„High-tech“ im Einsatz für den Naturschutz

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„High-tech“ im Einsatz für den Naturschutz

Zum Jahreswechsel 2007/2008: Über den Fortgang der Arbeiten im Naturschutz-Großprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried

Beginn der Vernässungsmaßnahmen im Hochmoor

Wie bereits berichtet, begannen Spätherbst 2007 die ersten Baumaßnahmen zur Rückvernässung im Teilgebiet Tisch im Pfrunger-Burgweiler Ried. Um hier wieder natürliche hydrologische Verhältnisse herstellen zu können und das Regenwasser im Hochmoor zurückzuhalten, wurden die in der Vergangenheit angelegten Drainagen zerstört und Entwässerungsgräben mit Querbauwerken verschlossen. Die Querbauwerke bestehen zum Teil aus rundholz-armierten Torfwehren, zum Teil aus reinen Torfwehren, die in die Gräben eingebracht wurden.

Zur Schonung der druckempfindlichen Hochmoorvegetation (vorwiegend Torfmoose) wurden die im benachbarten Staatswald Hornung geschlagenen Fichtenstämme für die rundholz-armierten Torfwehre per Hubschrauber in den Tisch an Ort und Stelle eingeflogen.

Fliegende Baumstämme über dem Moor

Für den Hubschrauber-Transport des Holzes beauftragte die Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried die Firma Helix Fluggesellschaft mbH in Neuenstein (Hohenlohekreis).

Ende Oktober war es dann soweit: Am Mittwoch, 24.10.2007 und am folgenden Tag flog der Hubschrauber nahezu im Minutentakt 165 Baumstämme von den Holzlagerplätzen an die geplanten Baustellen im Hochmoor. Diese waren vom Landratsamt Sigmaringen, Abteilung Forst, unter der Regie von Revierleiter Wolfgang Richter in den vergangenen Wochen frei geschlagen worden, um die Baustellen für den Einbau der Torfwehre vorzubereiten.

Der Zweite Vorstand der Stiftung Naturschutz Dr. Hans Gerstlauer, Bürgermeister von Wilhelmsdorf und der Stiftungsratsvorsitzende Christoph Schulz, Bürgermeister von Ostrach, beobachteten zeitweise die Transportflüge und informierten die Vertreter der Presse vor Ort über die Maßnahmen. Die Arbeiten des Transporthubschraubers wurden im Gelände begleitet von dem mit der Planung beauftragten Ingenieurbüro Dr. Kapfer, Tuttlingen, und von der Projektleitung.

Leichtfüßiges Schwergewicht mit langem Arm

Menschen sehen einem Bagger zu

Ein Spezialbagger hebt Boden für ein Querbauwerk aus. Um die Druckbelastung auf dem empfindlichen Moorboden zu verringern, beträgt die Spurbreite je 1,40 Meter.

Nachdem der Hubschrauber seinen Dienst geleistet hatte, rückte am 7. November ein Spezialbagger der Firma Terratop(R) H. Hobmaier GmbH aus Bodenkirchen (Kreis Landshut, Bayern) an, um die Querbauwerke in die Entwässerungsgräben einzubauen. Gerade einmal ca. 140 g bringt der leichtfüßige, aber dennoch leistungsstarke, speziell für solche Zwecke angepasste, Bagger mit extrabreiter Schuhgröße (1,40 m Spurbreite auf jeder Seite) an Druckbelastung auf einen qcm Bodenfläche. Das war die Voraussetzung, um die druckempfindliche Moorvegetation möglichst wenig zu schädigen.

Der Baggerfahrer, der bereits bei anderen Wiedervernässungsprojekten bundesweit viel Erfahrung gesammelt hat, baute bis Weihnachten 2007 die für den Tisch geplanten 66 Torfwehre ein. Bei 24 Wehren rammte der Bagger die vom Hubschrauber eingeflogenen ca. 15 m langen und ca. 20 bis 25 cm starken Piloten (angespitzte und entastete Fichtenstämme) jeweils in Doppelreihen in den Moorboden und füllte den Zwischenraum zur Stabilisierung mit Rundholz-Querliegern auf. Danach wurde dieses Gerüst mit gewachsenem, wenig zersetztem Torf aus dem Umfeld der Wehre aufgefüllt. Hierdurch entstanden neben den Wehren Kleingewässer, die - zumindest vorübergehend - seltenen Hochmoor-Libellen und Amphibien (z.B. Moorfrosch) als Lebensraum dienen können.

Baumstämme quer in der Erde

Entastete Fichtenstämme werden zu Hindernissen verbaut, um das Abfließen des Regenwassers aus dem Moorkörper zu hemmen oder zu verhindern.

Die Fichtenstämme dienen der Stabilität der Torfwehre, der Torf selbst dichtet ab und macht das Wehr nahezu wasserundurchlässig. Die fertigen Bauwerke wurden dann mit den zuvor abgehobenen Soden und mit Reisig überdeckt, damit sie regelrecht in den umgebenden Torfboden einwachsen können. An 42 Stellen genügt aufgrund hydrologischer Voruntersuchungen ein Torfpfropfen im Graben, damit das kostbare Niederschlagswasser zurückgehalten wird.

Öffentliche Informationsführung zur Baustelle

Zur Information der Öffentlichkeit lud die Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried am Donnerstag, 29.11.2007, zu einer Ortsbegehung ein.

Fast 100 interessierte Personen aus den Stiftungsgremien (Vorstand und Stiftungsrat), der Projekt begleitenden Arbeitsgruppe (PAG) und der Bevölkerung wurden bei kaltem, trockenem Winterwetter am Freigelände des Grenzsteinmuseums in Ostrach-Burgweiler von Dieter Dziellak, dem Ersten Vorstand der Stiftung Naturschutz, begrüßt und über die anstehenden Maßnahmen im Naturschutzgroßprojekt informiert. Er dankte den Vertretern der Behörden für die Unterstützung und dem schnellen Abschluss der Planfeststellungsverfahren für die Teilgebiete Tisch und Großer Trauben. Nach fünf langen, arbeitsintensiven Planungsjahren freute sich der Erste Vorstand, dass nun endlich mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen werden konnte.

Walter Jäger, Leiter des Fachbereichs Forst am Landratsamt Sigmaringen, erläuterte am Waldrand oberhalb der Baustelle die Planungen zur Erweiterung des Bannwaldgebietes im Projektgebiet, das zum größten Bannwald Baden-Württembergs entwickelt werden soll. Dr. Alois Kapfer vom Ingenieurbüro Dr. Kapfer, Tuttlingen, das die Vernässungsplanungen durchgeführt hat, erklärte die technischen und naturschutzfachlichen Details der Vernässungsmaßnahmen.

Schließlich konnten die gespannten Zuschauer den Spezialbagger an der Baustelle bei seiner Arbeit live beobachten. Dabei bewies der Baggerfahrer Herr Renger mit seinem ca. 10 m weit ausgreifenden Baggerarm sehr viel Fingerspitzengefühl beim Einrammen der Piloten in den Moorboden und dem Einpassen der Rundhölzer. Fasziniert verfolgten die Zuschauer die Fertigstellung des Bauwerkes, so dass bis zur Mittagszeit auch manche zweifelnde Gemüter überzeugt werden konnten.

Bis zum Jahresende war der Einbau der Wehre abgeschlossen. Viele der Löcher im Boden sind bereits mit Wasser aufgefüllt.

Besucherkonzept - Vorstellung und Abstimmung

Teil des Naturschutzgroßprojektes ist auch ein Besucherkonzept, das den Menschen das besondere Naturerlebnis Moor vermittelt, ohne trittempfindliche Bereiche zu schädigen oder besonders scheue Tiere zu stören. Das Besucherkonzept verbindet die im Pflege- und Entwicklungsplan enthaltenen eher naturschutzfachlich orientierten Besucherlenkungsmaßnahmen mit Naturerlebniselementen und plant in die Regionalentwicklung und sanften Tourismus hinein, gehört das Pfrunger-Burgweiler Ried doch auch zur Ferienregion Nördlicher Bodensee, an der sich die Ried-Gemeinden Ostrach und Wilhelmsdorf auch finanziell beteiligen. Ausgehend von so genannten Willkommenspunkten, an denen die Besucher auf Infotafeln begrüßt und zu den Ried-Parkplätzen geleitet werden, wurde ein reichhaltiges Angebot an Rundwanderwegen konzipiert. Auch an die Radfahrer (insbesondere Familien mit Kindern) wurde gedacht, wobei die Führung der Radwege derzeit noch nicht auf allen Teilstrecken realisierbar ist.

An besonderen Standorten sind Aussichtskanzeln und Beobachtungsplattformen sowie ein großer Aussichtsturm geplant, von denen aus man Tiere und Pflanzen beobachten kann, ohne sie zu stören. Auf Informationstafeln werden die Besonderheiten der jeweiligen Moor-Lebensräume vorgestellt.

Da vom Besucherkonzept auch naturschutzfachliche sowie forstfachliche Belange betroffen sind, fanden 2007 mehrere Abstimmungsgespräche mit den zuständigen Behörden statt. Auch mit dem Schwäbischen Albverein wurde die Wegeführung in Theorie und im Gelände besprochen. Das Besucherkonzept wurde der Öffentlichkeit in der Projekt-begleitenden Arbeitsgruppe sowie in den Sitzungen der Gemeinderäte und Ortschaftsräte der Riedgemeinden vorgestellt.

Dabei muss allen klar bewusst sein, dass nur ein Teil der Maßnahmen im Besucherkonzept über das Naturschutzgroßprojekt realisierbar ist. Für darüber hinaus gehende Angebote müssen andere Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden. In diesem Jahr geht es an die Detailplanung und Umsetzung der ersten Besucherangebote, damit einheimische und ortsunkundige Spaziergänger und Wanderer das Moor erleben können, ohne sich darin zu verirren.

Umfassende Informationen erhalten Sie auf der eigenen Internetpräsenz des Großprojekts unter www.riedstiftung.de (öffnet eigenes Fenster).