Das SHB-Naturschutzzentrum im Pfrunger-Burgweiler Ried mit neuen Gebäuden und neuer Ausstellung

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Das SHB-Naturschutzzentrum im Pfrunger-Burgweiler Ried mit neuen Gebäuden und neuer Ausstellung

Attraktives Ausrufezeichen für Naturschutz und Tourismus

(Mai 2012)

Gebäude

Der Neubau des Naturschutzzentrums (alle Fotos auf dieser Seite: Volker Lehmkuhl)

Mit dem Neubau des Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg) setzen der Schwäbische Heimatbund und die Gemeinde Wilhelmsdorf ein markantes Signal für den Naturschutz und die Umweltbildung in der zweitgrößten Moorlandschaft Südwestdeutschlands. Die neue, interaktive Ausstellung und die zahlreichen Mitmachangebote des Naturschutzzentrums stärken auch den Tourismus in der Ferienregion Nördlicher Bodensee. Am Sonntag, den 13. Mai, wurde das neue Naturschutzzentrum bei einem Tag der offenen Tür erstmals geöffnet.

Das architektonisch herausragende Gebäude, geplant von den Ravensburger Architekten Wolfgang Selbach und Jürgen Kneer und erst vor Kurzem ausgezeichnet mit dem Holzbaupreis des Landes Baden-Württemberg, interpretiert zeitgemäß Stilelemente der traditionellen Torfstecherhütten im Pfrunger-Burgweiler-Ried durch die Verwendung von viel Holz und Glas. Eine energieeffiziente Erdsonden-Wärmepumpe sowie eine Photovoltaikanlage gewährleisten einen umweltfreundlichen Betrieb.

Lesen Sie mehr über die Vorgeschichte des neuen Naturschutzzentrums und seine besondere Architektur

... über die neue Ausstellung


Gebäude

Auf insgesamt rund 490 Quadratmetern beherbergt der Neubau eine komplett neu gestaltete, interaktive Ausstellung zur Moorentstehung, der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Kulturgeschichte der zweitgrößten Moorlandschaft im deutschen Südwesten. Ein Vortragsraum mit Bewirtungsoption und ein Seminarraum bieten den Besuchern ein angenehmes Ambiente und zusätzliche Fortbildungsmöglichkeiten. Das neue Gebäude ersetzt den nun durch die Verwaltung genutzten, in die Jahre gekommenen Altbau und ergänzt das vor allem von Schulklassen und Besuchergruppen genutzten Sommerklassenzimmer und die Naturerlebnisschule.

am Rednerpult

Ministerialdirektor Wolfgang Reimer, Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz

Insgesamt rund 1,86 Millionen Euro investierten der Verein und die Gemeinde mit der Unterstützung von Bund, dem Land Baden-Württemberg sowie zahlreicher Sponsoren in das neue Gebäude und die Ausstellung. Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz sagte bei einer Feierstunde am 8. Mai 2012: Es ist eindrucksvoll, was hier im Pfrunger-Burgweiler Ried innerhalb von zwei Jahrzehnten mit viel Engagement geschehen ist. Das Naturschutzzentrum leistet hier seit Jahren eine hervorragende Arbeit. Seinen Erfolg verdankt es nicht zuletzt seinen Partnern und der festen Verankerung in der Region. Mit dem Neubau erfährt das Zentrum eine wichtige Aufwertung, und die Region erhält einen weiteren Besuchermagneten. Naturschutzzentren sind ein ideales Instrument für einen Naturschutz, so wie wir ihn wollen: einen Naturschutz, der den Kontakt sucht, das Gespräch führt und konsensorientiert ist. Naturschutzzentren - ob von der öffentlichen Hand betrieben oder wie hier von einem Verband - sollten daher in der derzeit weiter entwickelten neuen Naturschutzstrategie des Landes fest verankert werden. Was mir besonders wichtig ist, wird hier im Ried im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes vorbildlich umgesetzt, wie die Beispiele Bohlenwege und Beobachtungsplattform zeigen: Über das Naturerleben wird das Gefühl für die Verantwortung geweckt, die jeder hat, der sich in der Natur bewegt.


Gebäude

Die reinen Baukosten von 1,56 Millionen Euro (ohne Ausstellung) werden maßgeblich durch Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II des Bundes in Höhe von 900.000,- Euro gedeckt, die dank der vorausschauenden Erarbeitung einer Projektstudie kurzfristig durch den Schwäbischen Heimatbund und die Gemeinde gesichert werden konnten. 225.000 Euro steuert Wilhelmsdorf aus Eigenmitteln bei, weitere 250.000 Euro kommen aus dem Ausgleichstock des Landes Baden-Württemberg und wurden durch die Gemeinde Wilhelmsdorf beantragt. Gut 185.000 Euro tragen der Schwäbische Heimatbund und die Schmidmaier-Rube-Stiftung des Vereins, die die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Naturschutzzentrums finanziert hat.

Ausstellung zum Mitmachen

Ausstellungsraum

Bei der Gestaltung der neuen Ausstellung legten die Experten des renommierten Büros Kessler aus Mülheim an der Ruhr, unterstützt vom einem ehrenamtlichen Ausschuss unter der kompetenten Leitung von Ulrich Schmid vom Naturkundemuseum Stuttgart, besonderen Wert auf interaktive Angebote, die gerade Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene ansprechen. Überall gibt es etwas zum Ausprobieren, Raten, Fühlen, Bewegen oder Anschauen. Den Auftakt macht der interaktive Tisch, ein großer berührungsempfindlicher Bildschirm, der die gesamte Riedlandschaft und ihre Umgebung zeigt. Mit einem Fingertipp können bis zu vier Personen gleichzeitig weitere Informationen abrufen und an einem Ried-Quiz teilnehmen. Insgesamt neun solcher interaktiver Forschungsinseln sind unterschiedlichen Aspekten gewidmet. Etwa der Entstehung der unterschiedlichen Moortypen, den besonderen Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere, der Nutzung des Moores durch den Menschen, Informationen zur aktuell stattfindenden Wiedervernässung des Moores im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes, die Bedeutung eines intakten Moores für den Klimaschutz sowie die Rolle der jüngst im Pfrunger-Burgweiler Ried ausgewiesenen größten Bannwaldfläche in Baden-Württemberg. Das entsprechende Ausstellungselement wurde von der Forstverwaltung Baden-Württemberg finanziert.

Auch für die anderen Forschungsinseln konnte der Schwäbische Heimatbund zahlreiche Unterstützer finden: die Hofbräu Umweltstiftung, die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg, die Stiftung Naturschutz Pfrunger Burgweiler Ried, der Sparkassenverband Baden-Württemberg, die EnBW, die OEW sowie Spenden von Mitgliedern und Eigenmittel des Schwäbischen Heimatbunds decken die rund 300.000 Euro, die die Ausstellung gekostet hat. Maskottchen und Sympathieträgerin der Ausstellung ist die Sumpfschildkröte Emy, die immer wieder auf den erläuternden Themensegeln und anderen Medien auftaucht und zum Mitmachen auffordert.

Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte

Das nun eröffnete neue Ausstellungs- und Seminargebäude ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahrzehnten andauernden, guten und engen Zusammenarbeit zwischen dem Schwäbischen Heimatbund und der Gemeinde Wilhelmsdorf, in die die umliegenden Gemeinden und die Raumschaft mit einbezogen sind. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Verein Flächen im Pfrunger-Burgweiler Ried für den Naturschutz erworben und dieses Engagement stetig ausgebaut, sodass heute rund 180 Hektar dem Verein gehören und weitere Flächen im Auftrag des Landes Baden-Württemberg naturschutzfachlich betreut werden. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde der erste Teil des Riedlehrpfades errichtet. Anfang der 1990er Jahre erwarb die Gemeinde ein benachbartes Gebäude, das sie im Rahmen eines Nutzungsvertrages dem Heimatbund zur Verfügung stellte, der darin mit viel Eigeninitiative eine Ausstellung einrichtete und ab Oktober 1994 unter der Leitung von Lothar Zier als Naturschutzzentrum in Betrieb nahm. Seit 2003 wird das Naturschutzzentrum von der Diplom-Biologin Pia Wilhelm geleitet und erweiterte sein Angebot um die Umweltbildung und die Naturpädagogik vor allem für Schulklassen und Jugendgruppen. Da der Altbau mit seinen beiden kleinen Ausstellungsräumen bald aus allen Nähten platzte, wurden 1997 das unbeheizte Sommerklassenzimmer neu errichtet und im Jahre 2000 die Naturerlebnisschule gebaut. Damit ist es möglich, jährlich über 190 Veranstaltungen mit circa 5.000 Besuchern durchzuführen, die mittlerweile auch eine wichtige Rolle in der Tourismuskonzeption der Region inne haben.

Die Gemeinde Wilhelmsdorf sowie die weiteren Riedgemeinden Ostrach und Königseggwald und die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen unterstützen das Naturschutzzentrum seit jeher sowohl politisch als auch finanziell. So wurde 2003 die Nutzungsüberlassung in ein Erbbaurecht für 66 Jahre umgewandelt. Ausdruck der Anerkennung ist auch die jährliche finanzielle Unterstützung des Naturschutzzentrums durch die Gemeinden und Kreise seit 2006 beziehungsweise 2007 in der Größenordnung von knapp 30.000 Euro.

Das seit 2002 laufende Naturschutzgroßprojekt des Bundes im Pfrunger-Burgweiler Ried kam ebenfalls auf Initiative der Partner zustande und stärkt durch Grunderwerb und Wiedervernässung einerseits die naturschutzfachliche Bedeutung des Rieds für seltene Tiere und Pflanzen sowie den Klimaschutz und steigert andererseits durch eine attraktive Besucherführung und Aussichtsplattformen die Attraktivität der einzigartigen Landschaft für die Bevölkerung und Besucher gleichermaßen.