Hat der Schwäbische Heimatbund eine Zukunft?

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Hat der Schwäbische Heimatbund eine Zukunft?

Bericht über den Zukunftskongress am 24. März 2018

Ausgehend von einem Beschluss der Mitgliederversammlung 2017 fand in Esslingen ein vereinsweiter Zukunftskongress statt. Hier wurden die Ergebnisse mehrerer Zusammenkünfte von fünf Arbeitskreisen zu verschiedenen Themenfeldern vorgestellt, Arbeitsgruppen gebildet, deren Vorschläge und Ideen präsentiert und in zwei Plenumssitzungen diskutiert.

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Alle Mitglieder und Freunde des Schwäbischen Heimatbundes sind eingeladen, sich auch nach diesem Kongress an der Zukunftsdiskussion um den SHB zu beteiligen und durch aktive Mitarbeit zu helfen, dass dem Mitgliederschwund Einhalt geboten werden kann und die Wahrnehmung des Heimatbundes wieder gesteigert werden kann.

Zukunftskongress des Schwäbischen Heimatbundes am 23.4.2018

Als der unter der Überschrift »Zeitlos aktuell? Wo steht der Schwäbische Heimatbund heute – und wo in 20 Jahren?« abgehaltene Kongress am späten Samstag-Nachmittag zu Ende ging, hatten die über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch einige wenige Nicht-Mitglieder waren der Einladung gefolgt) acht Stunden lang diskutiert, Vorträgen und Statements gelauscht, an fünf Arbeitsgruppen und zwei Plenumssitzungen teilgenommen und zahlreiche Ideen und Gedanken für die Präsentationstafeln und Protokolle beigetragen.

Welches Fazit kann am Ende gezogen werden? Zumindest hatte sich gezeigt, dass Mitgliederversammlungen für solche Fragen nicht ausreichend Raum bieten. Die Ergebnisse des Esslinger Kongresses hätten allerdings womöglich eine noch stärkere Aussagekraft, wenn die allermeisten Teilnehmer nicht nur aus der Großregion Stuttgart gekommen wären, sondern auch aus Oberschwaben, vom Oberen Neckar oder aus dem Fränkischen, weil genau dort eines der Probleme, mit denen man sich im Verein zu befassen hat – das zunehmende Nachlassen von Regionalgruppenaktivitäten – am deutlichsten zu verspüren ist.

Begrüßung – Einführung – Statements

Die Tagung eröffnete der Vereinsvorsitzende Josef Kreuzberger mit einem Appell an den Kongress, bei allem, was an Forderungen und Vorschlägen vorgebracht würde, immer auch an die personellen und finanziellen Möglichkeiten zur Verwirklichung zu denken. Vieles, das der Verein derzeit unternehme, ist durch die Unterstützung von Sponsoren gesichert. Ein Wegfall der Projekte würde daher keine Mittel für andere Aktivitäten freisetzen. Eine neue Mitmachkultur im SHB schließe die aktive Zuarbeit auf allen Ebenen ein. Zugleich räumte er aber auch ein, dass der Schwäbische Heimatbund an der Konjunktur, die das Thema Heimat derzeit erfährt, nicht ausreichend partizipiere. Die öffentliche Wahrnehmung des SHB sei nicht schlecht, müsse aber befördert werden, obwohl der Heimatbund in der Gesellschaft nach wie vor hoch anerkannt sei und als Partner gesucht werde. Er verwies darauf, dass vieles Wünschenswerte aufgrund einer schwierigen Finanzsituation vor einigen Jahren aufgeschoben werden musste, dass die wirtschaftliche Lage des Vereins derzeit jedoch die Realisierung einiger zukunftsträchtiger Ideen erlaube. Er dankte ausdrücklich dem Hohenstaufenkreis – einem freien Zusammenschluss engagierter Mitglieder, die im Vorfeld in Arbeitsgruppen viele Aktionsfelder diskutiert und vorgebracht hatten (siehe dazu Heft 2018/1).

Für diesen Kreis brachte Bettina Montag einleitenden Gedanken vor. Sie hob hervor, dass der Mitgliederschwund einer der wesentlichen Gründe für den Zusammenschluss war. Außerdem bemängelte sie mangelnde Unterstützung durch die Vereinsführung gegenüber den Orts- und Regionalgruppen, wodurch eine zunehmende Distanz zu diesen Vereinsorganen und eine Stuttgartlastigkeit entstanden sei. Von den 17 Orts- und Regionalgruppen des Vereins seien derzeit nur noch wenige wirklich aktiv. Dies müsse ein Weckruf an die Vereinsführung sein, die Gruppierungen vor Ort stärker zu unterstützen. Der Hohenstaufenkreis fordere zudem, dass der Verein deutlicher auf alle Teile der Bevölkerung zugehen müsse, keine Berührungsängste haben dürfe und auch einmal Kontroversen wagen müsse. Zugleich müsse über die Vereinsstruktur diskutiert und auch der Vereinsname auf den Prüfstand gestellt werden. Man strebe weiter eine Vernetzung und Kooperation der Regionalgruppen untereinander an.

Die inhaltliche Steuerung des Tages wurde Jobst Kraus übertragen – früherer Studienleiter der Akademie Bad Boll und insbesondere in den Themenfeldern Umwelt und Nachhaltigkeit gefragt und engagiert. Herr Kraus formuliert es als das grundlegende Ziel des Kongresses, unterschiedliche inhaltliche Strömungen und daraus resultierende Zielkonflikte innerhalb des Schwäbischen Heimatbundes wahrzunehmen und daraus Neues zu schaffen. Dazu wolle er als Moderator beitragen. Schon zu Beginn gab er mit einigen strukturierenden Vorschlägen den Rahmen vor. So hielt er die Arbeitsgruppen des Nachmittags dazu an, als Ergebnis ihrer Zusammenkünfte dem Plenum maximal drei bis vier Präferenzen für die weitere Vereinsarbeit vorzustellen.

Herr Kraus übergab das Wort an den Kulturwissenschaftler und Redakteur der Schwäbischen Heimat Prof. Dr. Friedemann Schmoll für dessen Vortrag Heimat und Beheimatung – Herausforderungen für den Heimatbund, worin er einige grundlegende Gedanken zum thematischen Umfeld des Kongresses und dessen Fragestellungen beleuchtete, aber auch auf die Geschichte und Aufgabenstellung des Heimatbundes einging (der Vortrag ist in Heft 2.2018 der Schwäbischen Heimat abgedruckt).

Anschließend stellten die Sprecher der fünf Arbeitsgruppen, die sich seit der Mitgliederversammlung 2017 gebildet hatten, die Ergebnisse ihrer Diskussionen und Zusammenkünfte vor, wie sie in ähnlicher Form bereits in Heft 1.2018 der SH dargestellt worden waren und hier zum Herunterladen zur Verfügung stehen:

Berichte aus den Arbeitsgruppen

Für den Arbeitskreis »Selbstverständnis/Leitbild« stellte Dr. Alois Kapfer (Vorsitzender des SHB-Ausschusses für Naturschutz und Umwelt) fest, dass das Thema des Arbeitskreises für den gewünschten Erneuerungsprozess zentral sei. Dieser Prozess müsse auf demokratische Art und Weise zur Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses durch die Mitglieder führen. Nach Ansicht des Arbeitskreises sei das bestehende Selbstverständnis bisher sehr knapp gehalten, bzw. nicht offen kommuniziert worden. Er vertrat die Meinung, der Vorstand spiegele derzeit nicht die Vereinsstruktur wider, seine Entscheidungen seien nicht transparent, und es fehle eine Diskussionskultur. Aus Sicht des Arbeitskreises müsse ein neues Selbstverständnis in zwei Teilen formuliert werden: (a) Der SHB müsse nach außen als ganzheitlicher Querschnittsverein auftreten; und es müsse (b) nach innen stärker als bisher ein offenes, respektvolles Vereinsleben stattfinden. Ämter im Vorstand und in den Ausschüssen müssten künftig nicht mehr durch Berufungen, sondern demokratisch besetzt werden, eine Teilhabe der Mitglieder sei unerlässlich.

Der Arbeitskreis »Vereinsstruktur« strebt nach dessen Sprecher Prof. Dr. Eberhard Roos (Vorstandsmitglied der SHB-Regionalgruppe Nürtingen) eine Modifikation der Vereinssatzung an. Dadurch solle eine Optimierung aller Abläufe, eine bessere Vernetzung der Vereinsorgane, eine verstärkte Mitwirkung aller Mitglieder und mehr Transparenz und Offenheit ermöglicht werden, auch im Hinblick auf die Gewinnung neuer Mitglieder und Sponsoren.

Die Vorschläge des Arbeitskreises »Öffentlichkeitsarbeit/Kommunikation« stellte Prof. Dr. Uwe Beck (Vorsitzender der SHB-Regionalgruppe Nürtingen) vor: Ziel des Arbeitskreises sei eine Verbesserung der öffentlichen Wirkung des Vereins, um den Mitgliederschwund zu stoppen und eine inhaltliche und organisatorische Stärkung des Vereins zu erreichen. Das Leitbild solle geändert werden, um nicht mehr v.a. als bewahrend, sondern auch als gestaltend erkannt zu werden. Als geeignete öffentlichkeitswirksame Maßnahmen werden unter anderem die Verbesserung des Internetauftritts mit Kommunikationsforen, eine verstärkte Präsenz in den regionalen und überregionalen Medien, die Unterstützung der Pressearbeit der Regionalgruppen durch die SHB-Geschäftsstelle und die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit für bestehende Projekte des Hauptvereins (insbesondere Preise und Wettbewerbe) angesehen. Zudem wurde eine weitere Verbreitung der Vereinszeitschrift Schwäbische Heimat, auch als Werbeträger, angeregt. Die Vereinsarbeit müsse wieder stärker in der Fläche stattfinden und sich nicht allein auf den Mittleren Neckarraum beschränken. Dies würde auch die Bindung der Mitglieder fördern.

Für den Arbeitskreis »Vereinsname (Schwäbischer Heimatbund)« erläuterte dessen Sprecher Fritz Deppert (Vorsitzender der SHB-Regionalgruppe Herrenberg-Gäu), dass die Vermittlung des Vereinsnamens häufig schwierig sei und Erklärungsbedarf mit sich bringe. Der Arbeitskreis sei sich allerdings bewusst, dass eine Änderung auch Nachteile mit sich bringe. Eine eventuelle Namensänderung sei abhängig von den Ergebnissen der Diskussionen über das Leitbild und die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Arbeitskreis »Finanzen und Modernisierung« habe sich nach dessen Sprecher Christoph Schulz (Bürgermeister von Ostrach) bisher vor allem der Einnahmesituation zugewandt. Es sei über die Höhe des Mitgliedsbeitrages diskutiert worden und darüber, wie man die Erträge aus dem Reisebetrieb steigern könne. Die Möglichkeit von Spendenaufrufen für bestimmte Projekte sei ins Auge gefasst worden, ebenso habe man die Themen Erbschaften und Fundraising angesprochen. Eine weitere Verbreitung der Zeitschrift Schwäbische Heimat sei anzustreben, wobei erkannt wurde, dass ein Vertrieb über Kioske auch steuer- und gemeinnützigkeitsrechtliche Probleme mit sich bringen könnte. Auf der Ausgabenseite sei über die Forderung diskutiert worden, zehn Prozent der Mitgliedsbeiträge an die Regionalgruppen abzuführen.

In der Diskussion gab eine Teilnehmerin zu bedenken, dass viele SHB-Mitglieder nicht in einer Orts- oder Regionalgruppe aktiv seien, weil sie sich bereits in örtlichen Geschichtsvereinen engagieren. Vor der Gründung neuer SHB-Gruppen möge deshalb zunächst der Kontakt zu den vorhandenen Vereinen zum Zweck der Kooperation gesucht werden. Zur Finanzierung der Regionalgruppen wurde aus der Mitte einer bestehenden Gruppe angemerkt, dass dort kein zusätzliches Budget benötigt würde und eine Grundfinanzierung nicht erforderlich sei.

Ergebnisse der Arbeitsgruppensitzungen in Esslingen

Nach dem gemeinsamen Mittagessen teilte sich die Tagung auf fünf Diskussionsrunden auf. Der Arbeitskreis »Vereinsname« wurde dabei um den Aspekt Mitgliederwerbung erweitert. In der anschließenden Plenumssitzung wurde über die Ergebnisse aus den Gruppen berichtet. Wie von Moderator Jobst Kraus vorgeschlagen konzentrierten sich die Arbeitskreise auf die ihnen jeweils am vordringlichsten erscheinenden Aspekte. Die Ergebnisse, Ideen und Vorschläge in Stichworten:

Arbeitskreis Finanzen

Arbeitskreis Selbstverständnis

In der Diskussion wird ergänzend angeregt:

Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Arbeitskreis Vereinsstruktur

Der Arbeitskreis legt mehrere Änderungsvorschläge zur Satzung vor – insbesondere:

Ein im Vereinsrecht kompetenter Rechtsanwalt, der unter den Teilnehmern der Arbeitsgruppe war, bot an, die Änderungsvorschläge – etwa hinsichtlich der Gemeinnützigkeit oder weiterer Fragen – zu prüfen, bevor sie der Mitgliederversammlung zum Beschluss vorgelegt werden.

Arbeitsgruppe Vereinsname »Schwäbischer Heimatbund«

Plenumsdiskussion

Nach den Berichten aus den Arbeitskreisen fasste zunächst Moderator Jobst Kraus die Ergebnisse der Diskussionen zusammen. Hierbei unterstrich er die aus seiner Sicht wichtigen Punkte Gründung eines Finanzausschusses, Einrichtung ehrenamtlicher Stellen eines/einer Nachlass- sowie eines/einer Kooperationsbeauftragten, Beibehaltung des Vereinsnamens sowie Erstellung einer Themen- und Referentenliste für Orts- und Regionalgruppen. Schatzmeister Dr. Karl Epple begrüßte die Entscheidung, die Orts- und Regionalgruppen projektbezogen zu unterstützen. Dies sei praktikabler als eine Pauschale. Zur Frage der stärkeren Darstellung von Ortsgruppenaktivitäten in der Schwäbischen Heimat gab Prof. Friedemann Schmoll zu bedenken, dass sich bei einer solchen Berichterstattung sehr häufig Wiederholungen ergeben. Dasselbe gelte für eine Kinder- und Jugendseite. Aus dem Plenum wird dennoch von verschiedener Seite betont, dass man sich Gedanken machen müsse, wie junge Leute für die Themen des Heimatbundes motiviert werden können.

Aus dem Teilnehmerkreis wurde weiter angeregt, vor der Erstellung neuer Flyer und Informationen das Vorhandene genau anzusehen. Auch eine Definition der Zielgruppen und eine Schärfung des Profils wurden angemahnt. Auch Studierende sollten angesprochen werden. Es wäre allerdings stets zu fragen, wie sich potentielle Mitglieder thematisch einbringen können; ein Projektbezug müsse jeweils gegeben sein. In einer Wortmeldung wird empfohlen, die Effizienz von Projekten am Mitgliederzugewinn zu messen. Als Themen, denen sich der SHB und sein Vereinsorgan Schwäbische Heimat stärker zuwenden sollten, werden unter anderem Landflucht – Metropolisierung, Stadt- und Baukultur, Stadtbildsatzung und Landschaftsverbrauch genannt.

Weitere Schritte

Abschließend stellte Jobst Kraus, der den Tag unter Einsatz moderner Präsentationstechniken geschickt gesteuert hatte, die entscheidende Frage: Wer nimmt denn nun welche Aufgaben in die Hand? Welche Schritte sollten folgen? Diese Aspekte waren in den Arbeitsgruppen ein wenig in den Hintergrund geraten. Vorsitzender Josef Kreuzberger empfahl deshalb, die Ergebnisse der Tagung zunächst zu dokumentieren und in der Schwäbischen Heimat bzw. auf der Vereinshomepage darüber zu berichten. Darüber hinaus schlug er vor, noch vor der Mitgliederversammlung im Juni 2018 bei einem gemeinsamen Termin zwischen Vereinsführung und Vertretern der Arbeitsgruppen die Tagungsergebnisse zu bewerten und über Umsetzungsmöglichkeiten zu sprechen. Nicht alles mache Beschlüsse der Mitgliederversammlung im engeren Sinn erforderlich. Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung. Zugleich mahnte er als Grundvoraussetzung für ein gedeihliches Vorankommen nochmals die kollegiale Zusammenarbeit aller Gruppierungen im Verein an.

Abschließend dankte Herr Kreuzberger allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung sowie den schon im Vorfeld der Tagung Aktiven für die Mitarbeit, Ideen und Anregungen. Besonders sprach er Jobst Kraus seinen Dank für die Moderation aus. Er begrüßte dessen Ankündigung, eine Dokumentation jener Stichworte, Anmerkungen und Anregungen zusammenstellen, die er im Laufe des Tages zusammengetragen hatte.