Neckarstaustufen und Bonatz-Bauten bedroht

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Neckarstaustufen und Bonatz-Bauten bedroht

Der Ausbau der 27 Neckarschleusen für 135-Meter-Schiffe und der Umbau der Wehre gefährden ein Kulturdenkmal

Resolution des Schwäbischen Heimatbundes (Dezember 2009)

Nachdem der Ingenieur Otto Konz bereits ab 1920 die Grundlagen für das Projekt gelegt hatte, wurde im Jahr 1927 der bedeutende württembergische Architekt Paul Bonatz mit der Gestaltung der geplanten Staustufen betraut, die der Ausbau des Neckars für die Großschifffahrt erforderte. Die Überlegungen, die er angesichts dieser enormen Herausforderung anstellte, fasste Bonatz so zusammen: Das verlockende Problem war hier, dem Notwendigen seinen klaren Ausdruck zu geben, das technisch Bedingte in voller Reinheit darzustellen, also ohne Beiwerk... Tatsächlich ist dem Architekten so ein Meisterwerk gelungen, und längst ist die in mehreren Bauphasen realisierte Bundeswasserstraße Neckar in ihrer Gesamtheit ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

Staustufe am Fluss

Die Schleuse Gundelsheim, im Hintergrund die Stadt und Schloss Hornberg mit dem Turm.

Seit dem Jahr 2008 verfolgt das Amt für Neckarausbau aus verkehrspolitischer Sicht das Projekt, die Neckarstaustufen um- und auszubauen. Dabei sollen insbesondere die Schleusenkammern des Neckars von 105 auf 140 Meter verlängert werden, um sie auch für Schiffe mit einer Länge bis zu 135 Metern tauglich zu machen. Zudem soll auch die automatische Regelung der Neckarwehre ermöglicht werden. Vorgesehen dafür ist ein weitgehender Neubau des vorhandenen Bestands an Wehranlagen. Technisch möglich ist aber auch deren behutsame Sanierung.

Deshalb fordert der Schwäbische Heimatbund, die Staustufen des Neckars, die aufgrund ihrer landschaftsbezogenen Gestaltung ein zeittypisches und deshalb einmaliges Kulturdenkmal darstellen, behutsam so umzubauen, dass der Charakter und die technische Eigenart der Flussbauten so weit wie möglich erhalten bleiben. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit es technisch möglich ist, die historische Substanz der Neckarstaustufen zumindest in wesentlichen Teilen zu erhalten.

In hohem Maß haben sich die Architekten der Anlagen bemüht, jeder der Staustufen mit gezielter Materialwahl (Sandstein, Muschelkalk, Beton, Backstein) ihr individuelles Gesicht zu geben und sie damit auf die umgebende Landschaft abzustimmen. Diese Eigenart darf nicht den Gesetzen der Wirtschaftlichkeit und dem technischen Fortschritt geopfert werden. Deshalb muss bei Maßnahmen an den Bauten des Neckarkanals ebenso auf die architektonische Qualität geachtet werden, wie es vor achtzig Jahren für Otto Konz und Paul Bonatz selbstverständlich gewesen ist.