Christoph Wilhelmi: Ein Schwabe in Berlin.

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Christoph Wilhelmi: Ein Schwabe in Berlin.

Ein bisher unbekanntes Porträt des Astronomen Johannes Stöffler aus Justingen

Dieser Text erschien in unserer Zeitschrift Schwäbische Heimat, Ausgabe 2011/4. Es handelt sich um eine gekürzte Fassung des Beitrages aus »Porträts der Renaissance«, Hintergründe und Schicksale, von Christoph Wilhelmi im Reimer Verlag Berlin 2011. ISBN 978-3-496-01432-4

In der Gemäldegalerie Berlin hängen zahlreiche charakteristische Porträts. Zu bedauern ist, dass von manchen Personen weder der Name des Dargestellten, noch die Lebensgeschichte bekannt sind. So wüsste man gern, wer eigentlich der etwas abweisend in die Ferne blickende «Astronom» vom Anfang des 16. Jahrhunderts (Nr. 2201) ist. Man kann annehmen, dass das Porträt in Venedig entstanden ist. Leider sagt die Herkunft des Gemäldes nichts darüber aus. So ist man darauf angewiesen, Hinweise aus dem Gemälde selbst herauszulesen.

Uhr an einer Fassade

Die astronomische Uhr von Johannes Stöffler am Tübinger Rathaus aus dem Jahr 1511. Sie wurde 1876 in den Giebel versetzt (Foto: Helmut Schmitt, Ulm).

Der konzentriert Blickende in schlichter dunkler Kleidung scheint ein Wissenschaftler zu sein. Er wird nicht in voller Größe gezeigt, sondern lehnt als Halbporträt auf einer Brüstung. Die sachliche Kühle des Bildes wird rechts durch einen Fensterausblick gemildert, der über eine bewaldete Hügellandschaft bis zu einem höheren Berg am Horizont schweift. Solche Fensterausblicke sind ein relativ typisches Element in Renaissanceporträts um 1500.

Dass es sich bei dem Mann um einen Astronomen handelt, belegt die mit der Linken fast demonstrativ gehaltene Armillarsphäre, deren Weiterentwicklung in die Zeit der Entstehung des Bildes fällt. Auch von Albrecht Dürer gibt es aus dem Jahr 1525 eine Zeichnung der Armillarsphäre. Im Gemälde enthält das Instrument im Zentrum den blauen Planeten. Mit diesem Gerät, das seit der Zeit um 1000 in Europa bekannt und von den Arabern übernommen worden war, ließen sich die Stellungen der Planeten und der Sterne bestimmen, aber auch die Entfernungen von regelmäßigen Körpern messen, schreibt Irmlind L. Herzner.

Die Frage ist nun: Wer aus dieser damals gerade in Mode gekommenen Berufsgruppe könnte es sein? Um 1500 waren die Berufsbilder nicht so streng voneinander abgegrenzt wie heutzutage. Insofern kommen auch Personen in Frage, die ihren Lebensunterhalt vornehmlich aus den sehr gefragten astrologischen Gutachten bezogen.

Suche im Porträt der Berliner Gemäldegalerie: Der Buchstabe S und griechische Textzeile

Das Gemälde unterscheidet sich von den vielen zeitgleichen, weil es in der Brüstung, für den Augenschein wie eingemeißelt, in trompe-l’oeil-Art eine Textzeile in Griechisch aufweist, die der Maler aber orthographisch nicht ganz exakt wiedergegeben hat. Berichtigt und transkribiert lautet sie: s epigenomenois (den Nachfahren). Doch dabei hinge das vorausgehende S (Sigma) vom Sinn her in der Luft. Bislang hatte sich dafür keine Lösung angeboten. Man fragt sich auch: Welche Nachgeborenen sind damit angesprochen? Die Allgemeinheit schlechthin? Auf diese Frage wusste man bisher keine Antwort.

Um aus der Stagnation zu kommen, wird hier ein Vorschlag skizziert. Da sich das Sigma nicht ignorieren lässt, wäre es als Kürzel für einen Eigennamen denkbar. Dieser müsste so prominent gewesen sein, dass zur Bezeichnung der Anfangsbuchstabe schon genügte.

Folgen wir dieser Fährte, ist nach einem Astronomen, dessen Namen mit dem Buchstaben ´S´ beginnt, Ausschau zu halten. Leider findet sich im Katalog von M. L. King (Hg.) «Venetian Humanism» kein passender Name in Venedig, ausgenommen Marco Sanuto, Politiker und Kaufmann, aber auch Autor einer Sterntafel. Doch dieser wurde um 1445 geboren und Cariani erst 1485. Bei dem Altersabstand kommt er als Porträtist Sanutos nicht in Betracht. Auch der aus Karlstadt stammende Johannes Schonerus ist zwar als Autor astronomischer und astrologischer Literatur und durch seine Erdund Himmelsgloben bekannt, doch hielt er sich um 1504 als Kaplan in Bamberg und später als Professor für Mathematik 1526 bis 1546 durchgehend in Nürnberg auf. Bei beiden fehlt auch die technische Komponente. Demnach sollte der Kreis größer gezogen werden.

Von den durch Veröffentlichungen noch bekannten Astronomen der Renaissance, die sich dezidiert mit der Armillarsphäre beschäftigten, rückt somit ein Name nach vorn: Johannes Stöffler (10. 12. 1452–16. 2. 1531 Blaubeuren). Die Urformen wurden im Altertum und zwar in Platos Akademie in Athen entwickelt. Dass dies so ist (und dem Astronomen wohl bekannt), mag den Porträtierten bewogen haben, seinen uns etwas geheimnisvoll erscheinenden Hinweis auf Griechisch abzufassen. In diesem Fall könnte dem ´S´ der Inschrift ein Sinn gegeben werden: als Namensbeginn. Doch beherrschte Stöffler diese Sprache?

Stöffler, 1472 in Ingolstadt immatrikuliert, hat als Kleriker seine Bücher in humanistischem Latein abgefasst und drucken lassen. Sein Biograf, Gerhard Betsch, attestiert ihm: Stöffler schrieb ein sauberes Latein. Aber in seinen Werken zitierte er auch griechische Passagen fehlerfrei. Betsch folgert daraus: Stöffler hatte solide Grundkenntnisse des Griechischen.

Apparatur ähnlich wie ein Himmelsglobus

Johann Wagner: Armillarsphäre, 1540. Ähnlich muss man sich die Armillarsphäre von Johannes Stöffler vorstellen (Foto: Germ. Nationalmuseum, Inv.Nr. WI 1167).

Das war durchaus nicht für alle Humanisten zutreffend, vor allem wenn sie statt der Philologie mehr den Naturwissenschaften zuneigten. So scheidet z. B. im Wettbewerb der Astronomen, die den Buchstaben ´S´ am Namenanfang tragen, der prominente Michael Stifel (um 1487 in Esslingen geboren) aus, da er des Griechischen nicht mächtig war. Aber von Stöffler ist bekannt, dass er sich mit dem Werk des Ptolemaios, der die Bezeichnung Astrolabium erfand, auseinander gesetzt hat; er hielt in Tübingen Vorlesungen darüber, die noch erhalten sind. 1534 erschien seine Jahre zuvor angefertigte Übersetzung der «Sphaera» des Proclos. Außerdem gab Stöffler die «Ephemerides» von 1482 bis 1518 heraus, ebenfalls ein griechischer Titel.

Buch in der Hand: zwei Werke über Astrolabien – Stöffler baut Himmelsgloben und astronomische Uhren

Stöffler definierte sich offensichtlich von seinen Arbeitsresultaten her. Sieht man in der bisherigen Gedankenkombination einen ersten Schritt, wäre der zweite das auf der Brüstung liegende Buch. Es handelt sich wohl um ein druckfrisches, wertvoll gebundenes Buch. Leider ist es geschlossen, sodass man keine Rückschlüsse auf den Inhalt bzw. Titel ziehen kann. Seine Rechte hält es betont fest. Mit dieser Geste unterstreicht er seine Autorschaft.

Für Stöffler als Porträtierten spricht, dass er zwei Werke über das Astrolabium verfasste: «Elucidatio fabricae ususque Astrolabii», 1513, und «De dimensione per astrolabium & quadrantem». Ausgebildet seit 1472 an der damals neu gegründeten Universität Ingolstadt war er dort mit der neuen Wiener mathematischen Schule des Regiomontanus und Georg Peuerbach bekannt geworden, blieb aber seit 1477 Pfarrer.

Obendrein war er erfolgreicher Instrumentenbauer, der Gehilfen in eigener Werkstatt beschäftigte. Ein Exemplar seines Himmelsglobus von 1493 verwahrt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg.

Stöfflers Werkstatt, obwohl im abgelegenen Justingen, heute Stadtteil von Schelklingen auf der Schwäbischen Alb, hatte einen solchen Ruf, dass sich sogar Kaiser Maximilian I. 1507 dorthin auf den Weg machte, um sie und Stöffler in Augenschein zu nehmen. Stöffler bedankte sich für diese Ehre, indem er 1518 sein «Calendarium Romanum magnum» dem Kaiser widmete. Ebenfalls 1507 hatte ihn sein Landesherr Herzog Ulrich von Württemberg für die 1477 gegründete Universität Tübingen angefordert.

Da Stöffler ein breites Arbeitsfeld vorweisen konnte, beteiligte er sich auch an der Harmonisierung des Julianischen Kalenders. Sein Ruf reichte bis nach Rom, weswegen ihn Papst Julius II. als Experten heranzog, als dieses Thema auf dem fünften Lateran-Konzil 1512 bis 1517 diskutiert wurde. Im «Calendarium Romanum magnum» von 1518 wird Stöffler daher als Coelestis Astronomiae Professor (…) in Tubinga (…) Mathematicus Disciplinas doctus gebührend herausgestellt. Verbindungen nach Italien bestanden demnach.

Doch wie kommt ein venezianischer Künstler dazu, einen schwäbischen Theologen zu porträtieren? Denkbar wäre, dass Stöffler tatsächlich nach Rom gerufen wurde; leider gibt es darüber keine Unterlagen mehr. Aber der Vatikan verfügt über ein Exemplar seiner «Elucidatio …» von 1530.

Stöffler hat ein langes Leben geführt, nursind heute nicht mehr als etwa zehn wesentliche Vorgänge seines Lebens noch durch Dokumente zu belegen. Darunter ist nur eine Reise nach Konstanz verzeichnet. Der Mangel an Informationen liegt an dem bedauerlichen Umstand, dass nach Stöfflers Tod das Sapienzhaus in Tübingen vollkommen abbrannte, in dem sich der gesamte und umfangreiche Nachlass des Wissenschaftlers befand.

Doch so ortsgebunden, wie man sich die Menschen im ausgehenden Mittelalter vorstellt, waren sie durchaus nicht. Man denke an die Künstler- und Humanistenreisen Nürnberger Bürger, darunter Albrecht Dürer und Willibald Pirckheimer. Nur ist man im Fall Stöffler auf Mutmaßungen angewiesen. Ein gewichtiges Argument: Stöffler konstruierte 1493 Himmelsgloben; er baute – sehr erfolgreich – astronomische Uhren wie die am Tübinger Rathaus, die kürzlich ihr 500-Jahr-Jubiläum feiern konnte. Bekannt sind noch die beiden Uhren für Konstanz 1496 und 1499 sowie die für Ulm. Bei den für die Seefahrt sehr gefragten, verbesserten Astrolabien könnte es durchaus sein, dass die Serenissima ihn nach Venedig eingeladen hat.

In Venedig, um des Arabischen willen? Porträt von Cariani des 48-Jährigen?

Johannes Stöffler ist wohl eher aus eigenem Antrieb nach Venedig gereist. Am Reisegeld kann es ihm nicht gemangelt haben. So erzielte – zum Vergleich – sein Nachfolger auf dem Tübinger Lehrstuhl, Philipp Ims(s)er, durch den Nachbau eines Uhrwerks mit dem Lauf der Planeten, ohne dessen Erfinder zu sein, 700 Gulden von Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz. Außerdem hatte Stöffler vermutlich vor, in der Handelsmetropole Kunden für seine Geräte zu finden. Durch seine Publikationen kam das Interesse an seinen Instrumenten erst richtig in Gang.

Darüber hinaus ist denkbar: Stöffler wollte unbedingt Arabisch lernen, um die orientalische Fachliteratur für seine Zwecke auszuwerten. So kam für ihn nur die Stadt des Orienthandels in Frage. Venedig druckte, neben Fano, als eine der ersten Städte arabische Bücher. Also hielten sich Araber dort auf. Zudem ist belegt: In Stöfflers Publikationen finden sich korrekt wiedergegebene arabische Zitate. Zu erwägen wäre auch, dass er eine Weile Lektor und/oder Übersetzer in einer der Druckwerkstätten dort gewesen ist, die Übersetzungen aus dem Arabischen publizierten. Solche Funktionen nahmen auch andere Humanisten wahr, sogar Erasmus von Rotterdam bei Froben in Basel. Zu datieren wäre der Aufenthalt auf jeden Fall vor 1504 und 1506, da in diesen Jahren in Venedig Stöfflers Almanache erschienen; 1506 folgte bei dem Drucker Petrus Liechtensteyn in Venedig die Fortsetzung der «Ephemerides» für die Jahre 1507–1531. Seine Hausmarke bzw. Verlagssignet ist sogar mit drei Astrolabien geschmückt.

Weiterhin ist zu fragen: Um welche Zeit könnte Stöffler eine solche Geschäftsreise unternommen haben? Hält man Stöffler für den mutmaßlichen Kandidaten des Cariani-Porträts, so ließe sich das Datum leicht errechnen. 1452 wurde Stöffler geboren. Auf dem Gemälde ist erstaunlicherweise das Alter des Astronomen zur Zeit des Malvorgangs in römischen Ziffern angegeben. Direkt lesbar ist die unrealistische Zahl XIVIII. Allgemein geht man von XLVIII aus, was bedeutet, dass der Porträtierte 48 Jahre alt ist. Die Angabe eines Datums würde sehr gut zu einem Zahlenfanatiker, wie es ein Astronom sein muss, passen, ergibt sich doch aus dem Geburtsdatum plus 48 die Zahl 1500. Dies war auch das Jahr, in dem seine «Tabulae astronomicae» verfasst wurden, die 1514 in Tübingen erschienen.

Einschränkend darf nicht verschwiegen werden, dass dieses Datum den Kunsthistorikern Schwierigkeiten bereitet, da somit ein etwa Fünfzehnjähriger den Astronomen gemalt hätte. Doch für die Lebenszeit des Malers gibt es lediglich Vermutungen, da man das Geburtsjahr Carianis gar nicht kennt. Möglicherweise liegt eben sein Geburtsdatum etwas früher. Diese Problematik kann in diesem Zusammenhang jedoch nicht geklärt werden.

Andere Gemälde, Kupferstiche und Holzschnitte – Keine völlige Identifizierung, aber plausible Projektion

Mann im Profil

Unbekannter Künstler: Johannes Stöffler. Titelholzschnitt der «Ephemerides», 1533 (Foto: Universitätsbibliothek Tübingen).

Die Universität Tübingen unterhält seit alters her eine Professorengalerie. Darin ist auch Johannes Stöffler vertreten mit einem aus dem Jahr 1614 stammenden Gemälde eines unbekannten Malers. Er vermittelte eine durchschnittliche Physiognomie. Immerhin sprechen eine lange, gerade Nase und horizontale Schließlinie des Mundes für eine Übereinstimmung mit Carianis Porträt. Auch auf dem Tübinger Porträt hält Stöffler ein Buch.

Außerdem hat der Buchdruck ein Porträt Stöfflers überliefert, das in einer Kupferstichversion und einer Holzschnittvariante überliefert ist. Letztere ist als Frontispiz in den «Ephemerides» veröffentlicht worden. Beide sind wohl zwei Jahre nach Stöfflers Tod entstanden und zeigen ihn im Rechtsprofil als alten Mann mit eingefallenem Mund. Sie sind nur bedingt als authentisch anzusehen. Stöffler wurde wahrscheinlich ein Opfer der damals grassierenden Pest. Dazu ist 1966 ein interessanter Aufsatz von Eugen Neuscheler in der Zeitschrift «Attempto» erschienen. Auch diese Porträts nennen sein Alter und geben es mit 79 Jahren an. Aber sind sie schon vor seinem Ableben gefertigt worden?

Trotz der unterschiedlichen Sichtweise lohnt es sich, das Gemälde und die Grafiken zu vergleichen. Das Halbprofil des Gemäldes weist eine hohe Stirn auf. Diese lässt sich in den Grafiken nicht nachweisen, da Stöffler das übliche Gelehrtenbarett trägt, das tief in die Stirn reicht. Ein Vergleich der Nasen ergibt: Beide sind lang und in der Mitte mit einer leichten Erhöhung versehen. Die Schließlinie des Mundes ist in beiden Fällen horizontal und bestätigt einen entschlossenen Menschen. Wieder hält die Rechte im Holzschnitt ein liegendes Buch, ähnlich wie im Gemälde, d.h. er war ein Mann, der stolz auf seine Veröffentlichungen war. Die Kleidung variiert: In den Grafiken trägt der Porträtierte einen Professorentalar (seit 1507 bzw. 1511 lehrte er öffentlich an der Universität Tübingen); im Gemälde ist er nicht höfisch, sondern als Kleriker gekleidet, aber nicht als solcher der untersten Kategorie, denn er kann sich zwei Ärmelaufschläge aus Pelz leisten. Auf jeden Fall lässt sich daraus schließen, dass das Gemälde vor 1507 entstanden sein muss, da um die Zeit seine Anwesenheit am Neckar erforderlich war. Er gab sogar seine Pfründe deswegen auf.

Kommen wir auf die in der griechischen Inschrift erwähnten Nachfahren zurück. Wohlgemerkt: Er nennt nicht Kinder oder Verwandte. Als Kleriker besaß er keine Familie, und man kann daraus schließen, dass er tatsächlich zölibatär gelebt hat, weil er nicht von verwandten Personen schreibt. So kommen nur seine Schüler für diese Bemerkung in Frage. Davon besaß er eine ganze Anzahl. Beachtlich daran ist, dass es nicht namenlose Studenten waren, sondern spätere Kapazitäten: Hubertus Barlandus, Philipp Melanchthon und Sebastian Münster sowie sein Nachfolger am Katheder, Philipp Im(s)ser. Schwierigkeiten dabei macht da nur die oben erzielte Datierung des Bildes auf 1500, denn Stöffler lehrte erst ab 1507 öffentlich – übrigens in kostenfreien Vorlesungen, weil der Herzog Wert darauf legte, dass Stöfflers Kenntnisse weite Verbreitung erhielten. Doch liegt es nahe, dass die Genannten und andere Interessenten schon vorher bei Stöffler in privaten Kolloquien hospitierten (vgl. die Schilderung von Zedler). Auch erhielt er viel Besuch, sogar von Prominenz, wie wir wissen.

Bei einer so lückenhaften Aktenlage wie im Fall Stöffler ist eine in Dokumenten nachweisbare Identifizierung nicht möglich. Wir müssen uns mit einer Projektion begnügen, die plausibel ist, mit Indizien behelfen. Die vorliegenden Indizien haben sich immerhin zu einem Mosaik zusammensetzen lassen und ermöglichen so eine Annäherung an einen sehr bedeutenden Wissenschaftler um 1500. Im Zuge der Identifizierung ist durch das Gemälde von Cariani ein namhafter Gelehrter in unser Bewusstsein zurückgekehrt – jedenfalls visuell.

[Literaturhinweise finden sich in der gedruckten Fassung des Aufsatzes.]