Beginn der Vernässungsmaßnahmen im Hochmoor

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Beginn der Vernässungsmaßnahmen im Hochmoor

Neues vom Naturschutzgroßprojekt (Herbst 2007)

Das wichtigste Ziel des Naturschutzgroßprojektes Pfrunger-Burgweiler Ried, das mit Unterstützung des Bundes, des Landes Baden-Württemberg, der Landkreise Sigmaringen und Ravensburg, der Gemeinden Wilhelmsdorf, Ostrach, Königseggwald und Riedhausen sowie des Schwäbischen Heimatbundes durchgeführt wird (siehe die eigene Internetpräsenz www.riedstiftung.de (öffnet eigenes Fenster), ist die Wiederherstellung naturnaher hydrologischer Bedingungen für den Erhalt und das Wachstum der verschiedenen Moorlebensräume. Das 2.600 ha große Pfrunger-Burgweiler Ried ist kein einheitliches großes Moor, sondern wird - ihrer Entstehung gemäß - in verschiedene hydrologische Teilgebiete eingeteilt. Die beiden wichtigsten und empfindlichsten sind die Herzstücke, die beiden Hochmoorschilde Großer Trauben und Tisch. Sie sind durchzogen von einem Netz von Entwässerungsgräben, in den das Wasser auf schnellstem Wege aus dem Moor herausgeleitet wurde. Durch diesen Wasserentzug kam es zu Torfsackung und Torfschwund.

In einem gesunden, wassergesättigten Regenmoor, wie das Hochmoor auch genannt wird, beherrschen Torfmoose die Vegetation. Sie sind unabhängig vom Grundwasser und ernähren sich von den spärlichen Inhaltsstoffen im Regen, den sie wie ein Schwamm aufsaugen. Im Austausch für die Nährstoffe geben sie - im Überschuss vorhandenen - Wasserstoff ab. Torfmoose haben keine Wurzeln, sie vermögen das Niederschlagswasser über die ganze Pflanzenoberfläche in speziellen Flaschenzellen zu speichern.

Pflanze

Rundblättriger Sonnentau

Durch das Tauschgeschäft mit dem Regen wird das Milieu im Hochmoor sauer. Die Nährstoffarmut und die saure Umgebung begrenzt die Anzahl der Pflanzen, die zum Teil hoch spezialisiert sind - wie z.B. die Insekten fressenden Pflanzen, die den zum Wachsen notwendigen Stickstoff aus den an Eiweiß reichen Körpern kleiner Kerbtiere beziehen. Am bekanntesten ist der Rundblättrige Sonnentau Drosera rotundifolia, dessen Blütenstand das Logo des SHB-Naturschutzentrums darstellt. Die einzige Baumart, die hier normalerweise noch wachsen kann, ist die Moorkiefer oder Spirke Pinus mugo, die allenfalls in niedrig kuschelig wachsender Form auftritt.

Unter natürlichen Bedingungen wachsen die Torfmoose (Sphagnum spec.) an der Spitze immer weiter in die Höhe und bilden nach unten hin den Hochmoortorf, der einen durchschnittlichen Zuwachs von ca. 1 mm im Jahr hat. Es vergehen also tausend Jahre, bis ein Meter Hochmoortorf entstanden ist!

Bei andauerndem Wassermangel sterben die Torfmoose ab, es dringt Luft in den Torf ein, was die Zersetzungsprozesse beschleunigt. Gespeicherte Nährstoffe - vor allem Stickstoff - werden frei gesetzt, was wiederum dazu führt, dass die Spirken in den Himmel wachsen. Birken und andere Baumarten können sich ansiedeln und entwässern das Moor zusätzlich.

Wasserstandsanzeiger

Wasserpegel in einem Entwässerungsgraben im Großen Trauben

Um diese Entwicklung aufzuhalten bzw. umzukehren, muss nun verhindert werden, dass das Niederschlagswasser verloren geht. Hierzu ist es geplant, die Entwässerungsgräben mit 66 Querbauwerken im Tisch und mit ca. 70 Querbauwerken im Großen Trauben zu verschließen und so das Wasser zurückzuhalten.

Die Querbauwerke im Tisch bestehen aus rundholzarmierten Torfwehren, d.h. es werden in vorher genau festgelegten Abständen Fichtenrundhölzer in den Boden gerammt und mit weitgehend wasserundurchlässigem Torf in einem bestimmten Zersetzungszustand abgedichtet. Hierfür wird ein Spezialbagger mit großer Spurbreite und einem Bodendruck von weniger als 200 g/qcm verwendet, um die Schäden in der empfindlichen Vegetationsdecke so gering wie möglich zu halten.

Die benötigten Rundhölzer werden mit einem Hubschrauber an Ort und Stelle transportiert, damit auch durch den Transport möglichst wenig Flurschaden entsteht. Im Umfeld der Querbauwerke müssen Bäume gefällt werden, damit der Bagger hier arbeiten kann. Mit der Durchführungsplanung wurde das Ingenieurbüro Dr. Kapfer, Tuttlingen, von der Stiftung Naturschutz (Projektträger) beauftragt. Die Forstverwaltung fängt in den nächsten Wochen mit den vorbereitenden Holzarbeiten an.

Für die Vernässungsmaßnahmen ist ein Planfeststellungsverfahren für jedes Teilgebiet notwendig. Wie in Heft 3/2007 der Schwäbischen Heimat berichtet, wurde vom Landratsamt Sigmaringen nach nur fünf Monaten Verfahrenszeit am 2. Juli 2007 der Planfeststellungsbeschluss für die Teilgebiete Tisch und Großer Trauben erteilt.

Da die Spezialgeräte nicht gleichzeitig in beiden Teilgebieten arbeiten können, wird nun im Herbst mit den Maßnahmen im Teilgebiet Tisch begonnen. Der Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz hat nun in seiner Sitzung am 10. September 2007 die Aufträge für die Durchführung der Arbeiten erteilt.

Bau einer neuen Brücke über die Ostrach

Bagger und Kühe

Baubeginn für die Brücke über die Ostrach

Für eine weitere Maßnahme im Naturschutzgroßprojekt ist der Weg geebnet: Zur Beruhigung der zentralen Moorzone, die gleichzeitig auch für die Entwicklung eines großen Bannwaldgebietes vorgesehen ist, wird der landwirtschaftliche und motorisierte Verkehr im Bereich Ostrach-Laubbach künftig über eine neu zu erstellende Brücke über die Ostrach geleitet. Um zu ihren westlich der Ostrach gelegenen Flächen gelangen zu können, fuhren die Landwirte aus Laubbach bisher über die Brücke bei der Einmündung des Tiefenbachs in die Ostrach. Auch von privaten Pkw wurde der Fahrweg zwischen dem Hochmoor Tisch und der mineralischen Waldinsel Hornung wochentags genutzt. Dieser Bereich ist jedoch für die ungestörte Bannwaldentwicklung vorgesehen, sodass mit der neuen Brücke zwei Ziele erreicht werden können: Durch ständigen Torfschwund in der Umgebung und durch zunehmende Belastung der Brücke (häufigere Frequentierung mit immer schwereren Maschinen) hat diese in den vergangenen Jahren stark gelitten und musste mehrmals ausgebessert werden. Die neue Brücke nordwestlich von Laubbach wird den gestiegenen Ansprüchen durch die Landwirtschaft angepasst und leitet den Verkehr an den empfindlichen Bereichen vorbei. Die alte Brücke soll für den motorisierten Verkehr gesperrt werden und im Rahmen des Besucherkonzeptes für Wanderer und Radfahrer erhalten bleiben.

Mit der Durchführungsplanung wurde von der Stiftung Naturschutz das Ingenieurbüro Dr. Langenbach, Sigmaringen, beauftragt. Für den Bau der neuen Brücke und ihrer Zuwegung war ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren notwendig, das ebenfalls nun abgeschlossen und der Beschluss vom Landratsamt Sigmaringen erteilt wurde.

Am 5. Oktober 2007 lud die Stiftung Naturschutz die Entscheidungsträger, die Geldgeber sowie die Beteiligten und Betroffenen vor Ort zum Ersten Spatenstich an der Brücken-Baustelle ein.

Wanderung durch das Projektgebiet

Am Sonntag, 23.9.2007 luden die Stiftung Naturschutz, das SHB-Naturschutzzentrum und die NABU-Gruppe Wilhelmsdorf zu einer gemeinsamen Wanderung durch das Projektgebiet ein. Um 10 Uhr starteten 20 Teilnehmer in Ostrach-Burgweiler und wanderten unter der Leitung von Projektleiter Stephan Romer, Pia Wilhelm vom SHB-Naturschutzzentrum und Klaus Hoheisel vom NABU Wilhelmsdorf auf dem Riedwanderweg Burgweiler vorbei am Fünfeckweiher, am Hochmoor Tisch hinüber zur Ostrach und entlang der Ostrach Richtung Wilhelmsdorf. An verschiedenen Stationen erklärten die Exkursionsleiter die geplanten Maßnahmen im Naturschutzgroßprojekt. Unterwegs gab es natürlich auch viele Tiere und Pflanzen zu beobachten, weshalb die Gruppe bei strahlender Spätsommersonne bis zum frühen Nachmittag nur die Hälfte der Strecke bis zum Torfabbaugebiet Riedhof schaffte, wo sie die Wanderung in der im Eigentum der Gemeinde Wilhelmsdorf befindlichen Riedwirtschaft gemütlich ausklingen ließ. Es ist geplant, bei einer nächsten Wanderung die zweite Etappe in Angriff zu nehmen und dabei wieder interessierte Bürgerinnen und Bürger über das Naturschutzgroßprojekt zu informieren.

(Kontakt und weitere Informationen)

[Text und Fotos: Pia Wilhelm]