Operngebäude

SHB: Einbau einer Kreuzbühne technisch für den Opernbetrieb nicht notwendig

Die Südwestseite des historischen Opernhauses soll zum Einbau einer neuen Bühnentechnik möglicherweise um eine Achse verlängert werden. Dagegen wendet sich der SHB. (Foto: wikimedia/Schlaier, lizensiert unter CC BY-SA 3.0, Link)

(Zur Sanierung der Stuttgarter Oper | SHB-Pressemitteilung vom 16.8.2022)

Der Schwäbische Heimatbund hat sich nochmals intensiv mit Experten zum Bau einer Kreuzbühne im Stuttgarter Opernhaus beschäftigt: Ergebnis: Der Bau einer Kreuzbühne und damit ein massiver baulicher Eingriff in das denkmalgeschützte Opernhaus sind verzichtbar.

  1. Die Notwendigkeit einer Kreuzbühne beantwortet sich beim Vergleich mit anderen großen Opernhäusern. Die Dresdner Oper hat bei­spiels­weise nachträglich beim Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch beidseitige Verbreiterung des Bühnenraums eine Kreuz­bühne bekommen. Der Grund lag einzig und alleine darin, dass die Dresdner Oper eine Zwischenlagerung der Kulissen brauchte, weil diese dort per LKW aus einem Kulissengebäude angefahren werden müs­sen. Die Vergrößerung des Bühnenraums war deshalb zwingen not­wen­dig. Ähnlich waren die Verhältnisse beim Wiederaufbau der eben­falls zerstörten Berliner Oper. Andere Opernhäuser wie Mailand oder München haben keine Kreuzbühne, weil dort andere Raumverhältnisse bestehen, ähnlich wie in Stuttgart. Der Unterschied der Stuttgarter Oper zu Dresden und Berlin ist, dass sie über ein großes angrenzendes Ku­lis­sengebäude verfügt, das sie schon allein unstrittig aus städte­bau­li­chen Gründen baulich verändert werden muss. Durch eine bessere technische Verzahnung von Kulissengebäude nach gleichzeitigem Umbau der Hinterbühne und Erweiterung der Seitenbühne Nord kann das Stuttgarter Operngebäude auch bühnentechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Nur ergänzend sei darauf hingewiesen, dass mit dem zukünftigen Einsatz der Virtual-Reality-Technik weniger Kulis­sen als Hardware gebraucht werden und zusätzlich Robotik einen schnel­leren Kulissenwechsel ermöglicht. Würde eine Kreuzbühne ge­baut, die dann in ca. 15 Jahren zur Verfügung steht, wäre es eine Inves­ti­tion in eine Technik von gestern.
  2. Ohne gezielte Boden-, Wasser-, Substanz- und Trag­werk­un­ter­su­chun­gen kann keine seriöse Kostenaufstellung für einen Anbau zum Zwecke einer Kreuzbühne an das Operngebäude durchgeführt werden. Eine Ent­scheidung für den Anbau ohne diese Untersuchung wäre grob fahr­läs­sig. Ein unnötiges finanzielles Abenteuer, das sich schnell von derzeit angenommener zweistelliger Millionenhöhe in dreistellige Millionenhöhe erhöhen kann, kann dem Steuerzahler in wirtschaftlich schwierigen Zei­ten nicht mehr zugemutet werden.
  3. Der Wunsch nach der technisch nicht notwendigen und finanziell aben­teu­erlichen Kreuzbühne kommt aus dem besonderen Umstand eines Zwei­spartenhauses. Im Wettbewerb zwischen Ballett und Oper möchte jede Sparte möglichst eine geräumte Bühne haben. Das ist nach­voll­zieh­bar, kann aber aus den erwähnten Gründen auch ohne den geplan­ten schwerwiegenden Eingriff in die historische Substanz der das Büh­nen­haus seitlich begrenzenden Bauteile (Hinterbühne und Seitenbühne Süd) realisiert werden. Eine offene, zielführende Diskussion innerhalb der Leitungsebene wäre wünschenswert.  

Zu diesem Thema hatte der Schwäbische Heimatbund bereits im Mai 2019 ein Positionspapier zu den Stuttgarter Kultureinrichtungen und der Umgestaltung der Konrad-Adenauer-Straße veröffentlicht.

Kontakt

Prof. Dr. Albrecht Rittmann, stv. Vorsitzender
0711 8385605
buero.dr.rittmann@t‐online.de

Schwäbischer Heimatbund
Weberstraße 2
70182 Stuttgart

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2 Kommentare

  1. Ich bin dankbar, dass der SHB das Thema Kreuzbühne aufnimmt. Die Begründung der Ablehnung überzeugt mich; die notwendigen Begleitmaßnahmen (Anbau, Erweiterung des Baudenkmals) wären verheerend. Wertvoll der SHB-Vorschlag zum Kulissengebäude!

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