In memoriam Dr. Dr. med. h.c. Hans Lorenser (1916 bis 1989)

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In memoriam Dr. Dr. med. h.c. Hans Lorenser (1916 bis 1989)

Am 15. April des Jahres bei der Mitgliederversammlung des Schwäbischen Heimatbundes in Ochsenhausen gab Dr. Hans Lorenser seinen letzten Rechenschaftsbericht als Vorsitzender dieses auf dem Gebiet der Heimatpflege tätigen Landesvereins für den württembergischen Teil des Südweststaates. Temperamentvoll wie immer berichtete er über denkmalpflegerische Aktivitäten wie den Peter Haag-Preis und die Ausgestaltung des Kalkofens bei Untermarchtal zu einer Dokumentation der Kalkgewinnung, über den Einsatz im Naturschutz, wo der Schwäbische Heimatbund seit nunmehr 50 Jahren in Naturschutzgebieten Grundstücke erwirbt und in der Zwischenzeit rund 160 Hektar sein eigen nennt.

Hans Lorenser

Dr. Dr. med. h.c. Hans Lorenser.

Er ließ auch durchblicken, daß es ihm nach fünf Jahren als Vorsitzendem nicht ganz leicht falle, dieses ihm lieb gewordene Ehrenamt abzugeben. Nachdem der Stuttgarter Regierungspräsident Dr. Manfred Bulling zu seinem Nachfolger gewählt worden war, erlebte Dr. Hans Lorenser mit sichtlicher Freude und Genugtuung, daß die anwesenden 300 Mitglieder ihn einstimmig auf Vorschlag des Vorstands zum Ehrenmitglied ernannten. Die Urkunde mit der Laudatio sollte ihm am 1. Dezember 1989 überreicht werden, wenn der Schwäbische Heimatbund in der Stuttgarter Liederhalle sein 80jähriges Bestehen festlich begeht. Doch der Schnitter Tod, den dieser gläubige Katholik stets respektiert hat, ist menschlichem Planen zuvorgekommen und hat Dr. Hans Lorenser am 19. Juli 1989 im Alter von 73 Jahren völlig unerwartet in seinem Ulmer Haus überrascht und in die Ewigkeit berufen.

Fünf Jahre zuvor, am 14. Juli 1984, war Dr. Hans Lorenser als Nachfolger des damals 77 Jahre alten früheren Tübinger Regierungspräsidenten Professor Willi K. Birn in das hohe Ehrenamt gewählt worden, in Ulm, im Saal der wiederaufgebauten Dreifaltigkeitskirche. Damals mahnte der Heimatbund, die Wilhelmsburg, das Herzstück der Bundesfestung Ulm, sei ein Kulturdenkmal von nationalem Rang und dürfe nicht an einen Privatmann, an einen Makler, verkauft werden. Der auch im Ruhestand als Experte für das Krankenhauswesen vielbeschäftigte Politiker nahm sich in der Folge die nötige Zeit, das Vereinsschiff tatkräftig zu steuern. Dabei kam es ihm zupaß, daß der geschäftsführende Vorstand des Schwäbischen Heimatbundes sich immer als ein kollegiales Gremium verstanden und entsprechend gearbeitet hat. Mit Weitsicht und Liberalität hat Dr. Hans Lorenser alle Beschlüsse vorbereitet und mitgetragen, sich aber auch weiteren Aufgaben nicht verschlossen, wenn sie - wie im innersten Zirkel der neugegründeten Denkmalstiftung Baden-Württemberg auch den denkmalpflegerischen Zielen des Heimatbundes dienten.

All die Eigenschaften und Tugenden, die auch den langjährigen Ersten Bürgermeister und Wirtschaftsdezernenten der Stadt Ulm - seit 1954- und dann für zwölf Jahre den Oberbürgermeister dieser Stadt - seit 1972- und den CDU-Abgeordneten im Stuttgarter Landtag ausgezeichnet hatten, kamen zugleich dem Heimatbund mit seinen fast 7000 Mitgliedern zugute: seine offen auf die Menschen zugehende Art, seine Achtung vor der begründeten Meinung anderer, sein Wille, Großes und Kleines stets unter dem Aspekt des Wohlergehens von Menschen zu behandeln. Seine Herkunft als Sohn eines Werkmeisters in Ludwigsburg, sein Engagement in der katholischen Jugendarbeit, bei der er auch seine spätere Frau Rosel kennengelernt hatte, die Jahre als Soldat und das einem Beruf abgetrotzte Studium der Volkswirtschaft an der Universität Tübingen samt der Erlangung des Doktorgrades, all das hatte ihn gelehrt, daß man das Leben nur aktiv bewältigen kann. Sein Humor und sein Mutterwitz haben ihn bei allen Anlässen, seien es Gespräche, Vorstandssitzungen oder öffentliche Veranstaltungen gewesen, auf unnachahmliche Art geholfen, den richtigen Ton zu finden und an die Mitbürger heranzukommen.

Der Schwäbische Heimatbund ist Dr. Hans Lorenser, der seit 1953 als Mitglied dabei war, insbesondere für die fünf Jahre der Vorstandschaft zu großem Dank verpflichtet. Bei der Art und Weise, wie er sein Ehrenamt wahrgenommen hat, klang der überlieferte Schwur nach, den er mit Ernst an jedem Schwörmontag als Oberbürgermeister zu erneuern hatte: Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen, ohne allen Vorbehalt.