Das SHB-Naturschutzgebiet Grafenberg

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Das SHB-Naturschutzgebiet Grafenberg

Öhmden am Schönbuchrand

Gruppenbild der Helfer vor einem Traktor

Öhmden am Schönbuchrand

Soweit es das Wetter zulässt, führen wir normalerweise in jedem Jahr eine herbstliche Heuaktion durch: in diesem Jahr am 27. Oktober 2017 (eine Anmeldung ist hilfreich). Die Heuernte im Sommer und gegen Jahresende (Öhmd) ist zum Erhalt der blütenreichen Wiesen notwendig. Neben der Mahd muss auch der angrenzende Waldsaum wieder zurückgedrängt und die Staffeln hinauf zum Grafenberg freigeschnitten werden. Wer Lust hat, ist herzlich eingeladen. Infos gibt es bei der Geschäftsstelle.

Treffpunkt um 14 Uhr ist die Kelter in der Ortsmitte von Herrenberg-Kayh. Unterstützung aus Herrenberg (Staatliches Forstamt, BUND und Kulturkreis) und aus Tübingen, insbesondere von unseren dortigen Mitgliedern nehmen wir gerne an. Alle Beteiligten sollten wetterfeste Kleidung, rutschfestes Schuhwerk und dornenabweisende Arbeitshandschuhe nicht vergessen. Nach der Arbeit gibt es ein zünftiges Vesper.

Luftaufnahme vom Grafenberg

Grafenberg
Markungen Mönchberg und Kayh, Stadt Herrenberg, Kreis Böblingen

Bergsporn am westlichen Schönbuch-Südhang. Naturschutzgebiet seit 1969. Die Flächen des SHB umfassen den gesamten Bergsporn mit etwa 6 Hektar.

Der Kernbereiche des Gebiets sind außerordentlich trittempfindlich und erosionsgefährdet. Sie sollten daher nicht betreten werden.
(Luftaufnahme vom Juli 1983)

Der Grafenberg ist ein Bergsporn am westlichen Schönbuch-Südhang mit trockenem Waldsaum und Halbtrockenrasen auf Bunten Mergeln am Steilhang. Das Mosaik von genutzten Obstwiesen, Hecken und gebüschdurchsetzten offenen Flächen ist Lebensraum seltener, gefährdeter Pflanzen und Tiere. Das warme Lokalklima begünstigt in der Umgegend den Anbau von Süßkirschen, die an den Hängen zu finden sind. Der Schwäbische Heimatbund hat seit Jahrzehnten Grundbesitz am Grafenberg und ist durch Tausch mit dem Verein für vaterländische Naturkunde in den Besitz des gesamten Bergvorsprungs gekommen, dessen höchster Punkt 560m über NN liegt.

Früher und Heute

Vor dem Dreißigjährigen Krieg diente der Grafenberg vornehmlich dem Weinbau. 1935 wurden die letzten Weinberge aufgegeben. Seit dem 19. Jhd. spielt auch der Obstbau eine wesentliche Rolle, darunter die Kirsche. Auch Hopfenanbau wurde zeitweilig betrieben.
Der Grafenberg ist heute vor allem wegen einer seltenen Pflanze bekannt, der Ungarischen Platterbse. Von dieser Pflanze gibt es in Deutschland nur zwei Standorte: einen am Hirschauer Berg bei Tübingen und den am Grafenberg. Sonst ist sie ca. 300 km weiter östlich beheimatet. Bei uns ist sie ein Relikt aus einer Zeit mit anderen klimatischen Verhältnissen. Für ihren Verbleib spielt das warme und niederschlagsarme Kleinklima am Schönbuchhang eine wichtige Rolle.

Pflanzenwelt

Mischwiese am Grafenberg

Bunte Salbei-Glatthaferwiesen am Grafenberg

Die oberen Hangbereiche und Verebnungen werden vom Wald eingenommen. Von den Waldgesellschaften wären etwa Fingerkraut-Eichenwald, Elsbeeren-Hainbuchen-Wald und Seggen-Buchenwald zu erwähnen. Die Zahl der verschiedenen Kennarten der Krautschichten ist hoch; zu ihnen zählen Wiesen-Schlüsselblume, Rauhhaar-Veilchen, Pfirsichblättrige Glockenblume oder die Ästige Graslilie. Es kann davon ausgegangen werden, dass die in den 1930er Jahren beschriebenen Steppenheidewälder derzeit in gleicher oder ähnlicher Form anzutreffen sind.
An die Waldrandbereiche und Gebüsche schließen sich stellenweise wärmeliebende Saumgesellschaften an. Dazu gehören die erwähnte Ungarische Platterbse, der Blutrote Storchschnabel, das Sichel-Hasenohr, Großer Ehrenpreis oder Pimpinell-Rose.

Die ein- bis zweischürig bewirtschafteten Wiesen der trockenen Standorte, die den größten Teil der Wiesenflächen im erweiterten Naturschutzgebiet ausmachen, gehören zu den Salbei-Glatthaferwiesen. Neben dem namengebenden Wiesen-Salbei sind auch andere Trockenheitszeiger wie Knäuelglockenblume, Knolliger Hahnenfuß, Mittlerer Klee und Tauben-Skabiose zu finden. Solche Wiesen gehören, vor allem wenn sie extensiv bewirtschaftet werden, zu den buntesten und blütenreichsten Pflanzengesellschaften unserer Flora.

Tierwelt

Zur Tierwelt dieses Gebiets gehören zahlreiche Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel, Schnecken, Spinnen und. Von der Vogelwelt sind besonders Neuntöter, Dorngrasmücke, Mittelspecht und Berglaubsänger hervorzuheben. Letztgenannter hat in Baden-Württemberg nur noch wenige isolierte Vorkommen und ist stark gefährdet. Die Reptilienfauna zeichnet sich durch das Vorkommen der Schlingnatter aus; ihre Hauptlebensräume sind die offenen Saumbereiche und die Magerrasen. Besonders gut untersucht ist die Heuschreckenfauna. Ebenfalls bemerkenswert ist die Käferfauna. Neben den beiden geschützten Sandlaufkäferarten Cicindela campestris und C. silvicala haben hier einige regional gefährdete Lauf-, Bock- und Blattkäfer ihren Lebensraum. Schließlich kom-men im Gebiet einige gefährdete Schmetterlings- und Wildbienenarten vor, die zum Teil eng begrenzte Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Gefährdet ist das Gebiet vor allem durch die Aufgabe der traditionellen, extensiven Wiesennutzung.

Einmalige Eindrücke

Besonders reizvoll ist eine Wanderung zur Zeit der Kirschblüte. Ab Mai blüht auf den noch extensiv genutzten Wiesen der Wiesensalbei. Von bestimmten Stellen aus ist bei klarer Sicht der Blick auf das Neckartal bis zur Schwäbischen Alb überwältigend.

Über die Schutzgebiete des Schwäbischen Heimatbundes gibt es ein Sonderheft der 'Schwäbischen Heimat'. (1991). Es ist bei der Geschäftsstelle zum Preis von 4,- Euro erhältlich Info über das Sonderheft zu den Schutzgebieten des SHB