Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2006

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2006

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten. Lesen Sie auch mehr über die Hauptpreisträger des Kulturlandschaftspreises 2006.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale 2006 kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2006/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Erfassung, Erhaltung und Restaurierung von Kleindenkmalen
Heimatverein Impfingen e. V. in Tauberbischofsheim-Impfingen (Main-Tauber-Kreis)

Christus trägt Kreuz

Der "Kreuzschlepper" wurde repariert und wieder aufgestellt.

Begonnen hat alles mit einem Aufruf des Ortsvorstehers und seiner Ortschaftsräte im Jahr 1990, mit dem zu Spenden für die Erhaltung der örtlichen Kleindenkmale und Bildstöcke aufgerufen wurde. Etliche der zahlreichen und teilweise sehr bemerkenswerten Denkmäler aus verschiedenen Zeiten zeigten Spuren des Alters und waren vom Verfall bedroht.

Der Aufruf traf in Impfingen auf offene Ohren! Dank zahlreicher Spenden, Zuschüsse vom Denkmalamt und Hilfe aus der Bürgerschaft war es schon im darauffolgenden Jahr möglich, die Kopie eines ersten Bildstockes, eines Kreuzträgers aus dem 19. Jahrhundert vorzustellen, neu aufzustellen und das beschädigte Original an einem geschützten Ort zu präsentieren. Und bereits im folgenden Jahr wurde auf diese Weise eine Nepomukstatue an einer Tauberbrücke renoviert. Die gelungenen Initiativen mündeten 1999 in die Gründung eines Heimat- und Kulturvereins, der sich seither um die örtlichen Bildstöcke kümmert und zur Finanzierung dieser selbstgestellten Aufgabe durchaus pfiffige Ideen entwickelt.

So wurde die Restaurierung eines Steinkreuzes von 1598 mit einem Apfelfest finanziert, das große Resonanz fand. Der Heimatverein war aber auch die richtige Adresse für die Erfassung und Dokumentation der Kleindenkmale im Rahmen des landesweiten Projektes, zu dessen Trägern der Schwäbische Heimatbund gehört. Nachdem die Aktiven des Vereins ihre Erfassungsergebnisse auch noch zu einem Impfinger Bildstockwanderweg ausgebaut haben, ist das fachkundig zusammengetragene Wissen nun für Jedermann zugänglich. Eine Schöne Idee, die nicht zuletzt mitverantwortlich war, dass die Jury den Heimatverein Impfingen e.V- mit dem Sonderpreis Kleindenkmale ausgezeichnet hat.

Erfassung, Erhaltung und Restaurierung von Kleindenkmalen
Heimatverein Neudenau e. V. in Neudenau (Kreis Heilbronn)

Auch in Neudenau im Kreis Heilbronn gibt es einen Heimatverein, der sich sehr aktiv der Erhaltung der örtlichen Kleindenkmale verschrieben hat. Im kommenden Jahr kann der Verein sein 30-jähriges Jubiläum begehen und dabei auf eine sehr erfolgreiche Vereinsgeschichte zurückblicken. Dazu gehören ganz unterschiedliche Aktivitäten wie beispielsweise die Erfassung des örtlichen heimatkundlichen Wissens in seiner ganzen Bandbreite und dessen Dokumentation in einem auf mehrere Bände angelegten Heimatbuch, die Neudenauer Überlieferungen.

Und nicht zuletzt gehört zu den Verdiensten der etwa 150 Mitglieder, die außerordentliche Vielfalt an Kleindenkmalen auf der Neudenauer Gemarkung vollständig erfasst zu haben mitsamt ihren volkskundlichen oder historischen Bezügen.

Es ist immer wieder bemerkenswert, in welcher Vielfalt sich Volksfrömmigkeit, Gedenken an Personen und Ereignisse oder auch ganz andere Zielsetzungen in behauenem Stein ausdrücken. Bildstöcke, Flurkreuze, Brückenstatuen, Gedenksteine, Weg- und Grenzsteine - sie alle haben eine Geschichte zu erzählen und viele davon sind in den Veröffentlichungen des Heimatvereins erfasst. Wo es notwendig war, haben die Neudenauer die Objekte von Ablagerungen und Verkrustungen gereinigt und in Absprache mit dem Landesdenkmalamt eine fachlich qualifizierte Restaurierung veranlasst. Doch so etwas ist - qualifiziert durchgeführt - teuer! Das jüngste Projekt, die Renovierung einer Kreuzigungsgruppe, hat den Verein allein 20.000 Euro aus eigenen Mitteln gekostet. Dass so trotz Spenden und amtlicher Zuschüsse ein kleiner Verein an seine finanziellen Grenzen stößt, liegt nahe.

Erforschung, Dokumentation und teilweise Wiederherstellung der historischen Wasserversorgung von Sindelfingen
Wolfgang Schleh in Sindelfingen (Kreis Böblingen)

Teil einer Wasserleitung mit Schautafel

Infotafel und Teuchel im Sommerhofenpark.

Es ist ein ganz spezieller Teil der Kulturlandschaft, mit dem sich Wolfgang Schleh aus Sindelfingen schon Zeit seines Lebens auseinandersetzt, ohne den Kulturlandschaft gar nicht vorstellbar wäre: Wasser - alte Quellfassungen, Mühlen und Wasserleitungen in seiner Heimatstadt sind die Themen, deren Erforschung er sich seit langen Jahren mit großem persönlichen Einsatz und Fachkunde widmet.

Und dabei hat seine beharrliche Recherche in Archiven und sein unermüdliches Suchen nach entsprechenden Spuren und Zeugnissen in der Landschaft selbst erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert. Aber das ist Wolfgang Schleh nicht genug: Die Sicherung und Bewahrung der unwiederbringlichen Zeugen als Denkmale für die Entwicklung der Wasserversorgung in unserer Kulturlandschaft ist sein Ziel, das er beharrlich und erfolgreich umsetzt.

Seit langem im sumpfigen Gelände nicht mehr lokalisierbar war z.B. die aus Flurkarten des frühen 19. Jahrhundert bekannte Mönchsbrunnenquelle. In akribischer Archivarbeit hat Herr Schleh sie im Gelände lokalisiert, den Schacht erneut ausgegraben und mit Stubensandsteinblöcken trocken ausgemauert. Heute lässt sich an dieser Quellfassung wieder ein Stück Wasserversorgungsgeschichte von Sindelfingen nachvollziehen.

Wer heute an den beiden Brunnen im Gartenschaugelände von Sindelfingen dem fließenden Wasser zuschaut, ahnt nicht, welch lange und interessante Geschichte mit diesem Wasser verbunden ist. Die Leitung wurde 1558 auf einer Länge von über 3 Kilometern in die Stadt gelegt, um damit den historischen Marktbrunnen zu versorgen. Aus der heute in einem Naturschutzgebiet gelegenen Quelle wurde das Wasser durch hölzerne Teuchel über 1 Meter tief im Boden bis zum Marktbrunnen geführt. Erst 1908 wurde die Leitung aus Kiefernholz durch Gussrohre ersetzt. Bei Baggerarbeiten 1990 aber wurde diese Leitung gekappt und geriet in Vergessenheit. Wolfgang Schleh fand Mitstreiter für die Wiederinbetriebnahme der historischen Leitung bei den Stadtwerken und dem städtischen Grünbetrieb. Zwei Jahre Arbeit waren nötig, bis die alten Leitungen gefunden, wieder instandgesetzt und in Betrieb genommen waren. Heute ist die historische Leitung zwar 600 Meter kürzer und endet in den beiden Brunnen des Gartenschaugeländes, doch ist sie mit der Rekonstruktion zum Denkmal ihrer eigenen Geschichte geworden. Die lässt sich auf Infotafeln und an einem Stück Kiefernholz-Teuchel nachvollziehen.

Wiederherstellung und Erhaltung von Bildstöcken
Hans Schilling in Rottenburg (Kreis Tübingen)

Bildstöcke gehören zum Landschaftsbild im Rottenburger Land. Als Ausdruck der Volksfrömmigkeit findet man sie in den Dörfern rund um die alte Bischofsstadt ebenso wie in der Stadt selber: aus Sandstein gefertigte Bildstöcke oder vielmehr das, was von ihnen übrig ist.

Die Jahrhunderte, der Straßenverkehr und alle möglichen Einflüsse haben ihre Spuren hinterlassen an diesen in Stein gehauenen Gebeten ihrer Stifter. Als Zeugnisse des Gedenkens, der Fürbitte, des Dankes oder des Lobes waren sie als Einladung an Vorbeikommende zum Innehalten und zur Andacht aufgestellt, doch einladend sind sie, gezeichnet von den Spuren der Zeit, oft nicht mehr.

1998 waren es zwei solche ramponierten Bildstöcke, die den Rottenburger Architekten Hans Schilling nicht ruhen ließen. Er initiierte eine Spendenaktion, sammelte an seinem 70. Geburtstag selbst Geld und machte Pläne für eine fachgerechte Restaurierung. Doch wenn man erst einmal anfängt!

Noch während er mit der Restaurierung der beschädigten Stelen der ersten beiden Bildstöcken beschäftigt war, kümmerte er sich schon um einen dritten, nahm er schon die Arbeit an einem dritten auf. Doch bei dem ging es nicht nur um die Stele, bei diesem Stock war die Plastik, die figürliche Darstellung verloren gegangen. In Zusammenarbeit mit einem örtlichen Bildhauer wurde sie neu entworfen und geschaffen. Und als ob die Rottenburger Bildstöcke nur auf Hans Schilling gewartet hätten: er hatte seine Aufgabe gefunden, für deren Übernahme wir alle ihm dankbar sind. Und kein Bildstock ist wie der andere, kein Schaden ist mit dem anderen vergleichbar. Etliche Bildstöcke sind es inzwischen, derer sich Hans Schilling angenommen hat, für die er die Restaurierung des Stocks oder die Erneuerung der Bildtafeln geplant, die Finanzierung organisiert und übernommen und die er wieder zu dem gemacht hat, als was sie gedacht waren: Einladung zur Besinnung am Wegesrand.