Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2011

. . . . . .

Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2011

Zum zwölften Mal bereits war 2011 ein Sonderpreis Kleindenkmale zum Kulturlandschaftspreis ausgeschrieben, mit dem besondere und beispielhafte Aktivitäten zur Erhaltung und Wiederherstellung von Kleindenkmalen belohnt werden. Diesen Sonderpreis erhalten in diesem Jahr zwei Initiativen, die sich der Restaurierung von Kleindenkmalen aus dem traditionellen Material Gusseisen gewidmet haben.

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis wird immer mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten. Lesen Sie auch mehr über die Hauptpreisträger des Kulturlandschaftspreises 2011.

Die Träger des Sonderpreises Kleindenkmale 2011

Udo Unterkofler in Künzelsau (Hohenlohekreis)

Herr Udo Unterkofler, 74653 Künzelsau

gusseiserner Brunnen

Eine der restaurierten historischen Brunnensäulen.

Kostenlose Restaurierung von zwei Brunnensäulen in Belsenberg.

Seit 60 Jahren schon gibt es die Metallgießerei, die heute den Firmennamen Alart trägt, bereits. Udo Unterkofler hat in dieser Firma sein Handwerk gelernt, seinen Meister als Metallgießer gemacht und die Künzelsauer Firma vor sieben Jahren übernommen. Immer schon wurden neben der Industriegussfertigung auch künstlerische Arbeiten und Restaurierungen ausgeführt. So konnten Udo Unterkofler und seine Mitarbeiter diese Erfahrungen einbringen, als ihm in seinem damaligen Wohnort Belsenberg zwei gusseiserne Brunnensäulen auffielen, die, von der Zeit arg gebeutelt, nur noch traurige Erinnerungsbeispiele dieser im 19. Jahrhundert weit verbreiteten kunsthandwerklichen Elemente waren.

Stark angerostet, vom Lochfrass betroffen und auch nicht mehr mit allen Teilen erhalten, konnten sie ihrer Aufgabe, Wasser zu spenden, nicht mehr nachkommen. Der eine tröpfelte nur noch, der andere stand ganz trocken, weil die Quelle, die ihn einst versorgte, versiegt ist. Es ist ein schönes Geschenk, dass Udo Unterkofler der Gemeinde Belsenberg gemacht hat. Mit großer Sachkunde und kostenlos haben er und seine Mitarbeiter den beiden Brunnensäulen ihren alten Glanz wiedergegeben, fehlende Teile neu gegossen und ergänzt und die Zeitzeugen zu einem Blickfang in Belsenberg gemacht. Der vorher nur tröpfelnde Brunnen spendet mit einem neuen Innenleben aus Edelstahl heute wieder Wasser in den Brunnentrog – zur Freude der Kinder, die darin spielen, und ihrer Eltern, die dort ihre Gießkannen füllen.

Ludwig Horn in Ilshofen für Arbeitsgemeinschaften der Oberlin-Schule in Fichtenau, Christoph von Pfeil-Schule in Fichtenau und Hermann-Merz-Schule in Ilshofen (Kreis Schwäbisch Hall)

Arbeitsgemeinschaften der drei genannten Schuilen, Herr Ludwig Horn, 74532 Ilshofen

Jugendliche an einem Wegzeichen

Schülerinnen und Schüler kümmern sich um historische gusseiserne Tafeln.

Restaurierung und Wiederaufstellung von 77 historischen gusseisernen Tafeln (Orts- und Oberamtstafeln, Truppenteiltafeln, Wegweisertafeln und Grenzstöcken).

Mit Ludwig Horn aus Ilshofen gibt es den seltenen Fall, dass ein Preisträger für das gleiche Projekt ein zweites Mal ausgezeichnet wird. Bereits im Jahr 2002 wurde er als damals noch aktiver Lehrer an der Oberlinschule in Fichtenau mit dem Sonderpreis Kleindenkmale bedacht. Herr Horn hat sich einer besonderen Art von Kleindenkmalen gewidmet, nämlich den heute noch vorhandenen Beispielen der gusseisernen Orts- und Oberamtstafeln, Truppenteiltafeln, Wegweiser und Grenzstöcke, die im Königreich Württemberg auf königlichen Befehl nach genau vorgegebenen Anweisungen angefertigt und aufgestellt wurden und so für Ordnung im Ländle sorgten. Im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft hat er damals mit Schülern seiner Schule solche Tafeln identifiziert, dokumentiert und fachkundig restauriert.

Dieses Projekt wurde seitdem weitergeführt und ausgeweitet. Insgesamt drei Schulen engagieren sich inzwischen für diese Zeugen unserer Vergangenheit. Die Dokumentation – zeitgemäß längst mit GPS-Kartierung und Dokumentation bei GOOGLE-Maps – , die Aufarbeitung der Tafelinhalte und deren Verbindung zur heimatlichen Geschichte sind ebenso Bestandteile des Unterrichts und von Prüfungsprojekten geworden wie die aufwändige handwerkliche Restaurierung dieser Tafeln und Grenzstöcke. Immer wieder neue Schüler arbeiten mit ihren Lehrern mit. Alle aber greifen immer wieder auf das große Fachwissen des längst pensionierten Ludwig Horn zurück, der immer noch die Seele dieses Projektes ist. 77 Tafeln sind inzwischen in neuem Glanz erstanden und wieder aufgestellt, ein Umfang, den wir uns 2002 nicht hätten vorstellen können. Für diese Leistung und die damit verbundene Verankerung von Landesgeschichte bei einer ganzen Generation von Schülern hat die Jury Herrn Horn und den Arbeitsgemeinschaften der drei Schulen – Hermann-Merz-Schule in Ilshofen, Oberlin-Schule und Christoph von Pfeil-Schule in Fichtenau – den Sonderpreis Kleindenkmale 2011 zuerkannt.