Es hört nie auf - der Landschaftsverbrauch?

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Es hört nie auf - der Landschaftsverbrauch?

Tagung: Landschaftsverbrauch. Elf große Fußballfelder am Tag - wollen wir uns das leisten?

23. November 2005, Schefflenz, Schefflenzhalle

Ist mit dem Thema Landverbrauch noch ein Blumentopf zu gewinnen? Ist mit der ständigen Klage des Überbauens von täglich neun Hektar Ackerfläche in Baden-Württemberg noch Gehör in der Öffentlichkeit zu finden?

Immerhin waren am 23. November 2005 vierzig Personen in der Schefflenzhalle in Schefflenz, Neckar-Odenwald-Kreis zusammen gekommen. Sie konnten sich nach der Tagung ein Bild von der Lage machen und wussten mehr über die existenziellen Beeinträchtigungen, die von der Zerschneidung unseres Lebensraumes mit Straßen, Bahnstrecken und die Kanalisierung der Flüsse ausgehen.

Der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes Fritz-Eberhard Griesinger stellte eingangs fest:

Über den Flächenverbrauch wird viel geklagt. Aber gibt es denn überhaupt ein Interesse, mit dem Flächenverbrauch sensibel umzugehen? Wenn die Kommunen in finanziellen Schwierigkeiten sind, wenn sie mehr Einwohner anstreben, werden ihre Verantwortlichen eher nicht an langfristige Folgen, sondern vielmehr an die unmittelbare Problemlösung denken, ja denken müssen. Jedes Gemeindegremium kommt sonst in Schwierigkeiten gegenüber seinen Bürgern. Schon 1870 wurde bei der Diskussion um das württembergische Körperschaftsforstgesetz, bei dem für die waldbesitzenden Gemeinden sehr restriktive Beschlüsse zu Gunsten nachhaltiger Bewirtschaftung der Wälder beschlossen wurden, von Abgeordneten festgestellt, dass es "eine Gemeinschaft überfordere, zu Gunsten von Vorteilen in weiterer Zukunft für die Gegenwart Nachteile in Kauf zu nehmen". Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass zwar bei Reden und Stellungnahmen mühelos ein Konsens herbeizuführen ist, dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten, dass es aber sowohl auf kommunaler, wie auf Landesebene an einem entschiedenen politischen oder gesellschaftlichen Willen fehlt, dieses Ziel mit Nachdruck anzusteuern.

Ulrike Willmann von der Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg sprach von der Hoffnung, die es gäbe:

Enorm wichtig sind Überlegungen und Projekte, die mit dem Vorhandenen effizienter umgehen. Das Modellvorhaben "MELAP" zielt deshalb auf die Umnutzung leerstehender Gebäude und die Schließung von Baulücken. Damit sollen funktionsfähige Ortskerne neu belebt und der Flächenverbrauch im Außenbereich entsprechend vermindert werden.

Nach den Referaten

zog der Vorsitzende des Arbeitskreises Ländlicher Raum des Schwäbischen Heimatbundes, Bürgermeister Georg Zimmer, ein Resümee der Tagung:

A. Die quantitative Betrachtung

B. Die Zerschneidung von Landschaftsräumen

C. Beeinträchtigung des Bodenschutzes

Zur Verringerung des Landschaftsverbrauchs lassen sich schwerpunktmäßig folgende Ziele und Empfehlungen formulieren:

1. Quantitative Steuerung neuer Siedlungsflächen

Vorrangige Ausrichtung der Siedlungsentwicklung auf den Bestand.

Zur Steuerung sind unter anderem folgende aktuelle Aktivitäten und Hilfestellungen zu erwähnen:

2. Regionales Flächenmanagement

Vor allem bei der Ausweisung von Gewerbegebieten. Da sich der Bedarf an Gewerbeflachen kaum steuern lässt, ist eine bessere Lokalisierung anzustreben. Dazu gehört auch die Zusammenfassung einzelner Gewerbeflächen mit interkommunalem Flächenmanagement. Die Regionalverbände können dazu wertvolle Hilfen leisten.

3. Programme des Landes Baden-Württemberg

Landesprogramme, die dazu beitragen, den Flächenverbrauch zu verringern, sollten fortgesetzt werden. Dazu gehören:

In allen Fragen des Landschaftsverbrauchs ist eine konzertierte Aktion der Ressorts des Landes erforderlich. Eine zentrale Anlaufstelle für Kommunen und Verbände wäre wünschenswert.

4. Baulandpreise

Die Steuerung der Baulandpreise wäre das geeignetste Instrument. Dies bedeutet aber Eingriffe in den freien Markt, die im Einzelfall begründbar sind, z. B. durch Nachweis der Folgelasten für Kommunen bei der Staffelung der Bauplatzpreise kommunaler Grundstücke.

5. Belohnung vorbildlicher Gemeinden

Gemeinden. die sich in besonderer Weise dieses Themas annehmen, sollten bei Landesprogrammen bevorzugt werden. Denkbar wäre auch eine Auszeichnung von Gemeinden für besondere Aktivitäten zur Verringerung des Landschaftsverbrauchs.

6. Einführung eines Flächen-Ökoaudits

vergleichbar mit dem vorhandenen Öko-Audit im Bereich des Umweltschutzes. Organisation eines Flächenbündnisses von Gemeinden ähnlich dem internationalen Klimabündnis.

7. Öffentlichkeitsarbeit

Überzeugung der Bürger durch professionelle Medienarbeit in Presse und vor allem in den Fernsehsendungen der Länderprogramme.

(Dieter Dziellak)