Den Grundschulen unseres Landes droht die Heimat-Ferne!
Resolution zur geplanten Novellierung der Prüfungsordnung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
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Dem Schwäbischen Heimatbund ist die Heimatpflege an unseren Schulen ein besonderes Anliegen. Deshalb wenden wir uns gegen die Pläne der Landesregierung, den Heimat- und Sachunterricht ab Herbst 2003 nicht mehr als eigenständiges, fächerübergreifendes Studien- und Prüfungsfach in der Ausbildung von Grundschullehrerinnen und -lehrern auszuweisen.
Künftig soll der Heimat- und Sachunterricht nicht mehr interdisziplinär, sondern nur noch im Rahmen eines reinen Fachstudiums abgehandelt werden. Ziel dieser „Universitarisierung“ der Pädagogischen Hochschulen ist es, den Einsatz von künftigen Grundschullehrern an den Hauptschulen zu erleichtern. Auf Kosten der pädagogischen Qualität der Grundschulen soll damit der Lehrkräftemangel an den Hauptschulen verringert werden.
Die daraus resultierenden Veränderungen vertreiben das Thema „Heimat“ fast gänzlich aus den pädagogischen Hochschulen und drängen es in den Grundschulen an den Rand der Auf-merksamkeit.
Bisher erfolgt der Heimat- und Sachunterricht fächerübergreifend. Dadurch werden die Studierenden an den Pädagogischen Hochschulen des Landes veranlasst, sich mit ihrem Heimatverständnis und den verschiedenen Heimatbegriffen auseinander zu setzen. Die Verpflichtung zum Besuch von sozialwissenschaftlichen Seminaren führt „Naturwissenschaftler“ an Landschaftsformen oder an historische Themen unseres Landes heran, die „Sozialwissenschaftler“ erwerben Kenntnisse über die heimische Fauna und Flora oder über technische Leistungen.
Dies wird es, ebenso wie auch die wichtige praktische Ausbildung an den Schulen im Heimat- und Sachunterricht, künftig wohl nicht mehr geben. Grundlegende oder gar breite Kenntnisse zu unserem Bundesland werden wir von den Absolventen nicht mehr erwarten können, eine Heimat-Ferne der Studierenden für das Lehramt an Grundschulen ist damit vorprogrammiert.
Pädagogen aber auch Politiker legen aber, nicht zuletzt auch nach den Ergebnissen der Pisa-Studie, großen Wert auf fächerübergreifenden und heimatbezogenen Unterricht an unseren Grundschulen, der sich mehr an Themen als an Fächern ausrichten soll. Kinder im Grundschulalter wollen breit erkunden und erforschen und nicht in Fachkorsette gezwängt werden. Dies wird auch im neuen Bildungsplan, der zum Schuljahr 2004/2005 in Kraft treten soll, formuliert. Dass dies von Lehrerinnen und Lehrern bewerkstelligt werden kann, die sich an der Pädagogischen Hochschule einem klar gegliederten Fachstudium unterwerfen müssen wird vom Schwäbischen Heimatbund stark bezweifelt. Wer heimatbezogene Themen und Projekte in der Grundschule anbieten soll, muss damit in der Ausbildung vertraut gemacht werden. Wie sollen Lehrkräfte die Heimat der Kinder zum Unterrichtsthema machen, wenn in ihrem Studium das Thema Heimat überhaupt nicht behandelt wird?
Die im Heimat- und Sachunterricht erworbenen Kenntnisse sollen es den Kindern ermöglichen, zu mündigen und kreativen Bürgern heranzuwachsen, die sich für ihre Umwelt und die Entwicklung des Landes verantwortlich fühlen und die am Gestaltungsprozess der Gesellschaft teilnehmen. Angesichts einer in Herkunft und Nationalität vielfältig zusammengesetz-ten Schülerschaft leistet der Heimatkundeunterricht an den Schulen aber auch einen wichtigen Beitrag zu Integration und Verständnis untereinander.
Gerade von politischer Seite her werden Verantwortungsbewusstsein und Kreativität der Bürger sowie ihre Heimatverbundenheit und die daraus resultierende Toleranz gegenüber Menschen anderer Herkunft gerne als positiver Standortfaktor Baden-Württembergs genannt. Die Mitglieder des Schwäbischen Heimatbundes sind der Ansicht, dass Lehrerinnen und Lehrer heute mehr denn je ein klares Selbstverständnis und ein ausgesprochenes Heimatbewusstsein benötigen, um diese Ziele zu erreichen.
Aus den genannten Gründen fordert der Schwäbische Heimatbund die Landesregierung von Baden-Württemberg auf, die geplante Novellierung der Prüfungsordnung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen nicht umzusetzen und damit das Fach und die Ausbildung seiner Lehrkräfte zum Thema „Heimat“ in ihrem bisherigen Stellenwert zu erhalten.
(Juni 2003)
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