft ist ein solch umfassender Begriff und umschließt eine solch unglaubliche Vielzahl an Phänomenen, dass die Spurensuche nach kulturlandschaftlichen Besonderheiten in jeder Region unseres Landes Neues und Überraschendes hervorbringt. Für “Spurensucher” aus dem Südwesten ist eine Reise in den Norden ein riesiger Gewinn, weil sie ein Füllhorn an interessanten Landschaften, Haus- und Hofformen und auch Lebensformen vor uns ausschüttet. Auch Sprache und Religiosität spielen dabei eine wichtige Rolle, nicht zu vergessen die Nähe zum Meer, welche die Kulturlandschaft zwischen Wasser, Deich, Marsch und Geest bis heute in besonderem Maß prägt.

Die Reise ist ein Erlebnis! Sie nähert sich diesem Reichtum an Erscheinungen auf höchst intensive Weise mit kompetentem Blick wie durch ein Vergrößerungsglas. Wir werden Vieles erleben, das in Süddeutschland weitgehend unbekannt ist: Formen der Bewirtschaftung auf besonderen Böden, eigentümliche Ortsbilder, gewaltige Hofanlagen, ungewohnte Landschaftsbilder. Eine Besonderheit der Region ist das Saterfriesisch – eine Sprache (kein Dialekt!), die nur noch von Wenigen gesprochen wird, die aber ebenfalls zur Landschaft gehört. An einem Abend werden wir auch diesem Teil des lokalen Kulturerbes begegnen.

1. Tag: Anreise und erste Eindrücke: Fahrt mit dem Bus von Stuttgart ins Artland bei Quakenbrück, einem Teil des Oldenburger Münsterlandes. Dort bildet der Fluss Hase ein Binnendelta aus. Im Artland gibt es prachtvolle Bauernhöfe. Seit Jahrhunderten wurden Eschfluren aufgebaut, um den Boden zu verbessern. Weiterfahrt nach Cloppenburg. 3 Übernachtungen im Hotel Münsterländer Hof.

2. Tag: Großer Rundgang im Freilichtmuseum: Das Freilichtmuseum in Cloppenburg ist eines der größten und traditionsreichsten in Deutschland und bietet eine spannende Übersicht ländlicher Gebäude Nordwestdeutschlands. Als Besonderheit werden nicht nur Bauernhäuser präsentiert, sondern auch die dazu gehörenden Landschaften.

3. Tag: Die Geest – Hudewälder und Relikte aus der Jungsteinzeit: Die Geest besitzt, im Gegensatz zur Marsch, sandige oder gar steinige Böden, die von den Gletschern der Eiszeit abgelagert wurden. Die Sedimente stammen überwiegend aus Skandinavien. Die Wälder wurden durch weidendes Vieh aufgelichtet und damit zum Hudewald. Ein besonders beeindruckendes Beispiel besuchen wir am Baumweg. Die Geest ist zwar trocken und nicht sehr fruchtbar, aber die Böden lassen sich leicht bearbeiten, und das seit der Jungsteinzeit. Ebenfalls ein Highlight ist die Engelmannsbäke bei Ahlhorn: Hier befinden sich die größten und eindrucksvollsten Großsteingräber Deutschlands aus dieser Zeit. Sie bestehen aus Findlingen der Eiszeit: der Heidenopfertisch und der Visbeker Bräutigam. Anschließend besuchen wir das eisenzeitliche Pestruper Gräberfeld mit zahlreichen Grabhügeln. Das Gräberfeld ist von Heide bewachsen und wird von Heidschnucken offen gehalten, für die ein Schafstall in traditioneller Bauweise errichtet wurde. Am Ende des Tages besuchen wir Wildeshausen mit der beeindruckenden mittelalterlichen Alexanderkirche.

4. Tag: Das Emsland: Die Geest wird von einzelnen Flüssen durchzogen, unter anderem von der Ems. Sie ist ein besonderer Fluss, der ausschließlich durch eiszeitlich entstandene Sandgebiete verläuft. Zum Emsland gehören aber auch Geestgebiete und Nebenflüsse, unter anderem mehrere Bäche, die man Radde nennt. Wir besuchen die Hüvener Mühle, eine Kombination aus Wind- und Wassermühle. Bei Klein Berßen gibt es Überreste bäuerlich genutzter Niederwälder rings um weitere Großsteingräber. Eine besonders eindrucksvolle Hudewaldlandschaft ist das Borkener Paradies bei Meppen an der Ems. Eines der schönsten Jagdschlösser in Deutschland ist die barocke Anlage von Clemenswerth bei Sögel, das als gesamte landschaftliche Anlage beeindruckt. Durch das Börgermoor, eines der größten erhaltenen Moorgebiete, fahren wir über Papenburg nach Leer. Unterwegs sieht man eindrucksvolle baumlose Moore, die meist in den letzten Jahrhunderten kultiviert wurden, unter anderem durch die Fehnkultur. Aber auch KZ-Häftlinge mussten in Zwangsarbeit das Land trockenlegen. 2 Übernachtungen im Hotel Frisia in Leer.

5. Tag: Die Krummhörn: Eine völlig andere Welt als die Geest ist die Marsch, deren Böden als Ablagerungen der Nordsee entstanden. Die Böden sind außerordentlich fruchtbar, aber schwer zu bearbeiten. Eine der schönsten Marschlandschaften ist die Krummhörn zwischen Emden, der Stadt an der Ems, und Norden, der Stadt in Nordseenähe. Typisch für die alt besiedelte Marsch der Krummhörn sind geschlossene Dörfer, die auf Wurten entstanden: künstliche Hügel, auf denen sie vor den Nordseefluten geschützt waren, und zwar auch in einer Zeit, in der es noch keine Deiche gab. Fast kreisrund ist die Dorfwurt von Rysum. Große Gulfhöfe stehen kreisförmig um die Kirche. Um die Höfe zu bauen, brauchte man nur wenig Holz, das man importieren musste. Ziegel hingegen ließen sich aus der Klei-Erde der Marsch brennen. In der Kirche findet man die älteste Orgel Deutschlands. Sie stammt aus dem Mittelalter und kann noch immer gespielt werden. Zwischen den runden Dorfwurten liegen ehemals von Kaufleuten besiedelte Langwurten, zum Beispiel Groothusen. An den entgegengesetzten Enden der Langwurt stehen Burg und Kirche, die in Groothusen mit einem Turmschwan als lutherisch kenntlich gemacht ist. Nach dem Deichbau im hohen Mittelalter kam man mit Booten nicht mehr ins Landesinnere. Das Land wurde durch Siele im Deich entwässert, und an den Sielen entstanden Häfen. Einen dieser Sielhäfen besichtigen wir in Greetsiel, von wo wir auf die Nordsee blicken. Zum Schluss besuchen wir Norden, eine Geestrandstadt. Dort tauschte man die Güter der Marsch mit denen der Geest auf einem der größten Marktplätze in Deutschland. Am Markt steht die unvollendet gebliebene Ansgarikirche, die dennoch beeindruckende Ausmaße aufweist. In ihr gibt es eine berühmte Orgel des Meisters Arp Schnitger.

6. Tag: Das Ammerland und Heimfahrt: Alle wichtigen Orte im Ammerland, das wir auf der Rückreise besuchen, haben einen Namen, der auf -stede endet. Sie liegen durchweg auf dem Gestade des Geestrandes und konnten per Schiff erreicht werden. Sitz des Landkreises Ammerland ist Westerstede. Die lutherische Petrikirche trägt natürlich einen Turmschwan.

Dann bringt uns der Bus nach Hannover. Von dort aus Rückreise mit dem ICE nach Stuttgart Hbf.

Leistungen:

  • Taxiservice
  • Fahrt im modernen Reisebus
  • Rückfahrt von Hannover Hauptbahnhof nach Stuttgart Hauptbahnhof im ICE, 2. Klasse
  • fachlich qualifizierte Reiseleitung
  • 5 Übernachtungen mit Frühstück in Hotels der guten Mittelklasse, Zimmer mit Dusche/WC
  • 5 Abendessen in den Hotels oder in Restaurants
  • 1 Mittagessen im “Dorfkrug” im Museumsdorf Cloppenburg
  • Abendveranstaltung
  • ggf. Kurtaxen/Tourismusabgabe
  • alle Führungen
  • alle Eintrittsgelder

Preis:

€ 1.495,- pro Person im Doppelzimmer
€ 1.595,- pro Person im Einzelzimmer

Außer beim Frühstück sind Getränke zu den Mahlzeiten nicht im Reisepreis enthalten.

Zu Mindestteilnehmerzahl, Absagefrist und Gruppengröße siehe die Allgemeinen Hinweise

Versicherungen

(auf Wunsch buchbar, siehe Allgemeine Hinweise):
Reiserücktrittskostenversicherung € 58,– (DZ), 63,– (EZ) pro Person

4. Aug. 2022 bis 9. Aug. 2022, 8:00-20:00

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