Tradition und Fortschritt: Mitgliederversammlung 2012 am 16. Juni 2012 in Nürtingen
Im Jahr 1914 fand schon einmal eine Mitgliederversammlung des Schwäbischen Heimatbunds (damals noch Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern) in Nürtingen statt. Und trotz oder gerade wegen dieser langen Tradition brachte die diesjährige Mitgliederversammlung auch wieder einiges an Neuem. So folgte die eintägige Veranstaltung dem neuen Konzept, die Mitgliederversammlungen künftig an Standorten von Orts- und Regionalgruppen anzubieten, und diese intensiv in die Gestaltung des Besuchsprogramms einzubinden. Beides hat in Nürtingen mit seiner sehr aktiven Regionalgruppe bestens funktioniert.
Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Otmar Heirich stellte Vorsitzender Fritz-Eberhard Griesinger in seinem Bericht die Vereinsarbeit des vergangenen Jahres ausführlich vor. Er berichtete von den zahlreichen Aktionen im Naturschutz, dem Engagement für die württembergische Kulturlandschaft, dem Einsatz für die Denkmalpflege im Land und der Auslobung der vom Heimatbund vergebenen Preise. Er erwähnte die vielen aktuellen Themen, zu denen der Schwäbische Heimatbund seine Stimme erhoben hat, die vielen Veranstaltungen, Exkursionen und Reisen, die Zeitschrift «Schwäbische Heimat» und vieles mehr, was ihn als Vorsitzenden, die Mitglieder des Vorstandes, des Beirates, der Ausschüsse und Arbeitskreise sowie alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter beschäftigt hat.
Zum Ende der Wahlperiode 2009-2012 des Vorstandes berichtete Griesinger von drei großen Themen, die die Vereinsleitung in dieser Zeit ganz besonders in Anspruch genommen haben: Der im Frühjahr eingeweihte Neubau eines Ausstellungsgebäudes beim Naturschutzzentrum Pfrunger-Burgweiler Ried, der Einsatz für die Sicherung der archäologischen Funde bei der Heuneburg und für eine stärkere Beteiligung des Landes bei ihrer musealen Präsentation sowie die umfangreiche Betriebsprüfung des Finanzamtes Stuttgart-Körperschaften.
In der kommenden Wahlperiode möchte sich der Vorstand verstärkt der Frage stellen, wie landeskundliches Wissen als Voraussetzung der Bewahrung des kulturellen Erbes an die Gesellschaft weitergegeben werden kann – eine Gesellschaft, so Griesinger, die, in raschem Maße zunehmend, keine familiären oder kulturellen Wurzeln in unserem Land hat, dennoch aber das Land als Heimat erlebt und wahrnimmt. Denn Heimat ist nicht abstrakt sondern nur in der Beziehung zwischen Mensch und Ort darstellbar und erlebbar. Als Herausforderung an den Vorstand müsse auch das Problem sinkender Mitgliederzahlen gesehen werden und – damit verbunden – die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.
Der damalige Geschäftsführer Dr. Siegfried Roth vertiefte anschließend einige der vom Vorsitzenden angerissenen Themen und stellte mit der Kulturlandschaft des Jahres (2013/14 das «württembergische Allgäu»), den intensiven und langwierigen Bemühungen um die herrschaftlichen Pürschgänge auf dem Gebiet der amerikanischen Panzerkaserne in Böblingen sowie der erfolgreichen Eröffnung des Naturschutzzentrums drei Höhepunkte der Vereinsarbeit im vergangenen Jahr vor.
Schatzmeister Gerhard Fink konnte in seinem Bericht zur finanziellen Situation von einem verbesserten aber immer noch leicht negativen Vereinsergebnis berichten. Dieses ist vor allem auf die sinkende Zahl an Mitgliedern (aktuell zirka 5.100) und eine weiterhin hohe Zahl an Aufgaben und Projekten zurückzuführen. Für die Nachforderungen des Finanzamtes im Zuge der seit 2009 laufenden Betriebsprüfung und die nachzuentrichtenden Beiträge an die Künstlersozialkasse, reichten die in den Vorjahren gebildeten Rückstellungen aus. Ein Plus beim operativen Ergebnis des Reisebetriebs, höhere Werbeeinnahmen bei der Schwäbischen Heimat und eine unverändert gute Spendenbereitschaft der Mitglieder waren die positiven Seiten des Jahresabschlusses, der ohne Beanstandungen die Kontrolle des Kassenprüfers durchlaufen hat.
Bei den turnusmäßig anstehenden Wahlen zum Vorstand, wurden alle Vorstände in offener Abstimmung einstimmig wiedergewählt. Der aus dem Gremium ausscheidende Dr. Walter Kilian, wurde zum Ehrenmitglied gewählt. In das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden wurde Gerhard Obergfell gewählt, der dem Vorstand schon seit etlichen Jahren angehört. Neu im Vorstand ist Ministerialdirektor a. D. Dr. Albrecht Rittmann. Der 63-Jährige bringt eine beachtliche berufliche und persönliche Expertise in den Vorstand ein. Seine berufliche Tätigkeit war häufig mit dem Bauen verbunden, unter anderem im Innenministerium (Denkmalschutzreferat) aber auch mit wichtigen und interessanten Verwaltungsaufgaben, wie der des Chefs des Protokolls im Staatsministerium, die Rittmann für zehn Jahre innehatte. Weitere Stationen führten Rittmann als Abteilungsleiter ins Umweltministerium und als Amtschef ins Ministerium für Landwirtschaft und den Ländlichen Raum. Dr. Rittmann hat von Dr. Walter Kilian den Vorsitz im Ausschuss für Denkmalpflege und Städtebau übernommen.
Mit dem Dank an die rund 200 Ehrenamtlichen in den unterschiedlichsten Gremien und Ortsgruppen des Vereins und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle beschloss Fritz-Eberhard Griesinger den offiziellen Teil der Mitgliederversammlung.
Vielfältige Aktivitäten
Am Nachmittag machten sich die Mitglieder ein facettenreiches Bild von der erfolgreichen Arbeit der Nürtinger Regionalgruppe, die mit ihren rund 180 Mitgliedern seit Jahren in der politischen und kulturellen Diskussion der Neckarstadt eine deutlich hörbare Stimme spricht. Projekte wie die Digitalkopie des in der Dürerzeit gefertigten Nürtinger Altars in der Stadtkirche St.Laurentius, der Blockturm mit der vom Nürtinger Heimatbund betriebenen Dokumentations- und Gedenkstätte für die Person und das Werk des Nürtinger Kunsterziehers und Künstlers Otto Zondler (1900–2001) und das angrenzende Gebäude Strohstraße 15 aus dem Jahr 1394 erlaubten einen beeindruckenden Blick in die vielen Aktivitäten dieser lebendigen und erfolgreichen Regionalgruppe. Weitere Stationen waren der Alte Friedhof mit einigen durch eine Spendenaktion des Heimatbunds geretteten Grabsteinen und ein römisches Landhaus aus dem 2./3. Jahrhundert, dessen Freiluftrestaurierung nicht zuletzt durch das engagierte Eintreten der Regionalgruppe zustande kam. Eine Station des Rundgangs war auch die katholische Stadtkirche St. Johannes, die Hajekkirche, für deren komplette Unterschutzstellung als Denkmal inklusive der Gemälde und Ausstattung von Otto Herbert Hajek, die dieser im Zeitraum zwischen 1951 und 1992 gestaltet hat, sich der Nürtinger Heimatbund gemeinsam mit Mitstreitern einsetzt. Fazit des Nachmittagsprogramms: Erkenntnisreiche, spannende Stunden in einer Stadt, die nicht zuletzt durch das Engagement der SHB-Regionalgruppe wie geschaffen zum Wiederkommen ist.
Das ausführliche Protokoll der Mitgliederversammlung ist in der Geschäftsstelle erhältlich.
Volker Lehmkuhl
