Vorstellung der vorläufigen Planfassung des Pflege- und Entwicklungsplans

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Vorstellung der vorläufigen Planfassung des Pflege- und Entwicklungsplans

Das zweitgrößte Moor Südwestdeutschlands soll wieder wachsen.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Pfrunger-Burgweiler Ried in Oberschwaben entwässert, abgebaggert und intensiv genutzt. Damit soll jetzt weit gehend Schluss sein. Möglich macht es ein Naturschutzgroßprojekt, das neue Chancen für Natur und Mensch bietet.

Mit der Vorlage der Vorläufigen Planfassung des Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL) am 3.3.2005 geht eine zweijährige Planungsphase zu Ende, in der das Tuttlinger Ingenieurbüro Dr. Kapfer intensiv Daten zur Tier- und Pflanzenwelt sowie zum Zustand des Moores gesammelt und bewertet sowie Vorschläge zur Verbesserung der ökologischen Situation erarbeitet hat. Parallel dazu konnten in mehreren Arbeitskreisen Fachleute, Vereine und betroffene Privatpersonen mit Begleitung eines professionellen Moderators ihre Interessen einbringen.

Der wichtigste Schritt zurück zu einem funktionierenden Ökosystem ist die Wiedervernässung von sechs der vierzehn Teilmoore, aus denen das 1.445 Hektar große Kerngebiet des Naturschutzgroßprojektes besteht. Zahlreiche Dämme und Wehre heben dann nach und nach den Wasserstand im Moor wieder an, zusätzlich werden mehrere Bäche und das Hochwasser der Ostrach im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten in die ausgetrockneten Torfflächen geleitet. Um genau planen zu können, welche Bereiche wie hoch unter Wasser stehen werden, wurde das Ried im Dezember 2003 sogar mit einer speziellen Laserkamera vom Flugzeug aus vermessen. Der kostenintensivste Maßnahmenteil betrifft die Wiedervernässung mit geplanten 1,6 Mio. Euro für die nächsten 8 Jahre. Wir müssen uns deshalb auf die unter Naturschutzgesichtspunkten wertvollsten Moorbereiche beschränken, erläutert Planer Dipl.-Ing. Dr. Alois Kapfer das Vorgehen.

Um den Lebensraum für die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten - viele von Ihnen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten - weiter zu verbessern, sollen auf den Feuchtwiesen Büsche gerodet und in den vom Torfabbau verbliebenen Seen Flachwasserzonen angelegt werden. Statt intensiver Grünlandwirtschaft werden in einigen Jahren robuste Rinderrassen und Wildpferde die Außenzonen des Rieds beweiden. Die verbleibenden Wiesen werden dann nur noch mit wenig Dünger bewirtschaftet. Für diese an das Moor angepasste Grünlandwirtschaft erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich.

Um die Naturschutzmaßnahmen umsetzen zu können, kauft die Stiftung zudem in den nächsten Jahren Privatgrundstücke im Kerngebiet des Rieds auf. Von den geplanten 524 Hektar konnten wir durch eine Vorfinanzierung des Landes bereits 52,6 Hektar aus Privatbesitz erwerben, was wir dem guten Einvernehmen mit den Teilnehmern des Flurbereinigungsverfahrens Wilhelmsdorf-Pfrungen verdanken, freut sich Dieter Dziellak, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbunds und Erster Vorstand der Stiftung, über die gute Kooperation mit den Landwirten.

Auf eine breite öffentliche Akzeptanz setzt auch Dr. Hans Gerstlauer, Bürgermeister der Gemeinde Wilhelmsdorf und Zweiter Vorstand der Stiftung: Die Kommunen und alle beteiligten Akteure sind sich darin einig, dass ein Schutz des Rieds und seines wertvollen Moorkörpers nur dann wirksam erfolgen kann, wenn Nutzungen durch die Menschen nur noch in ökologisch verträglicher Form erfolgen. Sicherlich bedeute das Naturschutzprojekt auch eine Veränderung für die Raumschaft. Es bietet aber auch die Chance, den Strukturwandel in der Landwirtschaft ökologisch und sozial verträglich zu gestalten. Nicht zuletzt sei ein herausragendes Naturschutzgebiet wie das Pfrunger-Burgweiler Ried ein Anziehungspunkt für die Naherholung und Urlauber. Das ist ein Pfund, das wir in Zukunft in die Waagschale werfen können, so Gerstlauer. Dazu soll auch eine Besucherlenkung beitragen, die Besucher und Urlauber von den sensiblen Bereichen im Zentrum des Rieds fernhält und gleichzeitig mit neuen Wanderwegen, neuen Beobachtungsverstecken und Infotafeln attraktive Begegnungsmöglichkeiten mit der Natur schafft.

In den kommenden vier Wochen können Bürger und Behörden zu den geplanten Maßnahmen Stellung nehmen. Nachdem dann das Bundesumweltministerium den Plan genehmigt hat, geht es in den nächsten acht Jahren um dessen Umsetzung. Mit dem Pflege- und Entwicklungsplan haben wir mit hohem zeitlichen und persönlichem Aufwand einen ersten Schritt zur Verbesserung der ökologischen Grundlagen im Pfrunger-Burgweiler-Ried getan, so Dieter Dziallak. In den nächsten Jahren wird die Arbeit sicherlich nicht weniger werden, die Schönheit und der Wert der Natur im Ried lohnen aber jeden Einsatz.

Der Pflege- und Entwicklungsplan ist abrufbar unter www.riedstiftung.de (öffnet neues Fenster).

(Volker Lehmkuhl)