Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2007

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2007

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten. Lesen Sie auch mehr über die Hauptpreisträger des Kulturlandschaftspreises 2007.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale 2007 kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2007/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Restaurierung von Feldkreuzen und einem Grenzstein
Emil Moosmann aus Fluorn-Winzeln (Kreis Rottweil)

Emil Moosmann ist einer, der sich kümmert - wenn er sieht, dass sich niemand zuständig fühlt. Und weil er so ist, konnte er nicht zusehen, wie an den verschiedensten Stellen seiner Heimatgemeinde Kleindenkmale verloren zu gehen drohten. So zeugen inzwischen mehrere Feldkreuze und etliche Grenzsteine in Fluorn-Winzeln von seinen Aktivitäten. Alle hatten eine Geschichte zu erzählen - entweder sehr konkret, etwa von Auswandererschicksalen des 19.Jahrhunderts, oder allgemeiner von Volksfrömmigkeit und Glauben. Seine Projekte - wie Emil Moosmann sie nennt - fordern ihn jeweils ganz unterschiedlich. Genügte es in einem Fall, die Renovierung zu organisieren und Geldgeber zu finden, war es bei anderen Feldkreuzen nötig, die Renovierung selbst zu übernehmen.

Grenzstein

Historischer Grenzstein mit einer aufgesetzten Tafel aus Metall.

Verloren gegangene Feldkreuze hat er neu errichtet, abgängige Linden durch neue ersetzt. Auch marode Grenzsteine hat Emil Moosmann saniert, ihre vom Zerfall bedrohten Inschriften nachgehauen und die Steine wieder aufgerichtet. Da solche Sanierungsarbeiten neben Engagement Geld kosten, hat Emil Moosmann die Kulturstiftung der Kreissparkasse Rottweil ebenso wie die Gemeinde Fluorn überzeugt, die sich mit namhaften Beiträgen an seinen Projekten beteiligten. Dennoch waren es noch erhebliche Beträge, die Herr Moosmann aus eigener Tasche eingebracht hat.

Errichtung einer Gedenkstätte an der ehemaligen Wallfahrtskapelle "Zu unser lieben Froun Zinßbach"
Schwarzwaldverein Pfalzgrafenweiler (Kreis Freudenstadt)

Bis zur Reformation in Württemberg stand im Zinsbachtal, einem kleinen Seitental der Nagold bei Pfalzgrafenweiler eine stattliche Wallfahrtskapelle mit dazugehörendem Pfründhaus, Gasthaus und einer kleinen Mühle. Am Fernwanderweg von Herrenberg her gelegen, war sie unter dem Namen Unser liebe Froun Zinßbach weithin bekannt und bot Reisenden und Jakobspilgern ein Nachtlager. Die Anlage hat die württembergische Reformation nur um wenige Jahre überlebt. Erhalten geblieben war nur eine wunderschöne Silberstiftzeichnung der gesamten Anlage aus dem Jahre 1515 von Hans Baldung Grien - eine wirkliche Kostbarkeit. Auslöser für das Projekt der Ortsgruppe Pfalzgrafenweiler des Schwarzwaldvereins war der Sturm Lothar am 2. Weihnachtstag 1999. Der Sturm riss einige Weisstannen um, in deren Wurzelwerk sich Fundamentblöcke und andere Spuren wiederfanden. Nach einigen Recherchen war rasch klar, dass es sich um die Überreste der Wallfahrtskapelle handelte. Mit beeindruckendem Feingefühl für historische Zusammenhänge, Zähigkeit, Organisationstalent und vor allem großem Engagement ihrer Mitglieder hat die Ortsgruppe ihre Idee umgesetzt, der Erinnerung an die einstige Wallfahrtskapelle an ihrem Standort und auf ihrem Fundament in einer kleinen Gedenkstätte Ausdruck zu geben.

Mauer mit einer Nischenfigur und einem Steintisch

Heute eine Pilgerstätte mit einer von I.K.H. Diane Herzogin von Württemberg angefertigten Jakobusstatue in der Nische.

Nach der Abstimmung mit der Gemeinde, dem Landratsamt und vor allem dem Landesdenkmalamt folgte eine Benefizveranstaltung, bei der ein finanzieller Grundstock für das Projekt gelegt werden konnte. Handfest ging es dann mit einigen Tonnen behauener Buntsandsteine weiter: Die Rentnermaurer des Vereins errichteten eine Mauernische, in der eine Jakobs-Bronzestatue - ein Geschenk des Hauses Württemberg - ihren Platz fand. Mit zahlreichen Arbeitseinsätzen brachten die Mitglieder das Umfeld landschaftspflegerisch in Ordnung, richteten Wege und Stege und gestalteten die Außenanlage. Nach etwa 500 Arbeitsstunden und Kosten von zirka 10.000 Euro konnte die Gedenkstätte am 8. September 2006 im Rahmen einer Feierstunde ihrer Bestimmung übergeben werden. Seitdem ist die einstige Wallfahrtskappelle in das Bewusstsein der Menschen zurückgekehrt und mit einer Vielzahl von Veranstaltungen wird der Platz seither wieder belebt.