Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2015

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2015

Eine Sonderkommission für die Kulturlandschaft

Schafe auf der Weide

Wenn es um effektive Ergebnisse geht, macht den Mitgliedern der SOKO Steigbergsteigle in Lichtenstein im Kreis Reutlingen niemand etwas vor. Die Schülerinnen und Schüler der GHS Lichtenstein, die die SOKO bilden, unterstützen seit 2012 die Landschaftspflege auf der Wacholderheide. Damit haben sie jetzt den Jugend-Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg gewonnen. Weitere fünf Preisträger aus ganz Württemberg engagieren sich zum Beispiel für eine klösterliche Wasserversorgung, kämpfen gegen die Verwaldung von Schwarzwaldtälern oder leisten Öffentlichkeitsarbeit zum Streuobstanbau. Drei Preisträger erhalten den Sonderpreis zur Erhaltung von Kleindenkmalen.

Den Jugendpreis loben der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg zum zweiten Mal in der 25-jährigen Geschichte des Preises aus. Ziel ist, das Engagement junger Menschen für die Kulturlandschaft besonders hervorzuheben. Die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klasse der GHS Lichtenstein, von denen viele einen Migrationshintergrund haben, bauen so konkrete Beziehungen zu ihrer jetzigen Heimat und deren prägender Landschaft auf, freut sich Josef Kreuzberger, der im Juni neu gewählte Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes.

Ansporn und Ermutigung

Ebenso beeindruckend sind die Leistungen der anderen Preisträger: In Maulbronn haben Einheimische und Teilnehmer eines internationalen Jugendcamps die historische Wasserversorgung des dortigen Zisterzienserklosters wieder hergerichtet und in Herrenberg wurden Wanderwege und Informationstafeln für Streuobsterlebnispfade eingerichtet. Die Weidegemeinschaft Goißatäle bewahrt mit der Hilfe von Ziegen und Schafen den Charakter eines Teils des oberen Filstales. Mit der Preisverleihung wollen die Auslober erfolgreiche Aktionen zum Erhalt der vielfältigen traditionellen Kulturlandschaften in Württemberg bekannter machen und zur Nachahmung anregen. Belohnt werden die sechs Preisträger des Kulturlandschaftspreises und der drei Sonderpreise Kleindenkmale mit einem Preisgeld von insgesamt 10.500 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt. Insgesamt hatten sich 56 Initiativen, Vereine und Privatpersonen um den Kulturlandschaftspreis und den Sonderpreis beworben.

Festveranstaltung

Überreicht wurden alle Preise am 28. Oktober 2015 in der Stadthalle (Kloster-Fruchtkasten) in Maulbronn (Enzkreis) von Minister Alexander Bonde, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.

Übersicht

Jugend-Kulturlandschaftspreis

Die Hauptpreisträger 2015 (von Nord nach Süd)

Sonderpreis Kleindenkmale

Jugend-Kulturlandschaftspreis 2015

SOKO Steigbergsteigle, Grund- und Hauptschule Lichtenstein (Kreis Reutlingen)

Kinder räumen Gestrüpp weg

2011 erklärte sich die GHS Lichtenstein bereit, die ein Jahr zuvor angelaufenen Pflegemaßnahmen auf einer Wacholderheide am nahe gelegenen Steigberg tatkräftig zu unterstützen. Seit längerem war das landschaftstypische Erscheinungsbild gefährdet, nachdem beispielsweise die Beweidung mit Schafen nachgelassen hatte. Im Rahmen einer Schulkooperation pflegen seit Herbst 2012 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 die Heide und sorgen wieder für ein offenes Landschaftsbild, wie es seit Jahrhunderten charakteristisch war. Viele der Jugendlichen, die zu großen Teilen einen Migrationshintergrund haben, bauen so konkrete Beziehungen zu ihrer jetzigen Heimat und deren prägender Landschaft auf. Sie engagieren sich auf umfassende Weise im Naturschutz und dem Erhalt der Kulturlandschaft.

Kulturlandschaftspreis 2015

(von Nord nach Süd)

Bürgerverein Schmie e.V., Maulbronn (Enzkreis)

Jugendliche bauen mit Holz

Der Bürgerverein setzt sich seit langem nicht nur für die Förderung erhaltenswerter Kulturdenkmale, sondern auch für den Landschaftsschutz ein. Im Jahr 2014 kooperierte er mit dem Forstamt Enzkreis und der Internationalen Begegnung in Gemeinschaftsdiensten e.V. (IBG), um mit den Freiwilligen eines Internationalen Workcamps das historische Wasserbewirtschaftungssystem der Maulbronner Zisterzienser zu pflegen. Das System ist Teil des Weltkulturerbes Kloster Maulbronn. Im Rahmen des Jugendcamps wurden die Gräben wieder durchlässig und funktionstüchtig gemacht, Laubrechen errichtet, der Zustand der historischen Wasserversorgung dokumentiert und Tafeln zur Information der Öffentlichkeit vorbereitet. Mitglieder des Vereins nahmen an den Pflegemaßnahmen aktiv teil. Bürgerverein und Landkreis beabsichtigen, internationale Jugendcamps dieser Art auch in Zukunft fortzusetzen.

Nebenerwerbslandwirte, Landschaftspfleger und Tierhalter, Bad Herrenalb (Kreis Calw)

Bachlauf in einem weiten Tal

In der Nordschwarzwald-Kommune hat sich vor sieben Jahren eine Gruppe zusammengeschlossen mit dem Ziel, die ursprüngliche Kulturlandschaft ihrer Stadt wieder zurück zu gewinnen. Zahlreiche Nebenerwerbslandwirte, Landschaftspfleger und Tierhalter betreiben seither eine aktive Offenlandpflege. Sie kämpfen durch Entbuschung und Beweidung mit Rindern, Ziegen und Schafen gegen das Zuwachsen offener Bereiche und die drohende Verwaldung, drängen landschaftsuntypische Vegetation zurück, machen sogar Steillagen wieder für die Landwirtschaft zugänglich, legen Viehtriebe frei, wandeln Wald zu Weidefläche um, legen Steinriegel und Trockenmauern frei und manches mehr.

Bürgerprojekt Streuobsterlebnis Herrenberg (Kreis Böblingen)

Holzstele mit angebissenem Apfel darauf

Herrenberg besitzt das größte zusammenhängende Streuobstgebiet im gesamten Landkreis. Bürgerinnen und Bürger haben erkannt, dass diese einzigartige und landschaftsbildprägende Kulturlandschaft erhalten werden muss. So formierte sich 2012 die Bürgergruppe Streuobsterlebnis Herrenberg. Sie setzt sich nicht nur durch zahlreiche Pflegemaßnahmen für den Erhalt der Landschaft ein, sondern betreibt in hohem Maß Öffentlichkeitsarbeit mit Führungen, Schnittkursen, Pädagogik und Beweidungskonzepten. Über 3.000 ehrenamtliche Stunden wurden bereits eingebracht. Ziel der Gruppe ist es insbesondere, dem heutigen Konsumverhalten ein bewusstes Wahrnehmen von traditionellen Werten entgegenzusetzen, die auch heute noch (oder wieder) von großer Bedeutung für Mensch und Natur sind.

Weidegemeinschaft Goißatäle, Gruibingen, Mühlhausen und Wiesensteig (Kreis Göppingen)

Ziegenherde

Der fünfköpfigen Weidegemeinschaft im historischen Geißental, einem Abschnitt des oberen Filstals am Rande der Schwäbischen Alb, geht es erklärtermaßen um die Erhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes der Region, das traditionell durch Beweidung, Streuobstwiesen und eine reiche Flora mit Wildpflanzen und Orchideen geprägt ist. 150 Ziegen, 50 Fuchsschafe und 120 Heidschnucken eignen sich besonders als vierbeinige Landschaftspfleger auf Heideflächen und Trockenrasen. Auch das Fleisch der Tiere ist wegen der Weidegräser, die als alleinige Nahrung dienen, sehr hochwertig und wird von der Weidegemeinschaft vermarktet.

Sonderpreis "Kleindenkmale" 2015

Projektgruppe "Erhalten und Gestalten" des Heimat- und Kulturvereins Assamstadt (Main-Tauber-Kreis)

Drei Säulen in der Landschaft

Die 190 Mitglieder des Vereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte ihrer Heimat auch für nachfolgende Generationen zu vermitteln und erlebbar zu machen. Unter anderem setzen sie sich dabei ehrenamtlich für die Erforschung, Dokumentation und Renovierung aller 67 Assamstadter Kultur- und Kleindenkmäler ein, darunter zahlreiche Bildstöcke, ein Kreuzweg, Gedenksteine und anderes mehr.

Günther Dangelmaier, Schwäbisch Gmünd-Hussenhofen (Ostalbkreis)

gusseisernes Kreuz

Mit dem aufwändig gestalteten 140-seitigen Buch Kleindenkmale unserer Heimat ist es Günther Dangelmaier gelungen, die gesamte Bürgerschaft seiner Gemeinde mit unzähligen Bildern und lesenswerten Texten mitzunehmen auf eine Reise durch die Kleindenkmallandschaft von Hussenhofen. Insgesamt dokumentierte er rund 50 Zeitzeugnisse aus Holz, Stein und Metall und verfasste die zugehörigen Geschichten. Der Autor ist davon überzeugt, dass diese Orte und Denkmale auch in der heutigen Zeit Halt und Orientierung bieten.

Förderkreis zur Erhaltung der Wiblinger Kapellen, Flurkreuze, Bildstöcke und Kleindenkmale e.V., Wiblingen (Stadt Ulm)

Kapelle eingerüstet

Der 120-köpfige Verein engagiert sich seit einigen Jahren beim Erhalt zahlreicher Kleindenkmale. Dazu gehören insbesondere die Bestandsaufnahme, Katalogisierung und Dokumentation aller Wiblinger Kapellen, die Organisation von Sanierungsmaßnahmen, die Zusammenarbeit mit Behörden, Spendensammlungen und Öffentlichkeitsarbeit. Einige Mitglieder legen bei Instandsetzungen selbst ehrenamtlich Hand an. Herausragend war der Einsatz des Vereins seit dem Jahr 2014, als es galt, die barocke Nepomuk-Kapelle an der Ulmer Straße am Stück um einige Meter zu versetzen. Zugleich wurden Gebäude und Ausstattung unter großer Anerkennung durch die Bürgerschaft saniert und restauriert.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern

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