Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2018

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2018

Am 28. Juni 2018 kam die Jury des 28. Kulturlandschaftspreises zusammen, um die eingesandten Bewerbungen zu bewerten und die Preisträger des Jahres 2018 zu küren. Für den Hauptpreis im gemeinsamen Wettbewerb des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg bewarben sich in diesem Jahr über 30 Gruppen und Einzelpersonen, für den Sonderpreis Kleindenkmale gingen rund 20 Bewerbungen ein. Das Preisgeld in Höhe von über 10.000 Euro stellt die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung.

Festveranstaltung

Jeder der genannten Haupt-Preisträger erhält ein Preisgeld von 1.500 Euro. Die Sonderpreise Kleindenkmal sind mit jeweils 500 Euro dotiert.

Überreicht wurden die Preise im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 24. Oktober 2018 in Geislingen (Zollernalbkreis) von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.

Jugendkulturlandschaftspreis

Hirtenliebe GbR, Marliese Sitter und Maximilian Kittsteiner, 74638 Waldenburg (Hohenlohekreis)

für Landschaftspflege durch Hangbeweidung mit Schafen und Nachmahd, Kreislaufwirtschaft ohne synthetische Düngemittel; Tierhaltung in Stall, Weide und Wald; Streuobstpflege; Produktvermarktung.

Mann mit Schafen (c) Hirtenliebe GbR

Hirtenliebe setzt konsequent auf Biodiversität und nachhaltiges Wirtschaften. Der Betrieb mit 25 Mutterschafen, mit Ziegen, Ochs und Kuh sowie 35 Legehennen auf der Waldweide ist auf Kreislaufwirtschaft angelegt. Über 250 Streuobstbäume ergänzen das Engagement, mit dem die jungen Menschen darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, die Wertschöpfungskette wertvoller Lebensräume auszuschöpfen. Zugleich wecken sie durch verschiedene Aktionen Verständnis für die Bedeutung dieser Lebensräume.

Kulturlandschaftspreis

(von Nord nach Süd)

Familie Dörner, 74677 Dörzbach-Hohebach (Hohenlohekreis)

für Landschaftspflege im Familienbetrieb, Beweidung mit Rindern auf ca. 30ha Fläche, größtenteils FFH-Mähwiesen; Heckenpflege.

Menschen mähen Gras mit einem Traktor (c) Preisträger

Mit einer kleinen Mutterkuhherde begannen die Dörners vor rund 20 Jahren im Nebenerwerb, brachgefallene Flächen in Steinriegelhängen zu bewirtschaften. Mittlerweile ist der Bestand auf 44 Mutterkühe und Kälber verschiedener Rassen angewachsen. Von den 30ha Landschaftspflegeflächen sind knapp 27ha als FFH-Mähwiesen kartiert. Die so freigehaltenen und beweideten Trockenhänge charakterisieren in herausragender Weise mit ihrer Flora und Fauna das Jagsttal.

Gernot und Karen Fröschle, 75323 Bad Wildbad (Kreis Calw)

Landschaftpflege durch Beweidung in Steillagen im Oberen Enztal im landwirtschaftlichen Betrieb mit 450 Schafen, 30 Hinterwälder Rindern und 20 Ziegen.

Traktor zur Futtergewinnung (c) Preisträger

Bis auf knapp 1000m Höhe reichen die bewirtschafteten Flächen in 289 Schlägen, die auf rund 170qkm verteilt sind. Ein Drittel der Betriebsfläche weist Steigungen zwischen 25 und 50% auf, einige Hektar sogar mehr. Solche Flächen sind nur durch Beweidung zu bewirtschaften. Der Familienbetrieb sichert durch seine Arbeit den Erhalt einer charakteristischen Kulturlandschaft mit hoher Bedeutung für Naturschutz. Feldgehölze, Trockenmauern, Nasswiesen und Magerrasen können auf diese Weise erhalten werden.

Maximilian Brühl, 89558 Böhmenkirch-Schnittlingen (Kreis Göppingen)

für seinen Schäfereibetrieb mit 350 Mutterschafen, Beweidung und Bewirtschaftung.

Wiese mit Bäumen (c) Preisträger

350 Mutterschafe der Sorte Merino Landschaf sowie 25 in die Herde integrierte Mutterziegen sorgen dafür, dass rund 40ha naturschutzwichtige Flächen offengehalten werden, darunter Wacholderheiden, Magerrasen und artenreiches Grünland. Die Beweidung erfolgt sowohl in Hütehaltung wie auch in Koppeln. Die extensive Bewirtschaftung sorgt dafür, dass Maximilian Brühl einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Kreis Göppingen leistet.

Verein Streuobst-Pädagogen e.V., Frau Beate Holderied, 71093 Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen)

für das Projekt "Die Streuobstwiese. Unser Klassenzimmer im Grünen" - ein ganzjähriges unterrichtsbegegleitendes Projekt mit dem Lernort Streuobstwiese.

Tafel in einem Klassenzimmer (c) Preisträger

Das Projekt wurde 2003 ins Leben gerufen und erstreckt sich über das gesamte Obstjahr, d.h. über alle vier Jahreszeiten. Alle Eingangsklassen werden zehn- bis elfmal in die Natur geführt, um alle Arbeiten zu verrichten, die im Jahr auf einer Streuobstwiese anfallen: vom Reisigbinden, über das Heuernten bis zur Obsternte und Verwertung. Allen Tieren und Pflanzen dieses wertvollen Lebensraums geht man auf die Spur. Spielerisch werden Schülerinnen und Schülern fast verlorengegangene Schätze der Kulturlandschaft nahe gebracht.

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe 72351 Geislingen (Zollernalbkreis)

für umfassende Landschaftspflege auf der Geislinger Sommerhalde, dazu Aktionen wie Kräuterwanderungen und Apfelsaftfest.

Menschen beseitigen Gestrüpp (c) Preisträger

Ein ehemals extensiv bewirtschaftetes, ab ca. 1970 aber sich selbst überlassenes Gebiet wird durch die Gruppe seit acht Jahren sukzessive in einen wertvollen Lebensraum und eine unverwechselbare Kulturlandschaft am Rande der Zollernalb zurückverwandelt. Seit Beginn der Arbeiten wurden rund 12.000qm freigelegt und gepflegt. Die Flächen sind heute umrahmt von Hecken und einer großen Vielfalt an Büschen. Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen, haben sich wieder angesiedelt. Die jetzige Sommerhalde ist zum Paradies für Insekten und Schmetterlinge geworden. Beim jährlichen Apfelsaftfest wird vor allem jungen Menschen die Bedeutung der Streuobstwiesen vermittelt.

Sonderpreis Kleindenkmale

ein Grenzstein von Gestrüpp überwuchert (c) Preisträger

Herr Willi Schick, 72475 Bitz (Zollernalbkreis)

für die Suche nach verschwundenen Grenzsteinen, Reinigung und Dokumentation

Willi Schick befasst sich seit einigen Jahren mit den Grenzsteinen seiner Heimatgemeinde. Er sucht sie, gräbt sie ggf. aus, säubert sie und dokumentiert sie. 68 Grenzsteine, davon 17 umgestürzte, hat er auf diese Weise ohne weitere Unterstützung gerettet und gepflegt. Herr Schick ist 83 Jahre alt.

Private Feldkreuzinitiative, 88634 Herdwangen-Schönach (Kreis Sigmaringen)

Kreuz (c) Preisträger

für Öffentlichkeitsarbeit und Initiativen zum Erhalt der Feldkreuze auf der Markung, Broschüren, Ausstellung und Vorträge

Die Initiative setzt sich seit 2015 intensiv sowohl mit der kulturhistorischen wie auch mit der sakralen Geschichte der Feldkreuze und Bildstöcke ihrer Heimat auseinander. Das gesammelte Wissen wurde in einer umfangreichen Broschüre zusammengetragen. Sie informiert und sensibilisiert auf verschiedenen Wegen die Öffentlichkeit und sammelt Spendengelder für Renovierungsmaßnahmen.

Eigentümer der Billafinger Feldkreuze, 88696 Owingen-Billafingen (Bodenseekreis)

Kreuz unter Bäumen (c) Preisträger

für Erhalt und Sanierung der Feldkreuze rund um Billafingen. Druck einer Broschüre.

Seit 2013 setzen die privaten Eigentümer der 16 Billafinger Feldkreuze ihr Möglichstes daran, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die wertvollen Zeugen der Vergangenheit mit Unterstützung eines Steinmetzes zu sanieren. Neben den privaten Mitteln konnten auch Spenden eingeworben werden. Parallel dazu haben die Bürgerinnen und Bürger eine Broschüre entwickelt, die hilft, das Wissen um Kreuze und Inschriften für die Zukunft zu sichern.