Wanderung zum Tag der Artenvielfalt im Naturschutzgroßprojekt mit Umweltministerin Tanja Gönner

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Wanderung zum Tag der Artenvielfalt im Naturschutzgroßprojekt mit Umweltministerin Tanja Gönner

viele Menschen beim Wandern

Rege Beteiligung bei der Wanderung durchs Moor mit Ministerin Gönner.

Bei strahlendem Wetter waren am Pfingstsamstag 2010 etwa 100 interessierte Menschen der Einladung der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried in Kooperation mit dem Schwäbischen Heimatbund, dem Schwäbischen Albverein und dem NABU gefolgt, um zusammen mit der Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Tanja Gönner, dem Regierungspräsidenten Hermann Strampfer und vielen Verantwortlichen und Akteuren des Naturschutzgroßprojekts das nördliche Projektgebiet bei Burgweiler zu durchwandern. Anlass war die bundesweite Wanderaktion, zu der das Bundesamt für Naturschutz zum Internationalen Tag der Artenvielfalt aufgerufen hatte.

Logo der Kampagne Gemeinsam Wandern

Die Wanderung war zudem Teil der weltweiten UN-Kampagne zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt. Vom 20. Mai bis zum 20. Juni fanden auf Initiative des Bundesumweltministeriums und Bundesamts für Naturschutz in ganz Deutschland Wanderveranstaltungen statt. Sie sollten dazu beitragen, eine möglichst breite Öffentlichkeit mit dem Begriff der biologischen Vielfalt (Biodiversität) vertraut zu machen. Moore gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen. Ihre Bedeutung für die Menschen, aber auch die Folgen ihres Verlustes sollen im Bewusstsein der Bevölkerung einen festen Platz finden.

Einführende Worte

Erster Vorstand Dieter Dziellak erläutert die Ziele der Stiftung.

Christoph Schulz, Bürgermeister von Ostrach und Vorsitzender des Stiftungsrats der Riedstiftung begrüßte als Hausherr die vielen Gäste am Grenzsteinmuseum bei Burgweiler, wohl wissend, dass unter ihnen auch einige kritische Bürger seiner Gemeinde waren. Dieter Dziellak, Erster Vorstand der Stiftung Naturschutz, wies darauf hin, dass das Großprojekt nicht nur ein Projekt der Stiftung sei, sondern vor allem ein Projekt des Bundes und des Landes, die 65% bzw. 25% der Projektkosten übernehmen. Für die Tatsache, dass nicht alle Anwohner des Rieds von der Wiedervernässung so begeistert sind wie die Akteure, zeigte die Ministerin Tanja Gönner Verständnis, wies aber darauf hin, dass der Moorschutz ganz oben auf der Agenda der Politik in Sachen Klima- und Naturschutz stehe.

Moore sind Kinder des Wassers, betonte der von der Riedstiftung beauftragte Planer Dr. Alois Kapfer, Ingenieur für Landschaftsplanung und Landentwicklung. Ohne Wasser ist ein Moor zum Sterben verurteilt und ihm verschwinden auch viele moortypische Pflanzen und Tiere, die bereits jetzt auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Ohne Wasser sackt der Moorboden zusammen und wird von Mikroorganismen abgebaut. Der in den Pflanzenresten im Boden gespeicherte Kohlenstoff verbindet sich mit dem Luftsauerstoff und wird zu Kohlendioxid einem klimaschädlichen Gas. Um dies zu verhindern, soll der Grundwasserspiegel im Ried auf Flächen, die dem Land, der Stiftung oder den Naturschutzverbänden gehören, wieder oberflächennah angehoben werden, ohne sie dauerhaft zu überstauen. Solche feuchten Grünlandflächen, deren Nutzung obendrein reduziert werden soll, sind unabdingbare Lebensgrundlage für viele Pflanzen und Tiere, die sich dem Spaziergänger nicht immer auf den ersten Blick erschließen. Eine beliebte Vogelart, die in elf Brutpaaren rings ums Ried vorkommt und die Herzen der Einheimischen und Besucher gleichermaßen erfreut, ist zum Beispiel der Weißstorch, der auf extensiv genutztes Feuchtgrünland angewiesen ist, um seine Jungen mit ausreichend Nahrung zu versorgen.

Einführende Worte

Projektleiter Bernd Reißmüller stellt die Maßnahmen der letzten Jahre zur Wiedervernässung vor.

Unter der Leitung des Zweiten Stiftungsvorstands Dr. Hans Gerstlauer wurden die Teilnehmer der Wanderung von Fachleuten zu verschiedenen Themen informiert, die alle eng mit der Artenvielfalt des Gebiets zu tun haben. Walter Jäger von der Abteilung Forst am Landratsamt Sigmaringen berichtete über das geplante Bannwaldgebiet im Naturschutzgroßprojekt. Unter dem Motto Totholz ist Lebensraum soll sich hier wieder ein natürlicher Waldbestand ohne menschliche Nutzung und Eingriffe entwickeln. Unzählige Tierarten profitieren davon. Bernd Reißmüller, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts, stellte die Wiedervernässungsmaßnahmen vor, die bereits in den vergangenen zwei Jahren vor den Toren Waldbeurens in den Hochmooren Tisch und Großer Trauben durchgeführt wurden. Frau Dr. Marion Zobel vom Referat Naturschutz am Regierungspräsidium Tübingen ging auf die naturschutzfachliche Bedeutung des Naturschutzgroßprojekts im Allgemeinen und auf die der Wiedervernässung im Besonderen ein. Pia Wilhelm, Mitarbeiterin in der Projektleitung und Leiterin des Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf, stellte am Tiefenbach den seit 5 Jahren eingewanderten Baumeister der Artenvielfalt den Biber vor. Dieser hat seine eigenen Pläne und schafft Lebensraum für viele andere wassergebundene Tier- und Pflanzenarten. Als Vertreter seiner Art saß der präparierte Biber der Grundschule Burgweiler am Ufer. Bei steigenden Temperaturen ging es dann hinüber zum Fünfeckweiher, wo Projektleiter Reißmüller auf das Besucherkonzept des Großprojekts einging. Die Menschen sollen nicht aus dem Ried ausgesperrt werden, aber es muss auch Ruhezonen für die Natur geben. Um das Moor erlebbar zu machen, wird es ein Wegenetz, Beobachtungsplattformen und Informationstafeln geben.

An der Weide, wo die Heckrinder des Betriebs Schwellinger, Waldbeuren, im Dienste des Naturschutzgroßprojekts Flächen des Landes pflegen, stellte Pia Wilhelm die extensive Beweidung als Instrument der Landschaftspflege vor. Viele Tierarten, vor allem Insekten und die davon abhängigen Vogelarten wie z. B. Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Neuntöter und Wiesenbrüter wie die Feldlerche und der Kiebitz profitieren von dieser Pflegemaßnahme. Und weil die Zahl der Rinder auf der zur Verfügung stehenden Fläche begrenzt sein muss, wurde ein begleitendes Vermarktungsprojekt ins Leben gerufen, das die Agraringenieurin Sabine Behr leitet und vor Ort vorstellte. Über die Vermarktung des Fleischs und der Wurstprodukte unter dem Namen Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried ist das Naturschutzgroßprojekt auch mit der Region und dem Tourismus verzahnt. Zum Abschluss stellten sich die Ministerin, die Referenten und die Projektakteure der Diskussion mit den Teilnehmern. Nochmals wurden Bedenken gegen die Wiedervernässung geäußert, die Notwendigkeit der Maßnahmen von den Referenten erneut erläutert. Die Ministerin appellierte an die Kritiker, den Mut zur Veränderung aufzubringen und den Weg mitzugehen, den Bund, Land und Stiftung Naturschutz gemeinsam eingeschlagen haben, um eines der letzten Moore in Süddeutschland zu retten und für die Natur und die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

(Pia Wilhelm, Mitarbeiterin Projektleitung)