Nachruf auf Agathe Kunze (1917–2010)

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Nachruf auf Agathe Kunze (1917–2010)

Fritz-Eberhard Griesinger, Agathe Kunze und Dieter Dziellak

Agathe Kunze nimmt die Ehrenurkunde aus den Händen von SHB-Vorsitzenden Fritz-Eberhard Griesinger und Geschäftsführer Dieter Dziellak entgegen.

Am 15. Juni 2010 verstarb im 94. Lebensjahr unser Ehrenmitglied Frau Agathe Kunze geb. Schairer aus Stuttgart. Über Jahrzehnte hinweg hat sie in hochherziger Weise den Schwäbischen Heimatbund gefördert. Als gelernte Journalistin und Tochter des früheren Mitherausgebers der Stuttgarter Zeitung Erich Schairer kannte Agathe Kunze die Nöte und Sorgen der Menschen ganz genau und sie half ohne großes Aufheben. Ihre ganz besondere Fürsorge galt dabei den Kindern und Jugendlichen. Sie wollte, dass junge Menschen ihren Weg im Leben finden, eine Perspektive für die Zukunft haben und zu Menschen heranwachsen, die Verantwortung für sich und ihre Umwelt übernehmen.

Da stand eines Tages im Jahr 1993 die kleine, zierliche Frau mit dem wachen Blick im Zimmer von Geschäftsführer Dieter Dziellak im früheren Waisenhaus am Charlottenplatz und bekundete ihr großes Interesse an der Rettung der Altstadthäuser im Leonhardsviertel – nicht nur so, sondern sie wolle helfen, damit das geplante Werk gelinge. Eine Baustellenbesichtigung in der Weberstraße schloss sich spontan an. Was wenige Tage danach auf dem Konto des Schwäbischen Heimatbunds gutgeschrieben wurde, übertraf die kühnsten Erwartungen. Ein Agathe-Kunze- Zimmer in der neuen Geschäftsstelle erinnert auf Dauer an diese großzügige Unterstützung.

Eine weitere große und wichtige Aufgabe hatte sich der Verein Anfang der 1990er-Jahre vorgenommen – die Errichtung und den Betrieb eines Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf am Rande des Pfrunger-Burgweiler Rieds. Das Konzept dieser Einrichtung, insbesondere die Naturpädagogik für Kinder und Jugendliche, begeisterte Frau Kunze. Bei Kaffee und Kuchen in ihrem Haus in der Wernhalde in Stuttgart nahm sie Anteil an der Planung und brachte Ideen ein. Bei Besuchen im entstehenden und später entstandenen Naturschutzzentrum lebte sie auf und förderte diese Einrichtung ständig, insbesondere um die Arbeit mit Kindern zu ermöglichen. Selbst gebrauchte Regale aus ihrer Wohnung wurden nach Wilhelmsdorf gebracht. Sie wollte eben helfen, wo es ging.

So war sie über die vergangenen zwei Jahrzehnte die Mäzenin des Vereins im besten Sinne, begleitete und beobachtete aktiv die Vereinsarbeit und hatte als gelernte Journalistin großes Interesse an der Zeitschrift Schwäbische Heimat, die sie nach eigenem Bekunden von vorn bis hinten durchlas.

Die Jugendarbeit des Vereins im Naturschutzzentrum war ihr wichtigstes Anliegen, Kinder und Jugendliche, Schüler und Heranwachsende sollen mit der Natur, ihren Zusammenhängen und ihrer Gefährdung in der heutigen Zeit vertraut gemacht werden, Verständnis durch Wissen geweckt und so die Grundlage für den verantwortungsvollen Umgang mit dieser Natur gelegt werden, war eine ihrer Kernaussagen bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft am 20. Mai 2006. Nur wenige Monate vor ihrem Tod floss eine weitere bedeutende Zuwendung an den Verein. Diese Mittel und der sorgsame Umgang des Vereins damit, bildeten eine wichtige Grundlage für die Entscheidung, die gebotene Chance für die Ertüchtigung unseres Naturschutzzentrums zu ergreifen und so auch dem Anliegen von Frau Kunze eine weitere Perspektive zu geben.

Das Erinnern an Frau Agathe Kunze wird eine dauerhafte Bezugsgröße im Schwäbischen Heimatbund und insbesondere im Naturschutzzentrum bleiben. Wir danken ihr für alles, was sie für den Schwäbischen Heimatbund getan hat.