Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2009

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2009

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten. Lesen Sie auch mehr über die Hauptpreisträger des Kulturlandschaftspreises 2009.

Obst- und Gartenbauverein in Tauberbischofsheim-Hochhausen

Herr Werner Schramm, Flürlein 8, 97941 Tauberbischofsheim-Hochhausen

Restaurierungsmaßnahmen an Kleindenkmalen. Erstellung von drei Dokumentationen und eines Flyers (Flurdenkmale in Hochhausen, Jüdischer Friedhof in Hochhausen und Zwei geschnitzte Eckpfosten vom Grünauer Hof von 1699).

Ein Mann repariert einen Gedenkstein

Ein Gedenkstein wird fachgerecht restauriert.

Eigentlich meint man doch zu wissen, welchen Aufgaben sich ein Obst- und Gartenbauverein widmet. Sicherung, Pflege und Förderung des Obst- und Streuobstanbaus in der heimischen Kulturlandschaft sind Aufgaben, die beim Kulturlandschaftspreis immer wieder eine Rolle spielen. Dass die Dokumentation und Restaurierung von Kleindenkmalen dazugehören, das ist schon außergewöhnlich. Die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Hochhausen sehen den Obstbau als Bestandteil einer - wie sie selbst schreiben - wohlverstandenen Heimatpflege, der sie sich verpflichtet fühlen.

Dazu gehört als wichtiges Vereinsziel auch der Erhalt und die Restaurierung gefährdeter Zeugen der Vergangenheit - eine, wie ich denke - schöne Definition der Kleindenkmalpflege. Es ist beeindruckend, wie engagiert und fachkundig die Vereinsaktiven dabei zu Werke gehen. Mehrere umfangreiche und ansprechende Dokumentationen sowie ein Flyer legen davon Zeugnis ab. Eine Dokumentation der Flurdenkmale von Hochhausen stellt nach einer Einführung in die Bedeutung solcher Elemente in der Kulturlandschaft alle Flurdenkmale der Gemarkung mitsamt ihrer Geschichte, ihrer individuellen Bedeutung und manch interessanter Anekdote vor.

Die Dokumentation war so ansprechend, dass Geldspenden eingingen in einem Umfang, dass sich der Verein der Restaurierung zahlreicher dieser Kleindenkmale widmen konnte. Wegweiser, Madonnenstatuen, eine Reihe vom Zahn der Zeit gezeichnete Zeugen der Vergangenheit sind nun wieder tauglich für kommende Jahrzehnte. Zu den interessantesten Aktivitäten des Vereins aber gehört die detaillierte Dokumentation des jüdischen Friedhofs von Hochhausen, seiner Geschichte, der Geschichte der jüdischen Besiedlung im Ort und der Geschichte der dort begrabenen Mitbürger. Anlagen mit Reproduktionen zahlreicher Dokumente aus Archiven, die sich mit der Geschichte der jüdischen Besiedlung am Ort befassen, vervollständigen die Dokumentation.

Gotthilf Sachsenheimer in Eppingen-Kleingartach

In der Brandstatt 12, 75031 Eppingen-Kleingartach

Dokumentation und Sicherung der Markungsgrenzsteine von Kleingartach und von 63 Grenzsteinen an der ehemaligen badisch-württembergischen Landesgrenze.

Ein Holzgestell über einem Grenzstein

Mit "Dreibeinen" aus Eiche werden die erfassten Grenzsteine während Waldarbeiten vor Beschädigungen geschützt.

Zwischen Eppingen und seinem Teilort Kleingartach verlief einst die Staatsgrenze zwischen Baden und Württemberg. Schon als Kind sind Gotthilf Sachsenheimer die zahlreichen Grenzsteine aufgefallen, die diese Grenze deutlich markierten. Doch sich näher damit zu befassen, dafür fand der Mechanikermeister die Zeit erst nach seiner Pensionierung. Doch nun befasst er sich mit dem Thema um so intensiver!

229 Grenzsteine stehen an der Gemarkungsgrenze von Kleingartach - die meisten an dem Teil, der einst Landesgrenze war. Ausgestattet mit Digitalfotoapparat, Meterstab, Notizblock und Zimmermannsblei machte sich Gotthilf Sachsenheimer auf den Weg und an die Arbeit. Hatte er die Steine erst gesäubert und vom Moos befreit, hat er sie vermessen, den Standort in der Flurkarte vermerkt und die Inschriften mit seinem Blei so nachgezogen, dass sie auf seinen Dokumentarfotos deutlich lesbar waren. Ausgewertet und aufgenommen in entsprechende Erfassungsbögen entstanden aus den Ergebnissen Dokumentationsmappen.

Doch das war nur der Anfang. Das Interesse, das seine Dokumentation fand, brachte ihm Anfragen, seine Ergebnisse doch einmal vorzustellen und vorzutragen. Offenbar war es ein interessanter Vortrag, denn nun meldeten sich Bürger bei ihm, die ihn auf weitere, noch nicht erfasste Steine aufmerksam machten, eine kleine Lawine war losgetreten. Doch auch das öffentliche Interesse von Gemeinde und Denkmalamt war geweckt. Ausgestattet mit Finanzmitteln zur Sanierung beschädigter Steine konnte Herr Sachsenheimer sein Betätigungsfeld noch einmal ausweiten.

Als Ergebnis der engagierten Arbeit unseres Preisträgers konnte ein Grenzsteinweg als Lehr- und Wanderpfad eingeweiht werden, in dem zahlreiche umgefallene und beschädigte Grenzsteine gesichert, mit Erläuterungstafeln versehen und als steinernes Lesebuch der örtlichen Landesgeschichte präsentiert sind. Gleichzeitig wurde die Gemarkungsgrenze von Kleingartach mit ihren Steinen auf der gesamten Länge unter ausdrücklichen Denkmalschutz gestellt.

Guido und Sieglinde Frey in Ottenbach

Waldenhof, 73113 Ottenbach

Renovierung und Ausstattung der Antoniuskapelle und Gestaltung ihrer Umgebung. Zuvor Nutzung als Lagerraum für Düngemittel.

kleine Kapelle

Nach wechselvoller Geschichte erstrahlt die Hofkapelle wieder in neuem Glanz.

Unerfüllter Kinderwunsch und damit kein Hofnachfolger ist für einen Bauern im 19. Jahrhundert ein wirkliches Problem gewesen. In der Hoffnung, Gott auf diese Weise vielleicht bestechen zu können, baute der bis dahin kinderlose Isidor Frey im späten 19. Jahrhundert eine Kapelle auf seinem Hof, dem Waldenhof in Ottenbach. Der Sohn, der ihm tatsächlich wenige Jahre später geboren wurde, starb allerdings schon früh und auch der Hof insgesamt stand unter keinem guten Stern. Mit dem Hof verwahrloste auch die Kapelle, das Dach stürzte ein, das Bauwerk verfiel.

Als Guido und Sieglinde Frey den Hof 1969 Jahre später erwarben, um daraus einen Biolandbetrieb zu machen, hatte die Kapelle die traurige Funktion eines Mineraldüngerlagers. Zunächst gab es natürlich wichtigeres zu tun, aber schon beim Hofkauf stand für die Beiden fest, dass sie die Kapelle wieder würdig gestalten würden. Als die Kapelle am 6. Oktober 2007 in einer feierlichen Zeremonie dem Heiligen Antonius von Padua geweiht wurde, war sie zu einem Kleinod geworden. Mit einer geschmackvollen Außenanlage mit Pflasterung und Bepflanzung, einer seitlich angeordneten Mariengrotte und einer, dem Bauwerk angemessenen, zurückhaltenden Innenausstattung, ist sie nun wieder Zeuge tiefer Volksfrömmigkeit und lädt inmitten einer schönen Landschaft mit Blick auf den Hohenstaufen Gläubige zur Andacht oder auch nur zum Ausruhen ein.