Mitgliederversammlung 2011 der Ortsgruppe Tübingen
Die Ortsgruppe Tübingen des Schwäbischen Heimatbunds hielt ihre Mitgliederversammlung zum ersten Mal im eigenen Hause ab. Das Haus Haaggasse 26b, in dem sich der Club Voltaire befindet, gehört seit letztem Jahr dem Heimatbund und er wird dieses Kulturdenkmal mitten in der Altstadt denkmalgerecht sanieren und restaurieren. Die Mittel dazu stammen aus dem Nachlass von Dr. Peter Helge Fischer.
Lesen Sie mehr über die Erfolge der Ortsgruppe auf der Seite zur Schmidmaier-Rube-Stiftung.
Der Vorsitzende Frieder Miller konnte über weitere Projekte berichten, die diese Erbschaft ermöglichte. Der Reuchlinlöwe am Gebäude Bursagasse 4 bleibt durch einen Abguss erhalten, das restaurierte Original kam ins Stadtmuseum. Im Sommer wurde die von der Stadt wieder hergestellte Aussichtsterrasse am Lichtenbergerweg der Öffentlichkeit übergeben. Der Heimatbund beteiligte sich am Neubau einer Pergola. Das Maale, ein steinerner Erbärmdechristus aus der Unterstadt, konnte mit Unterstützung des Heimatbunds erworben werden und verbleibt nun restauriert im Stadtmuseum. Miller würdigte dabei die Verdienste des Mitglieds Pfarrer Martin Schupp, dessen jahrzehntelange Recherchen die Odyssee dieser mittelalterlichen Plastik beendete und ihre Rückkehr ermöglichte. Schließlich konnte auch noch das Grab des Germanisten und Dialektforschers Prof. Dr. Hermann Fischer auf dem Stadtfriedhof restauriert und frisch angelegt werden. Hieran hat sich auch der Verein Schwäbischer Dialekt e.V. beteiligt.
Die Bürgerinitiative Wilhelmvorstadt/Universitätscampus, die zu wesentlichen Teilen von Mitgliedern der Ortsgruppe getragen wird, konnte zwar einige Erfolge verzeichnen, ein entscheidender Durchbruch ist aber noch nicht gelungen. Es scheint sicher zu sein, dass die Mensa nicht abgebrochen wird. Eine vom Finanzministerium in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie besagt, dass eine Sanierung und Weiternutzung als Mensa nicht teurer wäre als Abriss und Neubau. Die Universität will aber eine neue Mensa, obwohl dazu noch der Teilabbruch der denkmalgeschützten Alten Physik käme.
Zur Arbeit der Bürgerinitiative erschien im Mai 2011 in der Schwäbischen Heimat (Heft 2.2011) ein ausführlicher Artikel von Andreas Feldtkeller und Christoph Melchers über Universitätsplanung in Tübingen – ein Lehrstück zur Bürgermitarbeit. Eine Kopie dieses Artikels in Form einer pdf-Datei erhalten Sie über den Vorsitzenden der Tübinger Ortsgruppe Frieder Miller.
Nach dem Kassenbericht von Prof. Henner Mergenthaler und dem Votum der Kassenprüfer wurden Vorstand und Schatzmeister einstimmig entlastet. Für den letztes Jahr in den Vorstand aufgerückten Stadtarchivar Udo Rauch wurde Frau Gabriele Huber in den Beirat nachgewählt.
Die trockenen Regularien erfrischte ein Vortrag von Professor Franz Quarthal über Tausend Jahre Weinbau am oberen Neckar und noch mehr die köstlichen Proben aus der Region. Einst gehörte der Weinbau zu den prägenden Elementen der Kulturlandschaft. Das edle Getränk kam mit den Mönchen ins Land. Zunächst kultivierten die Klöster ihre Reben in der Ebene. Erst im 13. Jahrhundert kletterte der Weinbau aus dem Tal und wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Rottenburgs und Reutlingens Wohlstand gründete auf dem Weinhandel. Nachweislich seit dem Jahr 1580 kam der Niedergang des Rebensaftes und Bier und Most traten ihren Siegeszug entlang des Neckars an. Inzwischen werden im Kreis Tübingen wieder 30 ha Rebenfläche gepflegt. Von deren köstlichen Erträgen konnten sich die Mitglieder nach dem Vortrag überzeugen. Sechs verschiedene Weine stellte der Wengerter Richard Müller aus Unterjesingen zum Ausschank bereit. Das könnte es öfters geben!
Frieder Miller
