Der Schwäbische Heimatbund in der NS-Zeit

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Der Schwäbische Heimatbund in der NS-Zeit

Benigna Schönhagen: "... ein treuer und gewissenhafter Diener und Helfer ..."

(aus der Schwäbischen Heimat Heft 2, 2009)

Die Auseinandersetzung mit dem Schwäbischen Heimatbund im Nationalsozialismus ist längst überfällig. Sie erfolgt mit großer Verspätung, obwohl viele Fakten - wie etwa die Ablehnung des Neuen Bauens, vor allem der vehemente Kampf gegen die Weißenhofsiedlung - seit langem bekannt sind. Im Großen Schweigen, das die Bundesrepublik Deutschland nahezu vier Jahrzehnte lang über die NS-Zeit gelegt und gepflegt hat, machte der Schwäbische Heimatbund keine Ausnahme. Lange wurden diese zwölf Jahre Vereinsgeschichte nicht beachtet, beschwiegen, übergangen, die Arbeit des Vereins als unpolitisch angesehen.

Landschaftsgemälde

Schwäbische Landschaft: Engelberg mit Leonberg. Nach einem Pastell von E. Starker. Aus »Schwäbisches Heimatbuch« 1932.

Unpolitisch waren die Aktivitäten des Bundes für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern, wie der Schwäbische Heimatbund mit einer kurzen Unterbrechung bis 1949 hieß, jedoch nie, auch wenn der Vorstand nach dem Ende des NS-Regimes auf dieser Meinung beharrte und viele Mitglieder lange daran glauben wollten. Denn selbstverständlich erfolgt jede Pflege von Regionalkultur und Regionalbewusstsein, jedes Engagement für den Raum der unmittelbaren Umgebung, jede Pflege der Heimat vor dem Hintergrund bestimmter politischer Gegebenheiten und kann nur wirksam sein, wenn sie sich mit diesen auseinandersetzt, sie für ihre Ziele einsetzt oder sie zu verändern sucht, wo sie diesen entgegenstehen. Letztlich aber, und das ist eine Binsenweisheit, ist schon die Definition einer Heimat, die es zu schützen gilt, politisch. Heimat von wem? Vor was muss diese Heimat geschützt werden? Und vor allem: Für wen galt diese Heimat und für wen nicht?

Gerade in diesen Fragen aber sah sich der Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern 1933 mit der eben an die Macht gekommenen neuen Regierung, einer Koalitionsregierung aus NSDAP und Deutschnationalen, einig. Nur wenige Monate zuvor, 1932 auf der Mitgliederversammlung in Crailsheim, hatte das Vorstandsmitglied Professor Hans Schwenkel die Aufgaben des Heimatschutzes in heutiger Zeit als Abwehr der Bedrohung durch die Moderne beschrieben. Schwenkel bezeichnete Heimatschutz in diesem Beitrag ausdrücklich als eine kultur- und nationalpolitische Aufgabe, deren Bedeutung er folgendermaßen begründete: Die Not der Gegenwart, die politischen Gegensätze, die materialistische Gesinnung weiter Kreise, die internationalen Einflüsse des Verkehrs, der Presse und der technischen Vervollkommnung des Rundfunks, die Zusammenballung der Menschen in den Großstädten und die von der Natur abgelöste Arbeitsweise weiter Volkskreise, dies alles bedeutet eine ungeheure Gefahr für den Kulturmenschen, der zu begegnen die wichtigste Aufgabe des Heimatschutzes ist und seine Berechtigung außer Zweifel stellt.

Mit seiner Fortschrittsangst und seiner Zivilisationskritik, seiner Ablehnung von Großstadt und Technik, der negativen Einschätzung parteipolitischen Interessensaustrags, der Furcht vor internationalen Einflüssen und der Idealisierung des Landlebens deckte sich das Bedrohungsszenario, das Schwenkel dort zeichnete, mit dem antimodernistischen Feindbild und dem antidemokratischen Denken des konservativen Bürgertums, das 1933 in Scharen von der ungeliebten Weimarer Republik zum Dritten Reich Adolf Hitlers überlief. Auch der Bund für Heimatschutz stimmte in die nationale Begeisterung des Frühjahrs 1933 ein und feierte die Machtergreifung als ein großes deutsches Wunder. Unter der Überschrift Deutscher Frühling - Schwäbische Pfingsten heißt es auf der ersten Seite des Jahrbuchs 1933: Das große deutsche Wunder ist geschehen dank dem herzhaften Entschluß des Herrn Reichspräsidenten und der zielbewussten und willensstarken Tat des großen Führers, auf den alle guten Deutschen gewartet haben. Stolz weht wieder die Fahne des alten Reichs über uns, und neben ihr das Banner, in dessen Zeichen dieser große Sieg erstritten wurde. Möge es nun für immer heißen: Die Zwietracht hat ein Ende! Möge die Bahn jetzt frei sein zur deutschen Volksgemeinschaft!

Der Artikel reiht sich ein in die große Zahl von Ergebenheitsbekundungen nationaler Verbände, die die Machtübergabe an Adolf Hitler als nationale Erhebung und als Überwindung sozialer Zwietracht begrüßten. Dabei präsentierte und verstand sich der Bund für Heimatschutz ausdrücklich als Wegbereiter und Vorkämpfer des Dritten Reichs: Für die Arbeit des Heimatschutzes war von jeher eine Grundvoraussetzung, dass ein Volk nur bestehen kann, wenn es innerlich mit der Heimat und mit der geschichtlichen Überlieferung verbunden bleibt und dass Kultur überhaupt nur auf dieser Grundlage möglich ist. Der Bund für Heimatschutz grüßt daher aus voller Überzeugung das neuerstandene Deutschland.

In dieser Argumentation wird Heimat zur notwendigen Bedingung für den Bestand von Volk und Nation; ohne Liebe zur Heimat keine Liebe zum Vaterland. Das war das traditionelle Argumentationsmuster der Heimatbewegung seit ihrer Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts. Es wurde zum Einfallstor für die Ideologie des Nationalsozialismus in den Heimatbund. Im Folgenden wird deshalb nach den Interessensidentitäten von Heimatbund und NSDAP zu fragen sein. Wo lagen die Gemeinsamkeiten und wie änderten sie sich? Gab es Grenzen der Zustimmung und wenn ja, wo lagen sie? Welche Position nahm der Verein in der Kulturpolitik des NS-Staats ein und welche Ziele verfolgte er. Wie sahen die Kontinuitäten aus, wo gab es Brüche?

Da die Akten des Vereins beim Luftangriff auf Stuttgart im Juli 1944 zusammen mit der Geschäftsstelle verbrannt sind, konnten als Quelle für diese Fragen nur die entsprechenden Ausgaben des Schwäbischen Heimatbuchs herangezogen werden. Es wurde seit 1913 Jahr für Jahr vom Bund für Heimatschutz für seine Mitglieder herausgegeben. Seit 1925 war Felix Schuster der Schriftleiter und sollte es für 18 Bände bleiben. Er lieferte neben Hans Schwenkel auch die meisten Beiträge, und zwar nicht nur Textbeiträge, sondern auch Fotografien. Neben Artikeln zur Denkmal- und Landespflege sowie zum Naturschutz, zur Landesgeschichte, zu Literatur und Sprache enthält das Jahrbuch jeweils auch den Tätigkeitsbericht des Vereins. Die Quelle ist also ergiebig. Allerdings gibt sie nur die offizielle Sichtweise wieder; interne Entscheidungsfindungsprozesse und Konflikte bilden sich in ihr nicht ab.

Zwischen Gleichschaltung und institutioneller Selbstbehauptung

Foto eines Mannes

Konrad Graf von Degenfeld-Schonburg, erster Vorsitzender des Bundes für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern von 1922 bis 1939.

1933 war der Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern mit knapp 6.000 Mitgliedern einer der größten Vereine im bunten Feld der Heimatpflege im Land, zu dem neben den historischen und Heimatvereinen auch Wander- und Gesangsvereine, der Geschichts- und Altertumsverein, Theaterspielgruppen und Trachtengruppen sowie der Bund für Vogelschutz gehörten. Personelle und institutionelle Verbindungen verknüpften den Heimatbund, wie er sich erst 1939 und dann auch nur für kurze Zeit nannte, mit den staatlichen und kommunalen Einrichtungen der Heimatpflege. Viele Städte und Gemeinden waren körperschaftliches Mitglied im Verein. Das verschaffte diesem Einfluss und Gewicht, auch wenn seine Mitliederzahl in den Krisenjahren der Republik zurückgegangen war.

Ein siebenköpfiger Vorstand bildete die Leitung, den Vorsitz hatte seit 1923 Konrad Graf von Degenfeld-Schonburg inne. Sein Stellvertreter war Baurat Professor Felix Schuster. Weiter gehörten zum Vorstand qua Amt der Hauptkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, der schon erwähnte Hans Schwenkel, und der Vorsitzende der Landesgruppe Hohenzollern, Landeskonservator Professor Laur. Das Amt des Schriftführers bekleidete Studienrat Dr. Wilhelm Pfeiffer, und Oberrechnungsrat Hans Auwärter fungierte als Schatzmeister. Schließlich war als weiteres Mitglied noch der Esslinger Oberbaurat Rudolff Lempp beigewählt.

Die 120 Ortsgruppen in sämtlichen 64 württembergischen Amtsstädten und Ämtern boten ein reiches und scheinbar überparteiliches Betätigungsfeld für alle, die an regionaler Kultur und Geschichte interessiert waren. Die Mitgliedschaft rekrutierte sich aus dem Bildungsbürgertum - Lehrer, Ärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte, Schriftsteller sowie Geschäftsleute und Bürgermeister, wie überhaupt auffallend viele gehobene Beamte dazu gehörten. Die Arbeiterschaft war nicht vertreten.

Neben der Herausgabe des Heimatbuchs gehörten zu den Tätigkeiten des Bundes denkmalpflegerische Information und Beratung. Er verfasste Eingaben an die Behörden und bezuschusste ihm vorbildlich scheinende Projekte. Um die Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten, prangerte er Missbrauch an und warb für die Ausweisung von Naturschutzgebieten. Schließlich pflegte man regionale Bräuche und historische Kenntnisse. Regelmäßige finanzielle Zuwendungen des württembergischen Staats und der Stadt Stuttgart, aber auch gelegentliche private Spenden, etwa von der Rudolph und Sophie Knosp-Stiftung oder der Papierfabrik Scheufelen, zeigen die Vernetzung und den Stellenwert, den sich der Verein erworben hatte. Kurz: Er war ein gesellschaftlicher Faktor, den die neuen Machthaber 1933 weder ignorieren konnten noch wollten.

Gemälde einer Häuserfront

Aus dem »Schwäbischen Heimatbuch« 1936: Malerisches Straßenbild in einem alten schwäbischen Städtchen. Aquarell des verstorbenen Professors A. Treidler in Stuttgart. Heimat zur Idylle verniedlicht.

Die Integration des Traditionsvereins in den NS-Staat erfolgte deshalb auch nicht schlagartig, sondern verzögert in drei Schritten. Angesichts der bereitwilligen Kooperationsbereitschaft des Heimatbundes gab es für den NS-Staat keinen Anlass zu raschem Eingreifen. Bereits am 11. April 1933 wandte sich der Vorstand des Vereins an das württembergische Staatsministerium, das kurz zuvor durch den NS-Gauleiter und Reichsstatthalter Wilhelm Murr gleichgeschaltet worden war, und diente sich der neuen Staatsregierung an. Zu diesem Zeitpunkt waren die Grundrechte und die demokratische Weimarer Verfassung bereits durch die Reichstagsbrand- Verordnung und das Ermächtigungsgesetz außer Kraft gesetzt und die demokratische Weimarer Verfassung beseitigt worden. Die brutale Verfolgung der Gegner der neuen Machthaber, der Boykott jüdischer Geschäfte und das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, das die Ausschaltung von Juden und als politisch unzuverlässig Geltenden aus dem öffentlichen Dienst legitimierte, hatten den Unrechtscharakter des neuen Regimes klar zutage treten lassen. Doch der Schwäbische Heimatbund lobte den begonnenen Kampf gegen Überfremdung und bot ausdrücklich seine Hilfe dabei an: In diesem Kampf will der Bund für Heimatschutz ein treuer und gewissenhafter Diener und Helfer sein und stellt sich hiezu mit allen seinen Kräften zu Verfügung.

Der Vorstand schrieb der Erklärung eine solche Bedeutung zu, dass er sie dem Jahrbuch beilegte. Ebenso die Antwort des Gauleiters, der dem Bund versicherte: Sie dürfen [...] der nachdrücklichen Unterstützung der Württembergischen Regierung gewiß sein.

Diese Zusicherung schien einem Bestandsschutz des Vereins gleichzukommen und verscheuchte die Sorge um den Fortbestand der Eigenständigkeit, die angesichts der Gleichschaltungswelle angeklungen war. Die Mitglieder, die sich im Folgejahr zum 25. Gründungsjubiläum in Tübingen versammelten, jubelten über die Anerkennung ihrer Tätigkeit und beendeten die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer.

Zur freiwilligen Einführung des Führerprinzips, womit allenthalben die Selbstgleichschaltung nationaler und völkischer Verbände vollzogen wurde, kam es gleichwohl nicht. Allerdings war die Ausrichtung auf die Staatspartei bei der Jubiläumsversammlung bereits in Person zweier Parteifunktionäre eingeleitet. Das waren Gaukulturwart August Schmückle und der Gauamtsleiter des NS-Lehrerbundes, Adolf Huber. Letzterer vertrat eine neue, zentrale Einrichtung der Heimatpflege, in die die traditionelle Heimatbewegung eingegliedert werden sollte, den Reichsbund Volkstum und Heimat (RVH). Dieser war im Juli 1933 von Rudolf Heß, dem Stellvertreter des Führers, zum Dachverband der vielen NS-Kulturorganisationen erklärt worden.

Im Kampf um die Vorherrschaft in der Kulturarbeit des polykratischen NS-Staats hatte der Reichsbund anfangs die Führung. Dazu hatte ihm nicht zuletzt die Tatsache verholfen, dass ihm der Reichsbund für Heimatschutz als mitgliederstärkste Einzelorganisation der Heimatpflege beitrat. Im Oktober 1934 trat dieser allerdings auch schon wieder aus, begab sich unter die Schirmherrschaft von Alfred Rosenbergs Kampfbund für deutsche Kultur und traf ein Arbeitsabkommen mit dessen NS-Kulturgemeinde. Der Wechsel deutet darauf hin, dass sich der Heimatbund das Nebeneinander verschiedener Kulturorganisationen durchaus zunutze zu machen wusste.

Der württembergische Landesverband machte den Schritt seines Dachverbandes mit. Nur wenig später holte er auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die wegen eines Verfahrensfehlers notwendig geworden war, auch die Einführung des Führerprinzips nach. Von da an bestimmte formal der Vereinsleiter, der aber immer noch in geheimer Wahl gewählt wurde, die Geschicke des Vereins. Die eigentliche Arbeit übernahm ein Beirat in vierzehntägigen Arbeitssitzungen. In ihm arbeiteten alle alten Vorstandsmitglieder weiter; neu hinzugekommen war der Gauamtsleiter des NS-Lehrerbundes als Kontrollorgan der Partei.

Erst vier Jahre später folgte der nächste Schritt zur Gleichschaltung. Der Beirat wurde um sieben, später acht weitere Personen erweitert. Ob das freiwillig erfolgte oder aufgezwungen wurde, lässt sich den Geschäftsberichten nicht entnehmen. Sicher ist, dass die neuen Beiräte als Vertreter parteiamtlicher Organisationen wie der NS-Gauleitung oder der NS-Landesbauernschaft stramme Nationalsozialisten waren. Die Stadt Stuttgart war durch ihren Kulturreferenten Dr. Fritz Cuhorst vertreten, einem Alten Kämpfer und ehemaligen Kreispropagandaleiter der NSDAP.

Die parteiamtlichen Verknüpfungen des erweiterten Beirats eröffneten größere Einflussmöglichkeiten; sie bedeuteten aber zweifellos auch eine verstärkte Kontrolle. So fügt sich der Eingriff in die zweite Gleichschaltungswelle ein, mit der das Regime nach seiner Konsolidierung die Unbequemen in den eigenen Reihen zum Schweigen bringen wollte.

1939 erfolgte der letzte Schritt. Anlass gab die Neuwahl für das Amt des Vereinsvorsitzenden. Konrad Graf Degenfeld stand endgültig nicht mehr zur Verfügung. Als Nachfolger war Hans Schwenkel vorgesehen. Doch Gauleiter Murr zwang dem Verein in einem Handstreich den 63-jährigen Heimatschriftsteller August Lämmle als angeblich besten Kenner Schwabens auf. Felix Schuster berichtete nach dem Krieg, dass die treibende Kraft hinter Murrs Entschluss die dämonische Gestalt des Gaukulturwarts August Schmückle gewesen sei, den er als Ohrbläser Murrs bezeichnete. Weder eine Vertagung der Wahl, noch der Einspruch des Deutschen Heimatbundes hatten Erfolg. Am 20. September 1939 wurde Lämmle von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig gewählt und kurz darauf zum Ehrenmitglied gemacht. Lämmle selbst hatte, als er gefragt wurde, ob er die Wahl als Vereinsleiter annehme, geantwortet, dass er dem Ruf des Reichstatthalters folge.

August Lämmle war ausgebildeter Volksschullehrer. Nach dem Ersten Weltkrieg war er in der Volksbildung aktiv gewesen. Und er war altes Parteimitglied. In den 1920er-Jahren hatte er die Abteilung Volkskunde im Württembergischen Landesamt für Denkmalpflege aufgebaut und bis 1938 geleitet. 1936 hatte er die Hauptversammlung des Bundes mit einem Vortrag unter dem Titel Im Dienste von Volkstum und Heimat eröffnet. Er war also kein Fremder für den Heimatbund, vielmehr ein ehemaliger Kollege Schwenkels. Mit der Herausgabe der Zeitschrift Württemberg. Monatsschrift für Volkstum und Heimat hatte Lämmle sich nicht nur als Kenner der Region, sondern auch als Propagandist eines schwäbischen Nationalsozialismus profiliert.

Es war also nicht so sehr die Person, sondern die Tatsache, dass sie aufgezwungen wurde, die den Verein empörte, hatte er doch bis dahin seine institutionelle Eigenständigkeit weitgehend bewahren können. Erstmals war der Vorstand nun selbst mit dem absoluten Machtanspruch des NS-Staats und dessen Praktiken konfrontiert, gegen die er zuvor nichts einzuwenden hatte. Doch weder der stellvertretende Vorsitzende, noch einer der Beiräte traten wegen des Übergriffs zurück. Schuster begründete das nach dem Ende des NS-Regimes so: Ich sagte mir, daß es doch gut sei, wenigstens noch einen Fuß im Türspalt zu haben. [...] Die gute Sache ertrug keine persönlichen Verärgerungen. Die Stetigkeit unserer Arbeit mußte gewahrt bleiben.

Im November 1939 übernahm schließlich der NS-Gauleiter die Schirmherrschaft über den Verein. Unter seiner Ägide wurde nochmals die Satzung revidiert und der Arierparagraph, zu dem man sich formal schon 1935 bekannt hatte, eingeführt. Sollte 1935 die Mitgliedschaft von Juden ruhen, so war ab 1939 nur noch jede unbescholtene Person deutschen oder artverwandten Blutes als Mitglied zugelassen.

Heimatbund und Juden - Der Kunsthistoriker Dr. Julius Baum

Foto eines Mannes

Dr. Julius Baum 1953 in seiner Gelehrtenstube.

Wie der Heimatbund bis dahin mit seinen jüdischen Mitgliedern umgegangen ist, lässt sich dem Heimatbuch nicht zuverlässig entnehmen. In dem gedruckten Mitgliederverzeichnis von 1929 - Verzeichnisse für die NS-Zeit sind nicht bekannt - finden sich jüdische Geschäftsleute, etwa aus Stuttgart und Hechingen. Viele jüdische Heimatbundmitglieder sind angesichts der völkischen Grundhaltung des Vereins aber unwahrscheinlich. Unter den Funktionären und Leitern der Ortsgruppen waren, so weit ich sehe, keine Juden.

Umso mehr fällt das Fehlen eines aggressiven Antisemitismus auf, und zwar sowohl vor wie nach 1933. Felix Schuster hat noch 1933 den vom Israelitischen Oberkirchenrat herausgegebenen Bildband Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg im Rezensionsteil des Jahrbuchs wohlwollend besprochen. Auch später finden sich Artikel, die frei von antisemitischem Ressentiment Juden erwähnen. Frei von antisemitischen Äußerungen ist das Heimatbuch dennoch nicht. Die meisten bewegen sich im Rahmen eines Codes, der seit der Jahrhundertwende im Bürgertum selbstverständlich geworden war. So liest man etwa in einer Abhandlung von Ludwig Finckh über die deutsche Schrift: Ich habe es erlebt, daß in der Systemzeit die Antiqua von allen jüdischen Verlagen forciert und bei den deutschen Dichtern durch die Juden durchgesetzt wurde, weil sie internationale Weltschrift sei. Sie galt deshalb im Grenzlanddeutschtum und bei uns als Judenschrift, die Fraktur als Wahrzeichen des Deutschtums, Waffe und Bekenntnis.

Zumindest ein Jude gehörte vor 1933 zu den Autoren des Schwäbischen Heimatbuchs, das war der Kunsthistoriker Dr. Julius Baum, einst Mitarbeiter im Landesamt für Denkmalpflege. Nach der Machtübergabe finden sich keine Beiträge mehr von ihm in den Jahrbüchern. Der Gründungsdirektor des Ulmer Museums war evangelisch getauft. Dennoch wurde er am 18. März 1933 bis auf weiteres beurlaubt und nach Erlass des Berufsbeamtengesetzes wegen seiner jüdischen Herkunft und seines Einsatzes für die Moderne seines Amtes enthoben. Nach einer Haft im KZ Welzheim floh er 1939 in die Schweiz. Der Schwäbische Heimatbund schwieg zu dem Unrecht, das seinem Autor und Mitglied angetan wurde, wie er überhaupt zur Verfolgung und Entrechtung der Juden schwieg.

Personelle und inhaltliche Kontinuitäten im Heimatbund sind verblüffend

Exkursion

Hans Schwenkel – der Mann mit dem erhobenen Arm – 1948 auf der Salmendinger Kapelle bei einer Führung.

Es bleibt zu fragen, welche Auswirkungen die Machtergreifung und die so spät erfolgte Gleichschaltung, auf die sich der Schwäbische Heimatbund nach dem Krieg nicht wenig zugute hielt, auf die Inhalte und Aktivitäten des Vereins hatten. Worin bestand die gute Arbeit, deren Stetigkeit man noch 1939 glaubte, unbedingt bewahren zu müssen?

Die personelle und inhaltliche Kontinuität des Bundes ist verblüffend. Vor wie nach 1933 werden Eingaben gemacht, Bauten bezuschusst und Exkursionen durchgeführt. Vor wie nach 1933 waren Felix Schuster und Hans Schwenkel die Protagonisten des Vereins, sie überstanden die späte Gleichschaltung problemlos. Selbst die Schirmherrschaft des Gauleiters änderte an ihrer Rolle im Verein nichts. Die Schirmherrschaft Wilhelm Murrs währte ohnehin nicht lange, weil der Bund 1941 seine Arbeit wegen des Kriegs praktisch einstellte.

Schriftstück

Briefkopf mit der Schirmherrschaft des Gauleiters.

Besichtungsfahrten landauf landab, Artikel und Vorträge, nicht zuletzt das Schwäbische Heimatbuch selbst hatten Felix Schuster zu einem Aushängeschild des Heimatschutzes und der Heimatpflege in Württemberg gemacht; für Hans Schwenkel galt dasselbe auf dem Gebiet des Naturschutzes. Als Leiter der Abteilung Natur- und Landschaftsschutz im Landesamt für Denkmalpflege verband Schwenkel Beruf und Ehrenamt ähnlich wie Schuster als Professor an der Höheren Bauschule. Zahlreiche Heimatschutzfälle, das sind Beratungen und Gutachten bei Neu- und Umbauten, zeugen von ihrem Fleiß und unermüdlichen Einsatz für die Sache. Allein für 1938 nennt der Geschäftsbericht 44 Fälle, von der Beratung bei der Instandsetzung eines Fachwerkhauses in Altheim über ein Gutachten für die Sonnenuhr an der Kirche in Frauenzimmern und einen Dachreiter in Rottenburg bis zur Begutachtung der Orgel im Heimatmuseum Waiblingen.

Fotos von Fassaden

Außenreklame war beim Bund für Heimatschutz ein Dauerthema. Hier eine Seite aus dem »Schwäbischen Heimatbuch« 1937. Die obere Reihe bietet Beispiele für gute Werbung in Verbindung mit Türen und Toren. Die mittlere und untere Reihe würdigen durch schlechte Reklame die Eingänge herab.

Ein großes Anliegen war Schwenkel die Gestaltung von öffentlichen Anlagen wie Gärten und Friedhöfen, Grabstätten und Gefallenendenkmälern, für die er Musterentwürfe präsentierte. Skurril mutet heute der Kampf gegen die Verschandelung der Landschaft durch Reklame an, dem sich der Heimatbund verschrieben hatte. Reklame galt als Ausdruck von materialistischer Gesinnung und undeutschem Wesen, als Folge von Überfremdung. 1937 widmete Schwenkel dem Thema einen ausführlichen Aufsatz, der die tradierten Feindbilder der Zwischenkriegszeit rassistisch bündelte, wenn es darin heißt: Die liberalistischen, nomadenhaft jüdischen Methoden der Außenreklame aus einer von Amerika, dem Kolonistenland, beeinflussten Zeit, erträgt das deutsche Volk nicht länger. Schwenkel zog daraus die Konsequenz, dass die Reklame beseitigt werden müsse; im Kontext der zu diesem Zeitpunkt sich radikalisierenden Judenverfolgung waren aber auch andere Konsequenzen denkbar geworden und klangen bei solchen Texten für den Leser mit.

War vor 1933 wiederholt über die Wirkungslosigkeit und Vergeblichkeit der Arbeit des Heimatschutzes geklagt worden, so änderte sich das 1933 schlagartig. Denn der Machtantritt der Nationalsozialisten verlieh dem Einsatz für den Heimatschutz ungewohnte Durchsetzungskraft, wie die erhöhte Zahl von Heimatschutzfällen zeigt. Der Erfolg lag nicht nur an der grundsätzlichen Übereinstimmung mit den Zielen der neuen Führung in Deutschland, wie Schuster 1933 formulierte. Er war, wie zu zeigen sein wird, auch in der Akzeptanz nationalsozialistischer Machtpraktiken begründet.

Felix Schusters Engagement für das Bewahren regionaler Bautraditionen schloss unter dem Schlagwort heimatgebundenes Bauen die kompromisslose Ablehnung des Neuen Bauens und der Architektur der Neuen Sachlichkeit ein. In zahlreichen Artikeln verurteilte er sie als seelenlose Wohnmaschinen und Ausdruck eines gefährlichen Materialismus. Die Auseinandersetzung umfasste weit mehr als den Streit um das angeblich orientalische Flachdach. Sie enthüllt die inhaltliche Übereinstimmung des Heimatbundes mit nationalsozialistischen Denkmustern, vor allem mit einer Konstruktion von Heimat, deren integrative Wirkung auf Ausschluss beruhte.

Die Auseinandersetzung kulminierte im leidenschaftlichen Kampf gegen die Stuttgarter Weißenhofsiedlung, in dem sich ideologische und persönliche Momente mischten.22 Die örtliche NSDAP hatte die Ablehnung der als Araberdorf diffamierten Weißenhofsiedlung vor 1933 für ihren Machtkampf instrumentalisiert. Schuster konnte sich nach 1933 deshalb der Unterstützung der Nationalsozialisten sicher sein. In seinem Artikel Rückblick auf Fünf Jahre Weißenhof schreibt er 1933:

Wie einheitlich, ohne äußeren Zwang, sahen unsere alten Dörfer und Städte aus und wie ganz anders ist das Bild heute. Wir sehen heute alles wahllos und kunterbunt durcheinandergemengt, den Ausdruck unserer inneren Zerfahrenheit und Zersetzung. Der Werkbund wollte durch das äußerliche Mittel der Dachlosigkeit dagegen ankommen. Hier kann aber nicht durch äußere Mittel grundlegend abgeholfen werden, sondern nur von innen heraus, durch Weckung und Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft [...], wie sie durch die nationalsozialistische Bewegung wieder angebahnt wird. [...] Wer in Zukunft das "Opfer" der Einreihung in die Front der Volksgemeinschaft nicht bringen will, schließt sich damit selbst aus.

Der Text zeigt nicht nur ideologische Übereinstimmung, sondern auch Akzeptanz, ja Begrüßung undemokratischer Machtpraktiken, wenn es um den Heimatschutz ging. Offen heißt der Autor im Folgenden gut, dass der Reichskommissar für die Stadt Stuttgart, - also der Inhaber jenes außerplanmäßigen Amtes, mit dessen Hilfe die Nationalsozialisten während der Machtergreifung ihre Gegner ausschalteten und sich die Schlüsselpositionen sicherten -, dass er also den Werkbund bei der neuen Bauausstellung am Kochenhof ausgeschaltet hatte.

Zweifellos profitierte der Heimatbund von der Konjunktur des Heimatgedankens in der NS-Zeit. Die Mitgliederzahl stieg, 1939 waren es 7.244. In einem Rückblick auf Vier Jahre Heimatschutz im Dritten Reich heißt es denn auch: ...so müssen wir bekennen, dass die Umwälzung auch dem Natur- und Heimatschutz Erfolge gebracht hat, die wir früher nie für möglich gehalten haben.

Sicher hatte zu dieser stolzen Bilanz auch beigetragen, dass der Heimatbund seit 1938 über eine Verbindung nach Berlin, ins Zentrum der Landschaftspflege auf Ministerialebene, verfügte. Hans Schwenkel, der zu den Mitinitiatoren des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935 gehörte, war vom Reichsforstmeister Hermann Göring 1938 in das Referat Landschaftspflege im Reichsforstamt in Berlin berufen worden, bald darauf wurde ihm zusätzlich die Mitarbeit im Reichsplanungsamt aufgetragen. Seitdem pendelte der Beirat des Heimatbundes zwischen Stuttgart und Berlin. Zu fragen wäre, ob der Erwerb der Naturschutzgebiete des Schwäbischen Heimatbundes, der in diese Jahre fällt, sich nicht auch diesen Einflussmöglichkeiten mit verdankt.

Schwenkel veröffentlichte 1936 einen Aufsatz über Volksstamm und Landschaft im ländlichen Raum, der auf einer gleichnamigen Veröffentlichung von 1936 basierte, und 1937 einen Nachtrag erhielt. Wie andere seiner Veröffentlichungen im Schwäbischen Jahrbuch, vor allem aber in der Zeitschrift Naturschutz, strotzt er von sozialrassistischem und antisemitischem Gedankengut. Der Landesbeauftragte für Naturschutz in Württemberg sah in der Natur das Abbild eines Volkes bzw. Stammes. Seine Gleichung lautete: gesunder Stamm = gesundes Volk = gesunde Natur, weswegen er schloss, dass das Entscheidende nach wie vor das Erbgut bleibt. [...] Blutpflege ist Kulturpflege und bedeutet Leistung am deutschen Vaterland. Sie muß daher ernster genommen werden als alle Zufälle der Geschichte und der Landschaft, der Wirtschaft und des Bekenntnisses. In abenteuerlichen rassistischen Konstruktionen versuchte er, die Eigenart der Schwaben, die er ja durch Landschaftspflege und Naturschutz bewahren wollte, mit dem Rassenideal des nordischen Menschen in Übereinstimmung zu bringen: Das ist nicht aufgesetztes nationalsozialistisches Vokabular, das ist tiefe Überzeugung.

Im Laufe der Zeit wird eine wachsende Um- und Verklammerung zwischen dem Schwäbischen Heimatbund und NS-staatlichen Behörden und Einrichtungen erkennbar. 1935 kommt es zu einem Arbeitsabkommen mit der NS-Kulturgemeinde, zu der der Kampfbund für deutsche Kultur und der Reichsverband Deutsche Bühne 1934 zusammengeschlossen wurden. Verbindungsmann ist wiederum Hans Schwenkel; 1939 folgt ein weiteres Abkommen mit der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude. Damit einher geht eine spürbare Zunahme reiner NS-Propaganda im Schwäbischen Heimatbuch. Dem allgegenwärtigen Führerkult konnte oder wollte sich der Heimatbund nicht entziehen: Hitler-Zitate, Führerporträts sowie Grußworte und Fotos der regionalen NS-Größen eröffnen nun die Jahrbücher.

Autobahnviadukt an einem Hang

Ursprünglich hatten die Heimatschützer den Bau der Reichsautobahn abgelehnt, nach 1933 lobten sie die ideale Führung der Autostraße durch die Landschaft. Hier die Kunstbauten der Autobahn, die am Albaufstieg geteilt wurde, am Drackensteiner Hang, rechts unten ist das Dorf Unterdrackenstein zu sehen. »Schwäbisches Heimatbuch« 1939.

Sie setzen auch die weiterhin vorhandenen ideologiefreien Inhalte in einen nationalsozialistischen Bezugsrahmen. In diesem werden offensichtlich auch Projekte akzeptabel, die den ursprünglichen Intentionen des Heimatschutzes zuwider liefen wie der Bau der Reichsautobahn. Vor 1933 und auch noch unmittelbar danach hatten die Heimatschützer die zunehmende Technisierung als seelenloses Maschinenwerk abgelehnt. Ausdrücklich hatten sie vor den Gefahren einer zunehmenden Internationalisierung durch den Verkehr gewarnt. 1937 aber, nachdem die Naturschutzbeauftragten in die Planung eingebunden worden waren, war das monumentale Straßenbauprojekt für die Heimatschützer annehmbar geworden. Nun gerieten sie ins Schwärmen über die ideale Landschaftsführung der Straße, die artgerechte Bepflanzung der Böschungen und die Verwendung alter Steinmetzkunst bei den Brücken. Dass das ganze Unternehmen eine gigantische Aufrüstungsmaßnahme darstellte, blendeten sie dabei vollkommen aus.

Der totalitäre Staat gliedert spät den Heimatbund ein - Vorstand stört sich nicht an Unrechtscharakter

Der Schwäbische Heimatbund ist, so muss zusammenfassend konstatiert werden, durch eine hohe personelle und inhaltliche Kontinuität, von den 1920er- bis weit in die 1960er-Jahre gekennzeichnet. Die Übereinstimmung mit weiten Teilen der heterogenen NS-Ideologie ermöglichte einen bruchlosen Übergang von der Weimarer Republik in die NS-Zeit. Der Verein versprach sich von der NS-Regierung die Förderung seiner Interessen und trug dieser seine Mitarbeit an.

Die freiwillige Kollaboration und der Machtkampf nationalsozialistischer Kultureinrichtungen trugen dazu bei, dass der Schwäbische Heimatbund seine institutionelle Eigenständigkeit lange bewahren konnte. Eine formelle Gleichschaltung erfolgte in mehreren Stufen und war erst 1939 mit der Unterordnung unter die Schirmherrschaft des Gauleiters und einem oktroyierten Vorsitzenden abgeschlossen. Schon vorher aber führte der württembergische Bund für Heimatschutz den Arierparagraphen ein.

Die NS-Zeit wurde zu einer Blütezeit des Bundes. Die Zahl seiner Mitglieder stieg bis Kriegsbeginn stetig. Dank NS-staatlicher Unterstützung konnte er seine Aktivitäten fortführen und ausbauen. Autoritäre Maßnahmen hieß er dabei ausdrücklich gut. Den Unrechtscharakter des Regimes nahm der Vorstand hin oder blendete ihn aus.

Im Bezugsrahmen des NS-Staats wurde die Arbeit des Heimatbundes, auch wenn sie nicht aktiv die Herstellung einer nationalsozialistischen Rassengesellschaft anstrebte, dennoch nationalsozialistisch aufgeladen. Ansatzpunkt dafür war der Heimatbegriff des Bundes, der völkisch verengt und stammesgebunden konnotiert wurde. Er versprach, die Bedrohungen durch die sozialen Gegensätze der Industriegesellschaft mit der Herstellung und Pflege einer einigen Volksgemeinschaft abzuwehren. Nicht Integration und positive Auseinandersetzung mit dem Fremden, sondern Abgrenzung und Ausgrenzung waren die Instrumente zur Harmonisierung der sozialen Gegensätze. Die Nationalsozialisten konnten sich in ihrer Volksgemeinschafts-Propaganda auf diesen traditionellen deutschen Heimatbegriff berufen und ihn für ihre Zwecke instrumentalisieren. Gegen diese Vereinnahmung lassen die Aktivitäten des Schwäbischen Heimatbundes in der NS-Zeit weder Resistenz noch Distanzierung erkennen.

Die zwölf Jahre des Heimatbundes in der NS-Zeit beleuchten damit auch ein Stück Herrschaftswirklichkeit des Dritten Reichs. Sie zeigen einmal mehr, dass der NS-Staat kein monolithischer, ausschließlich mit Gewalt hergestellter Machtblock war, sondern dass er auf die Zustimmung und Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen war, auch und gerade unterhalb der Sphäre des unmittelbar Politischen. Die nötige Loyalität stellte das Regime nicht nur durch materielle Versprechungen und nationale Aufwertung, sondern auch durch das Zugeständnis gewisser Freiräume und begrenzter regionaler Eigenständigkeit her. Deshalb dauerte es erstaunlich lange, bis der gleichwohl totalitäre Staat sich den etablierten Bund für Heimatschutz unterordnete und für seine politische Propaganda in Dienst nahm. Dieses Spannungsfeld bestimmte die Entwicklung des Heimatbunds in der NS-Zeit. Die unveränderte Fortsetzung seiner Arbeit wirkte letztlich herrschaftsstabilisierend.