Sanierung der Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen

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Sanierung der Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen

Station auf dem Jakobsweg

SHB-Repräsentanten und die Pfarrerin vor der Kirche

Der Schwäbische Heimatbund Kirchheim hat bei Aktivitäten und Veranstaltungen des Vereins Geld gesammelt, das nun zur Sanierung der Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen beitragen soll. Franz Horky und Ruth Müller-Kneile (rechts) vom Schwäbischen Heimatbund trafen sich vor der Jakobskirche mit Pfarrerin Ute Biedenbach, um ihr die Spende in Höhe von 500 Euro zu übergeben.

Der Weiler Bodelshofen, der kleinste Stadtteil von Wendlingen, an einem Südhang gelegen, hat sich, nicht zuletzt durch die verhaltene Bebauung der letzten Jahrzehnte einen besonderen Charme bewahrt. Hier traf sich im April 2005 zu einer Nachmittagsveranstaltung die Kirchheimer Regionalgruppe des Schwäbischen Heimatbundes. Ziel war das dortige Jakobuskirchlein, das den zahlreichen Teilnehmern von Renate Treuherz ausführlich vorgestellt wurde.

Auf einem kleinen Plateau zwischen dem am Hang gelegenen Weiler und den Auwiesen der Lauter gelegen, zeichnet sich das von einem kleinen Friedhof umgebene gotische Sankt Jakobus-Kirchlein schon durch seine bevorzugte Lage aus. Das heutige Kirchlein geht auf das Jahr 1105 zurück, die Anfänge reichen aber bis in die karolingische Zeit hinein. Untersuchungen aus dem Jahr 1964 lassen sogar vermuten, dass auf diesem Platz schon in keltischer Zeit ein Heiligtum stand.

Die kleine Jakobuskirche war das ganze Mittelalter hindurch Sammelstelle für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Hier konnten die Pilger Andacht halten vor dem Fresken-Zyklus über die Passion Christi, der im Jahre 1964 bei der Totalrenovierung entdeckt wurde. Die ausdrucksstarken, sorgfältig restaurierten Bilder lassen durch Ähnlichkeiten des Malstils mit datierbaren Bildern der Kirche in Schwieberdingen auf eine Entstehungszeit zwischen 1420 und 1430 schließen.

Neben diesen bedeutenden Wandbildern aus dem Spätmittelalter weist das Jakobskirchlein noch vier bemerkenswerte Glasfenster des Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf. Das älteste Fenster auf der Südseite des Chorraums aus dem Jahre 1953 zeigt vier Gleichnisse Jesu. Das Christusfenster auf der Ostseite des Chors von 1986 stellt vier Ereignisse aus dem Leben Jesu dar. Auf der Nordseite befindet sich das Jakobsfenster aus dem Jahre 1988. Es zeigt neben der Jakobsmuschel je zwei Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und soll auf die verkündende Tätigkeit des Apostels Jakob hinweisen. Das jüngste Fenster über dem Eingangsportal zeigt ein Bildmotiv aus der Apokalypse: Der Erzengel Michael tötet den Drachen und schützt dadurch Mutter und Kind. Die Glasmalereien der Moderne ergänzen in wunderbarer Weise die Wandbilder des Mittelalters und hinterlassen mit diesen bei dem Betrachter einen nachhaltigen Eindruck.

Der vor allem im Mittelalter hoch geschätzte Brauch der Jakobspilgerschaft findet auch in unserer Gegenwart wieder große Beachtung. Viele Jakobswege, die im Mittelalter wie ein engmaschiges Netz Europa durchzogen, werden zur Zeit wieder neu entleckt und auch wieder begangen. So ist auch Bodelshofen wieder Station auf dem neu ausgeschilderten Pilgerweg von Rothenburg ob der Tauber nach Rottenburg am Neckar, wovon ein kleiner Wegweiser mit dem gelben Muschel-Stein-Symbol auf blauem Grund an der Straße vor dem Jakobskirchlein beredt Zeugnis ablegt.

Sanierung der Jakobskirche Wendlingen-Bodelshofen.

(von Gaby Kiedaisch, Nürtinger Zeitung 30.9.2005)

Die Sorge, dass bei der Sanierung der Jakobskirche doch mehr herauskommt, als bisher angenommen, hat sich als berechtigt erwiesen. Die Feuchtigkeit, die nach ersten Betrachtungen lediglich in einem Teil des Mauerwerks erwartet worden war, wurde in allen Wänden festgestellt. Außerdem weisen auch die tragenden Holzpfeiler von der Empore feuchte Stellen auf.

Nach dem Ausbau des teilweise wurmstichigen Gestühls, des vom Pilz befallenen Podests, der feuchten Holzverkleidung und nach Freilegung des Mauerwerks ist das Ausmaß der Schäden an der historischen Kirche doch größer als zunächst erwartet. Die Feuchtigkeit hat sich in allen vier Wänden festgesetzt. Zum Glück, muss man sagen, ist die Feuchtigkeit noch nicht bis in die Seccomalereien vorgedrungen.

Vor negativen Überraschungen ist man bei alten Gemäuern nie sicher, das hat sich einmal mehr auch in dem Bodelshofer Kleinod aus dem 12. Jahrhundert gezeigt. Weshalb man zu einem früheren Zeitpunkt Holzbalken in den Betonboden unter dem Podest eingemauert hat, die jetzt beim Ausbau zum Vorschein gekommen sind, kann sich niemand erklären. Das hat uns sehr überrascht, sagte Kirchenpflegerin Elisabeth Hartmann bei der Besichtigung. Die Balken sind inzwischen entfernt. Bevor der Boden eingeebnet wird, soll das Austrocknen des feuchten Mauerwerks mit einem Trocknungsgerät beschleunigt werden. Doch ob man das zu Hilfe nehmen darf, muss erst noch mit dem Denkmalamt abgeklärt werden. Außerdem muss der Kirchengemeinderat entscheiden, ob beim Einebnen des Untergrunds die teurere Variante angewandt werden soll oder ob man daran doch sparen muss. Denn bei knapp 100 Gemeindemitgliedern in der zweitkleinsten Kirchengemeinde Württembergs sind einige 1000 Euro mehr oder weniger eine beträchtliche Summe, auch angesichts von überschaubaren Rücklagen, die nicht mehr als 10000 Euro ausmachen. Da nun feststeht, dass die Schäden doch größer sind, werden die geschätzten Sanierungskosten von bislang 22 000 Euro bei weitem nicht ausreichen. Jetzt geht das für die Sanierung zuständige Architekturbüro Essig von rund 5000 Euro Mehrkosten aus. Darin noch nicht enthalten sind die Kosten, die die teurere Sanierungsvariante für den Boden ausmachen würde.

Verfault sind auch teilweise die tragenden Säulen der Empore. Eine Stütze ist im unteren Bereich schon so porös, dass nichts anderes übrig bleibt, als sie in diesem Bereich abzunehmen und das herausgesägte Stück zu ersetzen. Bei den beiden anderen Säulen muss diese Prozedur auch angewandt werden, obwohl sie noch stabiler sind, aber durch die Feuchtigkeit arg gelitten haben.

Als Manko hat sich in dem Kirchenraum die fehlende Luftzirkulation herausgestellt. Sie ist im Wesentlichen die Ursache dafür, dass sich das Raumklima verschlechtert hat und die Feuchtigkeit am Mauerwerk hinaufgekrochen ist. Auch ist die Lage der Kirche am Hang nicht optimal, da das Grundwasser von hier in die darunter liegende Lauter fließt. Außerdem steckt die Nordwand der Kirche mehr als einen halben Meter im Boden.

Aus Rücksicht auf den Denkmalschutz muss bei der Sanierung behutsam vorgegangen werden. So verbietet es sich, einfach durch die Außenwand des alten Gemäuers eine Öffnung zu bohren, um damit eine Querlüftung durch den Kirchenraum bis Emporentüre zu erreichen. Damit die Luft in der Kirche dennoch zirkulieren kann, müssen die Architekten erfinderisch werden. Um das Problem zu lösen, kommt deshalb nur noch die Eingangstür in Frage, in die vermutlich ein Gitter eingesetzt werden kann.

Durch die unvorhergesehenen Schäden wird sich die Fertigstellung der Kirche voraussichtlich um zwei Wochen nach hinten verschieben. Bis in der Kirche wieder ein Gottesdienst gefeiert werden kann, werden vermutlich noch fünf Wochen ins Land ziehen. Damit könnte Anfang November die Kirche wieder bezogen werden.

Spenden

Umso dringlicher ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen. Für die Sanierung der Jakobskirche hat die Evangelische Kirchengemeinde ein Spendenkonto eingerichtet: Evangelische Kirchenpflege Bodelshofen, Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (BLZ 61150020), Konto: 48901154.