Festakt 100 Jahre Bezirksgruppe Heilbronn

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Festakt 100 Jahre Bezirksgruppe Heilbronn

Nur ein Jahr nach der Gründung des Bundes für Heimatschutz in Württemberg wurde 1910 in Heilbronn eine Bezirksgruppe des heutigen Schwäbischen Heimatbunds gegründet. Ein trefflicher Anlass, um in feierlicher Runde zurückzublicken. Auch der Festort hätte kaum besser gewählt werden können. Das Schießhaus ist nicht nur einer der wenigen verbliebenen Heilbronner Rokokobauten, sondern war, ob seines geplanten Abrisses zugunsten einer Straße, bereits 1930 Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen der Bezirksgruppe und der Stadtverwaltung beziehungsweise dem Gemeinderat, wie Ulrich Frey, 1. Vorsitzender der Bezirksgruppe, in seiner Begrüßung anmerkte. Letztendlich verhinderte Geldmangel den Abriss des Schießhauses, die Dokumente des Schlagabtausches sind aber heute noch willkommene Belege der Arbeit der Bezirksgruppe vor dem Zweiten Weltkrieg.

Deren Wirken war stets mit den Namen prominenter Heilbronner Bürger verbunden, zuvorderst mit dem von Peter Bruckmann, Industrieller, Präsident und Vizepräsident des Deutschen Werkbundes bis zu dessen Auflösung 1934 und nicht zuletzt treibender Motor der Neckarkanalisierung. Ausführlich dargestellt ist die Rolle Bruckmanns in der Geschichte der Bezirksgruppe Heilbronn des Schwäbischen Heimatbunds, die der stellvertretende Vorsitzende Dr. Joachim Hennze anlässlich des Jubiläums verfasst hat.

Heute hat die Bezirksgruppe 257 vorwiegend ältere Mitglieder, wovon zehn aktiv an der Vorbereitung und Ausführung der Veranstaltungen, Tagesfahrten und Studienreisen beteiligt sind, die den Schwerpunkt der Arbeit der Gruppe darstellen. Vor diesem Hintergrund stellte Vorsitzender Ulrich Frey auch Fragen nach der Zukunft des Vereins: Was können wir heute und in Zukunft tun, um dem Zweck des Schwäbischen Heimatbunds gerecht zu werden? Müssen wir unser Programm verändern? Wie können wir unsere Mitgliederstruktur verändern? Wie können wir Mitmenschen zum Mitmachen anregen? Der festlichen Stimmung tat diese Nachdenklichkeit keinen Abbruch, denn das seit hundert Jahren Geleistete ist allemal eine große Anerkennung wert, die auch der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach in seinem Grußwort ausdrückte: In Zeiten von globalisiertem Konsum und Billigfliegern ist es umso wichtiger, den Bezug zur Heimat zu fördern und zu festigen, sagte Himmelsbach und zeigte sich beeindruckt von dem Veranstaltungskalender der Bezirksgruppe, der diesen Bezug auf hohem Niveau aufs Beste herstellt, und zu dem das Stadtoberhaupt herzlich gratulierte.

Ganz in diesem Kontext stand der Vortrag von Prof. Karl Ganser, Leiter der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park von 1989 bis 1999. Wie entsteht gute Architektur?, fragte Ganser und zeigte pointiert, wie sich schlechte, weil unmaßstäbliche und regional wie landschaftlich bezugslose Baukunst sowie eine bürgerunfreundliche Planungskultur ihre eigenen Widerstände in der Bevölkerung schafft. Ganser plädierte für eine Verfahrenskultur, die Bürger und Experten einbindet, und die mit Architektenwettbewerben nach der besseren Lösung sucht. Dafür brauche es Stadtbauräte, die diesen Namen auch verdienen, und eine politische Klasse, für die die ernstgemeinte Suche nach Alternativen für ein umstrittenes Projekt kein Zeichen von Schwäche sei. Als Akteur bei der Suche nach der besseren Lösung sieht Prof. Ganser auch den Schwäbischen Heimatbund, der seit seiner Gründung nicht als Verhinderer von Entwicklung stehe, sondern sich um eben diese bessere Lösung bemüht und weiter bemühen sollte. Mit Blick auf die berufliche Herkunft vieler Vereinsmitglieder aus dem öffentlichen Dienst provozierte Ganser ein wenig mit der Frage: Wie unabhängig sind Sie?

Eine Frage, die Fritz-Eberhard Griesinger gerne in seinem Schlusswort aufnahm und seine Antwort am Stichwort der Verfahrenskultur festmachte. Nach wie vor ist der Schwäbische Heimatbund mit seinen Zielen und seinen Aktivitäten an der Zukunft unseres Landes interessiert, sagte Griesinger und fügte hinzu: Gerade die gestaltende Mitwirkung bei der Suche nach der guten Lösung verbietet die plakative Darstellung. Die Bezirksgruppe Heilbronn habe aktuell mit der von Dr. Joachim Hennze erarbeiteten, vielbeachteten Initiative für den Erhalt der Proportionen bei den Umbauten im Zuge der geplanten Verlängerung der Neckarschleusen gezeigt, dass sich eine solche Vorgehensweise lohne. Auch Griesinger gratulierte im Namen aller Mitglieder, der Geschäftsstelle und des Vorstandes der Heilbronner Bezirksgruppe zum gelungenen Jubiläum.

Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die außerordentlich hörenswerten Gesangseinlagen von Elisabeth Bayer, Karolin Leucht und Annebärbel Pfeiffer, die mit einer Mischung aus präziser Intonation und Harmoniegefühl die rund hundert Gäste aufs Beste mit Volksliedern erster Güte unterhielten und Lust auf anregende Gespräche beim abschließenden Stehempfang machten.

Volker Lehmkuhl